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"Wozu brauchen wir Philosophie?" Collegium Gissenum - Jährliche Vortragsreihe des Instituts für Philosophie

Wann 19.05.2016
von 19:00 bis 21:00
Wo Margarete-Bieber-Saal 34, 35390 Gießen
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Prof. Dr. Daniel Cohnitz - University of Tartu, Estonia


"Die Gravitationswellen der Philosophie"

„Wozu brauchen wir Philosophie?“ lautet der Titel dieser Vortragsreihe. „Wozu brauchen wir Astrophysik?“ war zumindest für einige Tage in diesem Frühjahr unproblematisch zu beantworten. Die Astrophysik beschert uns faszinierende Erkenntnisse über das Universum, wie beispielsweise der direkte Nachweis von Gravitationswellen, die Einstein hundert Jahre zuvor vorhergesagt hatte. Warum geht es der Philosophie nicht auch manchmal so? Warum füllen sich die Medien und sozialen Netzwerke praktisch nie mit Meldungen über neuesten Erkenntnisse der Philosophie? In diesem Vortrag will ich mich auf die Suche nach den Gravitationswellen der Philosophie machen. Ist die gegenwärtige scheinbare Irrelevanz der Philosophie darin begründet, dass sie keine Erkenntnisse zutage fördert, oder liegt das Problem woanders? Was kann die Philosophie tun, um ihre Relevanz zurückzugewinnen? Muss sie ihre Themen und Fragestellungen ändern, oder ist es nur eine Frage der richtigen PR-Strategie?

 

Wozu brauchen wir Philosophie?

Die Zeiten, in der die Philosophie der Ort war, an dem die Welt erklärt und umfassende theoretische und praktische Orientierung versprochen wurde, sind lange vorbei. Vor allem durch den Siegeszug der empirischen Wissenschaften hat die Philosophie dramatisch an Gewicht verloren. Und der Schrumpfungsprozess scheint anzudauern. Wenn sich die Philosophie anschickt, doch einmal Erklärungsansprüche zu erheben, beispielsweise mit Blick auf Fragen nach der Natur des Bewusstseins oder des sprachlichen Verstehens, finden ihre Auskünfte angesichts der hoch getakteten Erfolgsmeldungen kognitionswissenschaftlicher Forschung kaum Gehör. Betrachtet man das Bild, das die Philosophie in der Öffentlichkeit abgibt, sollte man annehmen, dass sie als erklärende Wissenschaft demnächst abdanken wird. Ihre ‚Forschungsergebnisse‘ sind die letzten Regungen eines altehrwürdigen und mittlerweile doch leicht angestaubten Faches – Regungen, die sich allein dem Umstand verdanken, dass die empirischen Wissenschaften eben noch nicht alle Winkel des Wissbaren ausgeleuchtet haben. Entsprechend hat man oft den Eindruck, als reduziere die Philosophie ihren Status freiwillig auf so etwas wie die Rolle einer ‚Begriffspolizei‘, die mit erhobenem Zeigefinger ermahnt, man solle doch seine Begriffe präzise definieren. Wenn Philosophen schon nichts mehr zu unserem Weltverständnis beitragen, dann, so der Gestus, können wir ja wenigstens unsere Begriffe sauber ordnen!

 

Das Collegium Gissenum 2016 möchte der Frage nachgehen, ob philosophische Erklärungen nicht vielleicht doch einen eigenständigen Beitrag zu unserem Weltverstehen liefern können. Zu diesem Zweck werden sechs Vorträge aus verschiedenen Bereichen der Philosophie ausloten, was genuin philosophische Auskünfte sein und worin ihre – womöglich unverzichtbaren – Verstehensleistungen bestehen könnten.

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