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Ersetzen und verfeinern: 3R-Zentrum der Universität Gießen geht an den Start

Zwei neue Professuren entwickeln Ersatzmethoden für Tierversuche und bessere Bedingungen für Versuchstiere

Gemeinsame Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst


Nr. 177 • 26. September 2017

Prof. Stephanie Krämer
Prof. Dr. Stephanie Krämer. Foto: Rolf K. Wegst

Prof. Peter Jedlicka
Prof. Dr. Peter Jedlička. Foto: Rolf K. Wegst
Startschuss für das neue 3R-Zentrum der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU): Ab Oktober wird das Engagement der JLU im Tierschutz in Forschung und Lehre noch sichtbarer. Im Sinne des 3R-Konzeptes (Replace, Reduce, Refine)  sollen zwei neue Professuren an den Fachbereichen Medizin und Veterinärmedizin Strategien und Konzepte entwickeln, mit denen Tierversuche ersetzt, verfeinert und langfristig reduziert werden können. „Das neue 3R-Zentrum in Gießen ist Teil einer abgestimmten Landesstrategie, mit der Hessen den Tierschutz in der Forschung nachhaltig stärken wird. So haben wir sowohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen an die Belange des Tierschutzes in der Forschung angepasst als auch Fördergelder in Höhe von insgesamt 2,4 Mio. Euro für fünf Jahre für die Einrichtung von zwei Professuren für 3R-Tierschutz an den Medizin führenden hessischen Universitäten in Frankfurt und Gießen sowie für die Anschubfinanzierung des 3R-Zentrums in Gießen bereitgestellt“, erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein zur Eröffnung.

Inhaberin der am Fachbereich Veterinärmedizin angesiedelten Professur für Tierschutz und Versuchstierkunde mit dem Schwerpunkt Refinement nach dem 3R-Prinzip ist die Tierärztin Prof. Dr. Stephanie Krämer. Sie richtet ihren Fokus auf die sogenannte Verfeinerung von notwendigen Tierversuchen, also darauf, die Belastungen für Versuchstiere so weit wie möglich zu reduzieren. „Unser Ziel ist es natürlich, langfristig ohne Tierversuche auszukommen. Solange aber noch nicht ausschließlich auf geeignete Ersatzmethoden zugegriffen werden kann, ist es aus ethischer Sicht notwendig, die Forschung zum Refinement zu intensivieren“, betont Prof. Krämer. Sie möchte Konzepte entwickeln, die es ermöglichen, die Belastungen in Tierversuchen einzuschätzen. Eine gute Ausbildung der Personen, die mit Versuchstieren arbeiten, ist dazu essentiell. Neben dem Tierschutz verantwortet Prof. Krämer die Verhaltens- und Versuchstierkunde in der tierärztlichen Ausbildung.

Mit der Erforschung und Entwicklung von Ersatzmethoden für Tierversuche beschäftigt sich dagegen die neue Professur für Computerbasiertes Modelling im 3R-Tierschutz am Fachbereich Medizin. Prof. Dr. Peter Jedlička nutzt dazu komplexe Computermodelle von Nervenzellen und Nervenzell-Netzwerken im gesunden und erkrankten Gehirn. „Mit Hilfe meiner Simulationsmethoden können selbst Parameter untersucht werden, die ansonsten nur mit einer großen Zahl von Experimenten – unter anderem Tierversuchen – erfassbar wären“, erklärt Prof. Jedlička. Darüber hinaus können Computersimulationen zur Entwicklung von neuen in-vitro-Modellen beitragen, da sie das komplexe Zusammenspiel von Zellen und ihren Molekülen beleuchten können.

„Die JLU ist sich ihrer besonderen Verantwortung als Universität mit einem großen tiermedizinischen Fachbereich, zu dem stets auch eine Tierschutzprofessur gehörte, bewusst“, betont JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Dieser Verantwortung werden wir mit der Einrichtung des 3R-Zentrums gerecht.“ Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Dekan des Fachbereichs Medizin der JLU, fügte hinzu: „Die medizinische Forschung ist sehr an der Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen interessiert. Durch die Ansiedlung der 3R-Professur für Computerbasiertes Modelling an unserem Fachbereich wird eine enge Zusammenarbeit mit der medizinischen Grundlagenforschung ermöglicht.“ Prof. Dr. Martin Kramer, Dekan des Fachbereichs Veterinärmedizin der JLU, sagt: „Solange das komplexe Zusammenspiel eines Organismus nicht in vitro oder digital dargestellt werden kann, ist ein gänzlicher Verzicht auf Tierversuche noch nicht vollständig absehbar. Damit steht gerade die Veterinärmedizin in der Verantwortung, die Belastungen der Versuchstiere auf ein Minimum zu reduzieren.“

Prof. Jedlička, geboren 1976 in Nitra, studierte Medizin an der Comenius-Universität Bratislava. Nach seinem Medizinstudium schloss er seine Doktorarbeit an den Universitäten in Bratislava und Frankfurt an. Von 2005 bis 2008 war er Postdoktorand am Institut für Klinische Neuroanatomie der Goethe-Universität Frankfurt. Im Jahr 2009 hat er Forschungsaufenthalte an der École normale supérieure in Paris und an der Otago Universität in Dunedin absolviert. Anschließend wurde er Gruppenleiter am Institut für Klinische Neuroanatomie in Frankfurt. Dort habilitierte er sich im Jahr 2014.

Prof. Krämer studierte nach Ausbildungen zur Tierarzthelferin und zur Medizinisch-technischen Assistentin Veterinärmedizin an der FU Berlin. Es folgte eine Tätigkeit als Tierärztin, bevor sie im Jahr 2001 an das Nephrologische Forschungslabor der Charité-Universitätsmedizin in Berlin wechselte, wo sie zuletzt als stellvertretende Arbeits-gruppenleiterin tätig war. Im Jahr 2007 schloss sie ihre Promotion ab und erlangte die Qualifikation als Fachtierärztin für Versuchstierkunde. Am Max-Rubner-Laboratorium des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Rehbrücke übernahm sie im Jahr 2009 die Tierärztliche Leitung. Im Jahr 2014 habilitierte sie sich an der Universität Potsdam.


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