Universitätsarchiv Gießen
 
Das Archiv und seine Geschichte
 
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as Universitätsarchiv Gießen wurde als zentrale Institution zwar erst 1986 eingerichtet, blickt aber auf eine weitaus längere Geschichte zurück. Wenige Jahrzehnte nach der im Jahr 1607 erfolgten Gründung der Universität Gießen kommt es zu einem ersten, eher zufälligen Hinweis auf die Existenz von Verwaltungsunterlagen. In einem landgräflichen Reskript vom 6. Mai 1642 wird anläßlich eines Wechsels im Amt des Syndikus vom Landgrafen die Forderung aufgestellt, dem neuen Amtsinhaber die Universitätsakten auszuhändigen. Außerdem sollten der damalige Rektor, die Dekane und die übrigen Professoren dafür sorgen, daß über die abgelieferten Schriftstücke ein Repertorium angefertigt werde. Ob dieses lobenswerte Ansinnen des Landgrafen realisiert worden ist, wissen wir nicht. Der Aufbewahrungsort der Universitätsakten bleibt bis in das 19. Jahrhundert hinein im Dunkeln.
 
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rst im Zusammenhang mit der Planung des Neubaus der Universitätsbibliothek am Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch die Unterbringung des älteren Verwaltungsschriftguts diskutiert. Vom damaligen Bibliotheksleiter Professor Herman Haupt ging die Anregung aus, die älteren Akten der Universitätsbibliothek zur Aufbewahrung in sicheren Räumlichkeiten innerhalb des neuen Gebäudes zu übergeben. Der Umzug eines Teils des älteren Aktenmaterials erfolgte nach der Fertigstellung des Bibliotheksgebäudes im Jahre 1906. Damit etablierte sich erstmals ein eigentliches Universitätsarchiv, das abgetrennt von Kanzlei und Sekretariat vorrangig wissenschaftlichen Zwecken dienen sollte; in ihm ist der Vorgänger des heutigen Archivs zu sehen.
 
D ie Einbindung des Archivs in den Verwaltungsverbund der Universitätsbibliothek wurde am 15. 3. 1933 durch einen Erlaß des Hessischen Ministers für Kultus und Bildungswesen bekräftigt, in dem der Verbleib des Universitätsarchivs an seinem bisherigen Standort angeordnet wurde. Die Oberaufsicht übte die Bibliotheksdirektion aus, der zugleich die Pflicht zur Erhaltung der Archivbestände oblag. Als die Universitätsbibliothek am 11. 12. 1944 durch einen Bombenangriff völlig zerstört wurde und etwa 90 Prozent ihres Bestandes verlor, war auch das in ihren Räumen untergebrachte Archiv von der Katastrophe betroffen. Da zum damaligen Zeitpunkt ein Verzeichnis der Bestände fehlte, können die Verluste nur anhand der vorhandenen Überlieferungslücken grob geschätzt werden. Durch rechtzeitige Auslagerung hatte man den Großteil der Aktenbestände gerettet, vernichtet wurden vor allem Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert (darunter eine Reihe von Personalakten und eine große Anzahl von Promotionsakten).
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N ach dem Zweiten Weltkrieg verblieb das Universitätsarchiv innerhalb der Verwaltung der Universitätsbibliothek. Erst mit der 1986 vorgenommenen Einstellung einer Beamtin des höheren Archivdienstes erfolgte eine Verselbständigung des Universitätsarchivs insofern, als dieses nunmehr als Teil der zentralen Universitätsverwaltung geführt wird. Untergebracht ist das Archiv weiterhin im Gebäude der Universitätsbibliothek, wo für die Benutzer des Universitätsarchivs und derjenigen der Handschriftenabteilung der UB der sogenannte Sonderlesesaal zur Verfügung steht.