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Ehrendoktorwürde soll entzogen werden

Universität Gießen und Fachbereich Medizin wollen Ehrungen für belastete Hirnforscher Hallervorden und Spatz revidieren – Nationalsozialistische Vergangenheit spielte im Gießen der Nachkriegszeit offenbar keine Rolle

Nr. 25 • 8. Februar 2017


Im Zuge der Aufarbeitung der Geschichte der Gießener Nervenklinik werden die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und ihr Fachbereich Medizin aller Voraussicht nach erste Konsequenzen ziehen. Es geht dabei um weitgehend in Vergessenheit geratene Ehrungen aus der Nachkriegszeit für die beiden Mediziner Prof. Dr. Julius Hallervorden und Prof. Dr. Hugo Spatz vom Gießener Max-Planck-Institut für Hirnforschung. Beide waren in das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten eingebunden. Hallervorden wurde 1962 mit der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs ausgezeichnet, Spatz bekam noch 1969 die Ehrensenatorenwürde der Universität verliehen. Die JLU sieht es als überfällig an, diese Ehrungen zu revidieren.

„Wir haben das Ziel, den beiden Wissenschaftlern die Ehrungen wieder zu entziehen und sind dabei, entsprechende Schritte einzuleiten“, erklärt JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. „Die JLU bekennt sich zu ihrer Verantwortung für die eigene Geschichte und wird auch in Zukunft zur Aufklärung der dunkleren Kapitel ihrer Vergangenheit beitragen.“ Dekan Prof. Dr. Wolfgang Weidner fügt hinzu: „Das Dekanat des Fachbereichs Medizin hat kein Verständnis dafür, dass die schon damals weitgehend bekannte Vergangenheit der beiden Hirnforscher im Gießen der Nachkriegszeit offenbar keine Rolle gespielt hat.“

Hallervorden und Spatz nutzten während des Zweiten Weltkriegs am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin das „Euthanasie“-Programm, um bei der Obduktion der Opfer Gehirne zu entnehmen und damit eigene Forschungen weiterführen zu können. Ihre Sammlung mit mindestens ca. 700 Hirnschnitten von „Euthanasie“-Opfern brachten sie nach dem Umzug und der Umbenennung des Instituts mit  nach Gießen, wo sie enge Beziehungen zur Universität und zum Fachbereich knüpften. Dass diese Beziehungen auch weiterhin Bestand hatten, obwohl das Max-Planck-Institut 1962 nach Frankfurt verlegt wurde, belegen die beiden Ehrungen.

In der Laudatio zum Ehrendoktordiplom für Hallervorden hieß es damals unter anderem, mit ihm werde ein Mann geehrt: „[…], der in aller Welt höchste Anerkennung gefunden und die große Tradition deutscher Hirnpathologie in Forschung und Lehre fortgesetzt hat, den großen und gütigen Menschen, in dem sich Forscherpersönlichkeit und hohes Menschentum in besonderer Weise verbinden, […]“. Die JLU war auch Hugo Spatz in Dankbarkeit verbunden, wie die Ehrensenatorenwürde beweist, die ihm eine Woche vor seinem Tod verliehen wurde „in Anerkennung der großen Verdienste, die er sich in Gießen um die Wiedereröffnung der Medizinischen Fakultät, die Aufnahme internationaler wissenschaftlicher Beziehungen und um sein Fach erworben hat, sowie aus aufrichtigem Dank für die fortwährende und selbstlose Verbundenheit mit der Justus-Liebig-Universität“.

An der JLU war man in den vergangenen Wochen auf die beiden Ehrungen aufmerksam geworden, da sich das Institut für Geschichte der Medizin derzeit intensiv mit der Vergangenheit der Nervenklinik auseinandersetzt (vgl. Pressemitteilung vom 15. Dezember 2016). Universität und Fachbereich nehmen in diesem Zusammenhang auch zur Kenntnis, dass die Nervenklinik in diesen Wochen in Zusammenarbeit mit Prof. Roelcke die Darstellung ihrer Geschichte auf den Internetseiten des Universitätsklinikums Gießen überarbeitet.

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon: 0641 99-12041