• Definition
    • - ätiologisch unspezifisch
    • - tritt hauptsächlich bei allmählich einsetzender chronisch voranschreitender Hirnschädigung auf
    • Symptome des organischen Psychosyndroms (Demenz)
      • Verhaltensabweichungen, emotionale Veränderungen
      • Nachlassen der Gedächtnisleistung, Orientierung
      • Gefühlsverarmung
      • Interesselosigkeit, Hemmungslosigkeit, Verlust schöpferischer Leistung
      • Vernachlässigung der eigenen Person
      • Versagen beim Ausführen gewohnter Tätigkeiten
  • Diagnose Demenz nach ICD-10 (folgende Symptome länger als 6 Monate):
    • 1. gravierende Beeinträchtigungen der Aktivitäten des alltäglichen Lebens
    • 2. besonders: Einschränkung der intellektuellen Leistungsfähigkeit
    • zusätzlich kann
    • - früher gelerntes verloren gehen (besonders in späteren Stadien)
    • - gestörte Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen
    • bei alleiniger Diagnose: Bewußtseinsklarheit (unbeeinträchtigtes qualitatives Bewußtsein) → ansonsten Doppeldiagnose Delir mit Demenz (F05.1)
  • dementielles Syndrom bei verschiedenen Krankheitsbildern
    • Demenz bei Alzheimer-Krankheit (ICD-10: F00)
      • Epidemiologie, Beginn
        • Frauen häufiger als Männer
        • Beginn-Modalwert: 55.-65. Lj., selten bei jüngeren P.
        • Dauer 2-10 Jahre im Durchschnitt
      • Neurologie/Ätiologie
        • neurofibrilläre Verklumpungen (bestehend aus Tubulin, beta-Amyloid u. speziellem Protein)
        • senile Plaques (interstitielle Ablagerungen neuronaler Filamentproteine im ZNS (Alzheimer: Nucleus basalis Meynert, Corpus amygdaloideum, Hippocampus))
        • Störung aller klassischen Transmittersysteme (bes. aber Atrophie cholinerger Neurone auch Störung des noradrenergen Systems)
        • familiäre Häufung (genetische Komponente, Chromosom 21? (weil neurologische S. ähnlich Trisomie-21 (Downsyndrom), höhere Wahrscheinschlichkeit an M. A zu erkranken)
        • slow-virus infection?
        • Aluminium? (hohe Konzentration von Aluminiumsilikat in senilen Plaques, gehäuftes Vorkommen der Erkrankung in Gebieten in Mittelnorwegen mit hohem Aluminiumsilikatgehalt im Trinkwasser)
      • Symptome, Störungen
        • der Merkfähigkeit
        • der Begriffsbildung, des logischen Denkens
        • Apraxie, Aphasie, Apathie, Gereiztheit
        • zunehmende Orientierungsstörungen
      • Therapie
        • körperliche Pflege
        • Beratung der Angehörigen
        • Cholinergika(?), Nootropika (?)
    • vaskuläre Demenz (ICD-10: F01)
      • vaskuläre Demenz mit akutem Beginn (F01.0)
        • meist nach einer Reihe von Schlaganfällen
        • Thrombose, Embolie oder Blutung
      • Multiinfarkt-Demenz (F01.1)
        • Beginn
          • allmählicher als bei der akuten Form
          • meist erst jenseits des 5. Lebensjahrzehnts
        • Ätiologie
          • arteriosklerotische Wandveränderungen (Folge v. Hypertonie)
          • Zahl / Volumen der Infarktherde bestimmt Schweregrad
        • Symptome
          • häufig Affektstörungen
          • häufig paranoide Ideen
          • nächtliche Verwirrtheit
          • Zuspitzung der Persönlichkeit
          • delirante Zustände
          • Einengung des schöpferischen Denkens
        • Therapie
          • Herz- Kreislaufbehandlungen (Erfordernisbluthochdruck!)
          • aktivierende Beschäftigungstherapie
      • subkortikale vaskuläre Demenz (F01.2)
        • ischämische Herde im Marklager der Hirnsubstanz
        • bei Nachweis einer diffusen Entmarkung der weissen Substanz → Binswanger-Enzephalopathie
        • Strg. des Gedächtnis und des Denkens geringer ausgeprägt
        • haupsächlich quantitative Bewußtseinsstrg. aber auch Affektivität verändert
      • gemischte (kortikale und subkortikale) vaskuläre Demenz (F01.3)
    • Demenz bei Pick-Krankheit (ICD-10: F02.0)
      • Epidemiologie, Beginn
        • bei Frauen doppelt so häufig
        • ebenso wie M. Alzheimer schleichend progredient
        • etwa ab dem 4. Lebensjahrzehnt
      • Ätiologie / Neurologie
        • degenerative Erkrankung des Frontalhirns und des Temporalhirns
        • starke Erblichkeit
      • Symptome
        • voranschreitende Persönlichkeitsveränderungen (Verlust des Taktgefühls, Distanzlosigkeit, Enthemmung, Triebhaftigkeit, Verlust sozialer Fertigkeiten)
        • erst später Beeinträchtigung kognitiver Funktionen
      • Therapie
        • Beschränkung auf pflegerische Maßnahmen
    • Demenz bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (ICD-10: F02.1)
      • - vielfältige neurologische Symptome
      • - vermutlich durch Agens übertragbare spongiöse (interzelluläre Ödeme, die Zellen eines Organs auseinanderdrücken) Enzphalopathie
      • - kann in jedem LA auftreten, typisch im 5. Lebensjahrzehnt
      • - führt i.d.R. in ein bis zwei Jahren zum Tode
      • Trias
        • 1. rasch fortschreitende ausgeprägte Demenz
        • 2. Erkrankung des pyramidalen, extrapyramidalen NS mit Myoklonien (Muskelzuckungen ohne oder mit geringem Bewegungseffekt)
        • 3. charakteristisches EEG (triphasische Wellen) verdächtig
    • Demenz bei Huntington-Krankheit (ICD-10: F02.2)
      • - ausgeprägte Hirndegeneration
      • - autosomal dominant vererblich (kurzer Arm des 4. Chronosoms), Beginn meist 30-50. Lj.
      • - Atrophie des Nucleus Caudatus u. evtl. auch des Nucleus lentiformis (Putamen, Pallidum)
      • - Chorea (griech.: Veitstanz): extrapyramidales Syndrom mit Hyperkinesen und Hypotonus der Muskulatur
      • - motorische Symptome (Gesicht, Schulter, Gang) gehen der Demenz gewöhnlich voraus
      • - im frühen Stadium: vorwiegende Beteiligung des Frontalhirns mit länger gut erhaltenem Gedächtnis
    • Demenz bei Parkinson-Krankheit (ICD-10: F02.3)
      • Demenz meist erst bei schwerer Form von M. Parkinson (Beginn mit Bradyphrenie)
    • Demenz bei Krankheit durch das humane Immundefizienz-Virus (HIV); syn.: Aids-Demenz-Komplex (F02.4)
      • kognitiv: Vergeßlichkeit, Verlangsamung, schlechte Konzentration u. Problemlösen, Leseprobleme
      • körperlich: häufig Tremor, Gleichgewichtsstrg. Ataxie, sakkadische Augenbewegungen
      • führt häufig zu einer drastischen Verschlecherung, Mutismus und Tode innerhalb weniger Wochen oder Monate
    • F03: n.n.b. Demenz