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"Mannheim - Izieu - Auschwitz" - Eine deutsch-französische Ausstellung

17.05. - 10.06.2005 - "Mannheim - Izieu - Auschwitz" - Eine deutsch-französische Ausstellung


Ausstellung in der Fachbibliothek Germanistik - 17. Mai bis 10. Juni 2005
Eröffnung mit Lesung am Dienstag, 17. Mai 2005 um 18.00 Uhr

Am 27. Januar 2004 hielt Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Deutschen Bundestag eine Rede zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Zentrum seiner Rede stand das exemplarische Schicksal von 44 jüdischen Kinder, die sich hoch in dem kleinen Weiler Izieu, ca. 40 km nordwestlich von Grenoble, versteckt hatten. Doch auch diese Kinder sollten dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fallen, denn am Morgen des 6. April 1944 holte die Gestapo die Kinder ab. Klaus Barbie, der verhasste "Schlächter von Lyon", hatte ihr Versteck entdeckt und die Deportation angeordnet. Sie wurden in Waggons gepfercht, nach Auschwitz deportiert und dort - zumeist sofort nach ihrer Ankunft - vergast. Das Schicksal der Kinder von Izieu ist spätestens 1987 durch den Prozess gegen Klaus Barbie weithin bekannt geworden. In Frankreich kennt jedes Schulkind das Schicksal der Kinder von Izieu. Es hat dort eine Wertigkeit wie bei uns das Schicksal von Anne Frank.
Heute befindet sich in der ehemaligen Schule von Izieu die Gedenkstätte Maison d'Izieu. Dieser Ort der aktiven und lebendigen Erinnerung ist der Erinnerung und der Geschichte der 44 ermordeten jüdischen Kindern gewidmet. Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und deren Kontexten integraler Bestandteil des Gedenk- und Bildungsortes Maison d'Izieu.
Seit 2000 nimmt die Gedenkstätte junge Deutsche auf, die als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. (ASF) an allen Aktivitäten des Hauses mitwirken und sich im Besonderen um Kooperationen und Begegnungsprogramme mit Schulen, Universitäten und Institutionen der politischen Bildung sowie Gedenkstätten in Deutschland bemühen.
Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit sind in der Ausstellung "Mannheim - Izieu - Auschwitz dokumentiert", die in Zusammenarbeit mit der engagierten Grafikerin Bernadette Dressler entstanden ist. Bemerkenswert daran ist auch, dass es sich hierbei um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, an dem deutsche und französische Schüler gemeinsam gearbeitet haben.
Im Januar 2004 wurde die Ausstellung zum ersten Mal im Berlin gezeigt. Genau diese Ausstellung, bestehend aus 21 Tafeln, wird nun in der Zeit vom 17. Mai bis 10. Juni 2005 in der Fachbibliothek Germanistik zu sehen sein. Sie folgt dem Weg der vier deutschen Juden im Alter von 5 bis 15 Jahren, Sami Adelsheimer, Max Leiner, Fritz Löbmann und Otto Wertheimer. Die ersten Tafeln zeigen das alltägliche Leben der jüdischen Kinder und ihrer Familien in Mannheim vor 1933 sowie während der Zeit des Nationalsozialismus. Ferner wird ihre Ausweisung und Deportation ins französische Internierungslager Gurs am 22. und 23. Oktober 1940 dargestellt. Die Internierung in Frankreich wird vor dem Hintergrund der antisemitischen Politik und Kollaboration des Vichy-Regimes betrachtet. Im Besonderen wird dabei auf die Lager Gurs und Rivesaltes, in denen die Kinder interniert waren, eingegangen.
Als im Sommer 1942 die Vichy-Regierung beabsichtigte, auch jüdische Kinder unter 16 Jahren zu deportieren, bemühte sich das Kinderhilfswerk O.S.E. um ihre Rettung und errichtete ein entsprechendes Netzwerk. Mit dessen Hilfe fanden Sami, Max, Fritz und Otto und andere Kinder, getrennt von ihren bereits deportieren Eltern, im Haus von Izieu ein neues Zuhause, wo seit Mai 1943 ein Kinderheim bestand. Nach ihrer Festnahme am 6. April 1944 wurden die vier Kinder ins Durchgangslager Drancy bei Paris gebracht. Von dort aus erfolgte ihre Deportation nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden.
Die deutsch-französische Ausstellung endet mit Eindrücken und Reflexionen der Schüler/innen während ihrer gemeinsamen Spurensuche und Erinnerungsarbeit. Unter den etwa hundert jüdischen Kindern, die vom Maison d'Izieu aufgenommen wurden, kamen mehrere aus Deutschland. Vier von den verschleppten Kindern stammten aus Mannheim. Auf Initiative der Gedenkstätte Maison d'Izieu folgten Oberstufenschüler/innen aus Mannheim und Lyon 2001/2002 gemeinsam den Spuren dieser vier Kinder. Hierfür besuchten die Schüler/innen im Rahmen des als deutschfranzösische Begegnung konzipierten Geschichtsprojektes verschiedene Orte. Gemeinsam arbeiteten sie, unterstützt von ihren Lehrer/innen, in Mannheim, Izieu, Rivesaltes und Auschwitz. Das im Verlauf des Projektes erworbene Wissen um die Geschichte trug zur Bildung eines gemeinsamen Geschichtsbewusstseins der Schüler/innen bei.