Die Justus-Liebig-Universität Gießen
Die Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen mit ihren heute rund 20.000 Studierenden -- davon inzwischen über 11.500 Frauen -- zählt bundesweit zu den Universitäten mittlerer Größe und ist die zweitgrößte Hochschule in Hessen. Das Studienangebot in den elf Fachbereichen und sieben wissenschaftlichen Zentren ist umfassend und vielseitig. So verfügt die JLU mit der Medizin und der Veterinärmedizin, den Agrarwissenschaften sowie den Haushalts- und Ernährungswissenschaften über eine einzigartige Fächerkonstellation in Deutschland. Ein komplettes Fächerspektrum von den klassischen Naturwissenschaften über die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu den Sprach- und Kulturwissenschaften sorgt für ein außergewöhnlich breites Angebot in der Lehre und für Vielfalt in der Forschung.
In rund 150 verschiedenen Studienfächern -- von den Agrarwissenschaften, der Alten Geschichte oder der Angewandten Theaterwissenschaft im Studiengang "Drama, Theater, Medien" bis zur Zoologie -- kann man sich für zahlreiche verschiedene Magister-, Diplom- und Lehramtsstudiengänge einschreiben. Auch Bachelor- und Masterstudiengänge mit international anerkannten Abschlüssen werden bereits angeboten bzw. sind zurzeit im Aufbau. Für Absolventinnen und Absolventen werden außerdem verschiedene Aufbau- und Ergänzungsstudiengänge angeboten: "Grundlagen der praktischen Informatik und Angewandten Mathematik", "Deutsch als Fremdsprache", "Magister Juris" (deutsches Recht für im Ausland graduierte Juristen) und "Oenologie".
Die Justus-Liebig-Universität arbeitet mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in aller Welt zusammen. Mit rund 30 Universitäten und Hochschulen in Europa und Übersee ist die JLU durch Partnerschaften oder Kooperationsabkommen eng verbunden. Außerdem bestehen im Rahmen von EU-Programmen mehr als 130 zusätzliche Abkommen über Austausch und internationale Zusammenarbeit in Lehre und Forschung.
Interdisziplinäre Forschung und Lehre werden an der Justus-Liebig-Universität groß geschrieben. Als Beispiele für fachübergreifende Spitzenforschung seien die Sonderforschungsbereiche (SFB) "Landnutzungskonzepte für periphere Regionen" (SFB 299), "Erinnerungskulturen" (SFB 434), "Invasionsmechanismen und Replikationsstrategien von Krankheitserregern" (SFB 535) und der SFB 547 "Kardiopulmonales Gefäßsystem" genannt sowie die Forschergruppe "Resistenzaktivierung im Getreide", die von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Gießen eingerichtet wurden. Außerdem ist an der JLU ein Verbundprojekt "Atomare und subatomare Physik" angesiedelt, das vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes fördert das BMBF im Bereich Infektion und Entzündung das
Giessen Research Center in Infectious Disease.
Hinzu kommen an allen Fachbereichen zahlreiche, oft interdisziplinär angelegte Forschungsprojekte, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder von Drittmittelgebern des Staates, der Wirtschaft und von Stiftungen. Insgesamt wurden beispielsweise im Jahr 2001 umgerechnet über 35 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben, und der Forschungsbericht des Jahres 1999/2000 verzeichnet mehr als 2.000 Projekte -- Tendenz steigend.
Speziell zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bestehen an der JLU zurzeit sieben Graduiertenkollegs, die ebenfalls von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingerichtet wurden. Eines davon zum Thema "Complex Systems of Hadrons and Nuclei" wird als eines der ersten "Europäischen Graduiertenkollegs" von der
DFG gemeinsam mit der Danish Research Agency gefördert. Gießener Physiker arbeiten hier eng mit dem renommierten
Nils-Bohr-Institut der
Universität Kopenhagen und dem dänischen Forschungsinstitut
NORDITA zusammen. Bundesweit für viel Aufmerksamkeit sorgte die Gründung des "Gießener Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften", das seit dem Wintersemester 2001/2002 als fachübergreifende Einrichtung neue Wege zur Verbesserung der Doktorandenausbildung einschlägt.
Interdisziplinäre Forschung im IFZ für Umweltsicherung
Nachdem im Jahr 2000 das bis dahin größte Bauprojekt der Universität, das "Interdisziplinäre Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung", kurz "IFZ für Umweltsicherung", im Campus-Bereich der Naturwissenschaften am Heinrich-Buff-Ring bezogen wurde, werden die Life Sciences an der JLU in den nächsten Jahren durch ein weiteres umfangreiches Bauprojekt gestärkt: ein Biomedizinisches Forschungszentrum für Drittmittelprojekte und verschiedene Institute aus der Medizin, der Veterinärmedizin und der Biologie soll an der Ecke Schubertstraße/Aulweg in der Nähe des Klinikums entstehen.
Die Justus-Liebig-Universität ist mit dem
Universitätsklinikum Gießen, das seit dem 1. Januar 2001 als Anstalt des öffentlichen Rechts noch größere Eigenständigkeit erhalten hat, der größte Arbeitgeber in Mittelhessen und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. Eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in und um Gießen hängt direkt oder indirekt von Universität und Klinikum ab. Das an der JLU verfügbare Know-how steht Wirtschaft, Verbänden, Kommunen und anderen Einrichtungen zur Verfügung. Mit nahezu allen größeren Unternehmen der Umgebung bestehen Austauschbeziehungen. Um den Zugang zum universitären Forschungs- und Wissenspotenzial zu erleichtern, hat die Justus-Liebig-Universität Gießen zusammen mit der
Philipps-Universität Marburg und der
Fachhochschule Gießen-Friedberg das "Transferzentrum Mittelhessen" eingerichtet, das der Region als Ansprechpartner für Wissens- und Technologietransfer dient. Gemeinsam mit weiteren regionalen Partnern wurde zudem mit der
TransMIT Gesellschaft für Technologietransfer mbH (Sitz im Gießener Gewerbegebiet "Europaviertel") eine Plattform für die Vermarktung von Hochschul-Know-how geschaffen.
Die Justus-Liebig-Universität Gießen führt heute den Namen einer ihrer größten Wissenschaftler: Justus Liebig, der 1824 auf Empfehlung von Alexander von Humboldt im Alter von 21 Jahren Professor in Gießen wurde. Er lehrte und forschte hier 28 Jahre lang und gilt als der Wegbereiter der modernen Chemie. Im
Liebig-Museum in der Liebigstraße kann man auch heute noch seine Original-Wirkungsstätten besichtigen -- vom "Alten Laboratorium" bis zum modernen "Analytischen Labor", vom Hörsaal und der Bibliothek bis zur Wohnung dieses großen Forschers, Erfinders und Hochschullehrers. Im Jahr 2003 feierte die Justus-Liebig-Universität gemeinsam mit dem Liebig-Museum und der Stadt Gießen den 200. Geburtstag ihres Namensgebers.
Mathematikum
Gleich neben dem Liebig-Museum liegt das "
Mathematikum", das neue Mathematik-Museum (Eröffnung im November 2002). Rund 70 Exponate laden die Gäste zunächst auf rund 600 Quadratmetern zum Mitmachen ein und vermitteln Spaß und Freude an der abstraktesten aller Wissenschaften. Mit einer Wanderausstellung im Jahr 1994, die in den folgenden Jahren Hunderttausende in ganz Deutschland begeistern sollte, hatte die Erfolgsgeschichte der "Mathematik zum Anfassen" begonnen. Inzwischen haben Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, der erste Preisträger des von der
DFG gestifteten "Communicator-Preises", und sein Team vom Institut für Mathematik mit Unterstützung der Stadt Gießen und des Landes Hessen ihr ehrgeiziges Projektziel fast erreicht. Die Stadt hat das ehemalige Hauptzollamt Ecke Liebig- und Bahnhofstraße erworben und der Universität für die Einrichtung des Mathematik-Museums zur Verfügung gestellt.
Die Bewohner von Gießen und Mittelhessen nehmen durch das breite und reichhaltige kulturelle Angebot, das die Justus-Liebig-Universität seit vielen Jahren mit zahlreichen Konzerten und Ausstellungen, Vortragsreihen und Lesungen bereitstellt, regelmäßig Anteil am universitären Wirken.
Schloss Rauischholzhausen: Knapp 30 Autominuten von Gießen entfernt im landschaftlich reizvollen Ebsdorfergrund liegt das Schloss Rauischholzhausen, das wohl schönste Anwesen der Universität. Hier finden regelmäßig Kongresse, Workshops, Seminare und auch Feste statt. Wie ein Märchenschloss wirkt das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Anwesen, eingebettet in einem großzügigen Park im Stil der englischen Landschaftsgärten.
Der Botanische Garten: Ein Kleinod ganz besonderer Art ist der Botanische Garten der Universität inmitten der Stadt. Er ist der älteste Botanische Universitätsgarten in Deutschland, der noch an seinem ursprünglichen Platz erhalten ist. 1609 stellte Landgraf Ludwig von Hessen an dieser Stelle ein Stück Parkgelände zur Verfügung, um dort einen "hortus medicus", einen "medizinischen Kräutergarten", anzulegen.
![[JLU-Hauptgebäude: Image-Broschüre; Liebig: Courtesy of the Clendening History of Medicine Library, University of Kansas Medical Center] [JLU-Hauptgebäude: Image-Broschüre; Liebig: Courtesy of the Clendening History of Medicine Library, University of Kansas Medical Center]](http://www.uni-giessen.de/uni-alt/gebaeude-liebig.jpg)
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