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Manche Boten haben es schwer

Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen führt am 7., 8. und 10. Dezember 2018 das „St. Galler Weihnachtsspiel“ aus dem 13. Jahrhundert auf – Premiere in Braunschweig

Nr. 218 • 20. November 2018

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Ein verwunderter Hirte (Prof. Cora Dietl). Foto: Lenke Kovács
Um eine Botschaft geht es an Weihnachten: um die Frohbotschaft (griechisch: „Evangelium“) von der Geburt Christi. Dass es Boten (oder modern ausgedrückt: die Medien) keineswegs immer leicht haben, reflektiert ein Weihnachtsspiel aus dem 13. Jahrhundert, das die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) im Dezember 2018 mehrfach aufführen wird. Die Premiere des „St. Galler Weihnachtsspiels“, liebevoll in Szene gesetzt unter der fachkundigen Leitung der Germanistin Prof. Dr. Cora Dietl, findet am 7. Dezember 2018 in Braunschweig statt. Auf weitere Vorführungen darf sich das heimische Publikum freuen: am 8. Dezember (16 Uhr) in der Hospitalkirche in Grünberg und am 10. Dezember (18 Uhr) in der Pankratiuskapelle in Gießen. Der Eintritt ist frei.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind außerdem herzlich eingeladen
zur Probe am 29. November 2018 um 16.15 Uhr
im Philosophikum I, Otto-Behaghel-Straße 10, Haus G, Raum 233.

„Weh, Hurensohn, geh bald dahin! Wo sind meine Knechte? Erhängt ihn!“, ruft Herodes, als ihm sein Bote von der Präsentation Christi im Tempel berichtet. Immer wieder erntet der treue Berichterstatter solchen Lohn für seine Dienste. Kein Wunder, dass auf der anderen Seite der Engel Gottes zur Sicherheit geradezu penetrant betont: „Diese Botschaft bringe ich von Gott, ich bin sein Engel und sein Bote.“

„Die Frage, wer wessen Botschaft wie aufnimmt, ist freilich auch als Selbstreflexion des Stücks zu sehen, das in seiner Zeit die Botschaft von der Geburt Christi und der Erlösung überzeugend in Erinnerung rufen will“, erläutert Dietl, Professorin für Deutsche Literaturgeschichte mit den Schwerpunkt Mittelalter/Frühe Neuzeit. Wo und in welcher Form das in alemannischem Dialekt verfasste Spiel ursprünglich aufgeführt worden ist, sei nicht bekannt. Es sei in einer Lesehandschrift des 15. Jahrhunderts überliefert, die heute in St. Gallen liegt – und zwar sichtlich überarbeitet. Wichtige Elemente eines geistlichen Spiels des 13. Jahrhunderts (wie zum Beispiel Lieder) fehlen deshalb.

Die Theatergruppe unter Leitung von Prof. Dietl hat den Text mit einem vergleichenden Blick auf andere Spiele des Mittelalters so bearbeitet, dass aus dem Lesetext wieder ein Spieltext geworden ist, ergänzt um einige Lieder. Das Ergebnis ist ein Spieltext im Sinne mittelalterlicher Weihnachtsspiele, nicht im Sinne der neuzeitlichen Krippenspiele. „Das Publikum darf sich darauf freuen, deutlich mehr als nur ein paar heimelige Szenen rings um das Christuskind zu sehen“, verspricht die engagierte Spielleiterin und Regisseurin Prof. Dietl: „Die Handlung beginnt mit den Propheten des Alten Testaments und endet mit einem Ausblick auf Passion und Auferstehung.“


Mitwirkende:
Prof. Dr. Cora Dietl    Jesaja; Erster Hirte; Caspar; Simeon; Zweiter Soldat
Lydia Hebold              David; Maria; Isaak
Melissa Heerz             Moses; Joseph; Herzog von Korrozin
Jonas Oosterhuis       Salomon; Cleophas; Herodes; Erster Soldat
Corinna Storbeck       Jeremias; Zweiter Hirte; Melchior; Anna; Dritter Soldat
Aylin Tongün              Micha; Balthasar; Rachel
Filis Yücel                    Gabriel; Bote
Dr. Christoph Schanze, Julia Felis: Chor

Die Aufführung findet statt in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen (LZG), dem Institut für Germanistik (Prof. Dr. Regina Toepfer) der TU Braunschweig und dem Braunschweigischen Landesmuseum und wird unterstützt vom Museum im Spital Grünberg, von den Freunden des Museums im Spital Grünberg und vom Hessischen Landestheater Marburg. Die Reise der Theatergruppe nach Braunschweig und die dortige Teilnahme am gemeinsamen mediävistischen Nachwuchsforum der Universitäten Gießen, Braunschweig, Bamberg, Bayreuth, Chemnitz und Karlsruhe wird gefördert durch Zuschüsse des Fachbereichs 05 und des Instituts für Germanistik der JLU.

  • Termine

Aufführungen:
07.12.2018, 17.00 Uhr: Forum des Braunschweigischen Landesmuseums, Burgplatz 1, 38100 Braunschweig
08.12.2018, 16.00 Uhr: Grünberg, Hospitalkirche, Hintergasse 22, 35305 Grünberg
10.12.2018, 18.00 Uhr: Gießen, Pankratiuskapelle, Georg-Schlosser-Straße 7, 35390 Gießen

  • Weitere Informationen

http://www.coradietl.de
http://www.staff.uni-giessen.de/~g91159/theaterprojekte.htm

  • Kontakt


Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 10 B; 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29080; Fax: 0641 99-29089

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon: 0641 99-12041