Video-Blog: Archive for the ‘Doktoranden-RVL Geschichte/Kunstgeschichte 08/09’ Category

Netzwerke in der Geschichte

Tuesday, January 13th, 2009

Neill Busse: Netzwerke in der Geschichte. Sozial- und kulturgeschichtliche Zugänge am Beispiel von Justus Liebig und seinen Schülern

Personale Netzwerke erfahren seit wenigen Jahren in den Medien, aber auch in der Wissenschaft zunehmende Aufmerksamkeit: „Netzwerk“ und „Networking“ sind – nicht zuletzt durch Online-Plattformen – zu gängigen Wahrnehmungs- und Beschreibungskategorien der sozialen Welt geworden. In der Geschichte allerdings gab es in allen Epochen immer schon eng verflochtene Personenverbände, die unter je verschiedenen Fragestellungen und mit unterschiedlichen Methoden Gegenstand von Untersuchungen waren. Anhand verschiedener Beispiele sollen zum einen die Traditionslinien der Prosopographie, also der Personengeschichtsschreibung als kollektiver Biographie aufgezeigt werden, und dann zum anderen die Netzwerkanalyse als sozialwissenschaftliches Instrument zur Analyse solcher Personengruppen vorgestellt werden. Gerade für die Wissenschafts- und Universitätsgeschichte sind personale Netzwerke von herausragender Bedeutung. Daher sollen Ihnen insbesondere am Beispiel der „Liebigschule“, dem weit verzweigten und höchst erfolgreichen Netzwerk der Schüler des Namenspatrons unserer Universität, die Möglichkeiten und Chancen einer Verknüpfung von sozialgeschichtlichen Analyseverfahren und kulturgeschichtlichen Fragestellungen aufgezeigt werden.

Neill BusseNeill Busse studierte an der JLU Gießen und der University of Bristol Mittlere und Neuere Geschichte, Fachjournalistik, Anglistik und Politikwissenschaften. Nach dem Examen (Magister Artium) begann er 2006 seine Promotion im Fach Geschichte zum Netzwerk der Schüler Justus Liebigs. Nach Stationen am Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse und im Universitätsarchiv Gießen arbeitet er seit August 2007 am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), wo er seit Juni 2007 Mitglied ist. Daneben Lehrtätigkeit am Historischen Institut.

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Bild und Text im 3. Jh. n. Chr.

Tuesday, December 9th, 2008

Mario Baumann: „Die Säulenhalle glänzte von allen Steinen, die dem Luxus behagen, ihr größter Schmuck aber waren in die Wände eingelassene Gemälde” – Der Gebildete in der Galerie, oder: Bild und Text im 3. Jh. n. Chr.

Die Eikones (zu Deutsch: Bilder) des Philostrat (ca. 170-245 n. Chr.) treiben die in der antiken Literatur häufig eingesetzte Kunst der Bildbeschreibung auf die Spitze: Dieser Text besteht vollständig aus einer langen Reihe von Gemäldebeschreibungen, die sich nach Auskunft des Vorwortes auf die Bilder einer Galerie beziehen. Mit dieser intermedialen Konstellation beschäftigt sich diese Vorlesung. Ausgehend von einem Blick auf den kulturellen Kontext der Eikones – das kulturelle Leitkonzept der damaligen Zeit ist die Bildung – stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Wie geht der Sprecher der Eikones als gebildeter Betrachter mit den Gemälden um? Und was ist das für ein Text und damit ein imaginativer Raum, den er in Auseinandersetzung mit den Bildern schafft? Bemerkenswert ist an den Eikones vor allem, dass sie den Leser mit einer Ästhetik der Vielfalt, ja der Widersprüche konfrontieren. Diese Vielfalt nachzuzeichnen und dabei zu untersuchen, wie aus literaturwissenschaftlicher Sicht mit einem solchen Befund umgegangen werden kann, ist wesentliches Anliegen dieser Vorlesung.

Mario BaumannMario Baumann studierte von 2001-2006 Klassische Philologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der JLU Gießen. Nach seinem Abschluss war er zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Gießener SFB Erinnerungskulturen tätig. Seit Herbst 2006 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Altertumswissenschaften der JLU bei Prof. Dr. Peter von Möllendorf (Griechische Philologie). Er arbeitet gegenwärtig an seiner Dissertation zum Thema „Die schöne Padeia. Bildung und ästhetisches Programm in Philostrats Eikones“. Das Projekt wird betreut von Prof. Dr. Peter von Möllendorff.

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Stadt – Raum – Macht: Philadelphia 1920

Tuesday, November 25th, 2008

Jan Philipp Altenburg: Stadt – Raum – Macht: Philadelphia 1920. Raumtheoretische Zugriffe der stadthistorischen Forschung.

Städtischer Raum ist immer auch umkämpfter Raum. Proteste gegen den Bau von Moscheen in deutschen Städten als Symbole “unchristlicher” Werte oder Diskussionen um die staatliche Ăśberwachung öffentlicher Plätze sind Ausdruck komplexer Aushandlungsprozesse um Macht, Identität, Selbst- und Fremdbestimmung. Die Bedeutung des Raumes geht hierbei weit ĂĽber die eines bloĂźen Schauplatzes von Ereignissen hinaus, der Raum ist maĂźgeblicher Bestandteil solcher Auseinandersetzungen. Mit der Frage, wie sich die Funktion des Raumes analytisch und theoretisch fassen lässt, hat sich unter anderem der linke Sozialtheoretiker Henry Lefebvre auseinandergesetzt und sein Modell von der “Produktion des Raumes” findet Anwendung in der geographischen, soziologischen und historischen Forschung. Anhand der durch Korruption und Segregation gezeichneten Stadt Philadelphia in den 1920er Jahren, wird die Anwendung dieses theoretischen Modells an einem konkreten Beispiel vor Augen gefĂĽhrt.

Jan Philipp AltenburgJan Philipp Altenburg ist seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er schloss sein Studium der Geschichtswissenschaft mit den Nebenfächern Germanistik und Vor- und Frühgeschichte in Gießen, Marburg und Münster im Jahr 2006 ab. Im gleichen Jahr begann er bei Prof. Dr. Friedrich Lenger sein Dissertationsprojekt zur Aneignung des Stadtraumes, in dem er das Großstadtleben in Philadelphia und Frankfurt am Main in den 1920er Jahren untersucht. Seit 2007 ist er außerdem Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2008 erhielt er ein Stipendium am Deutschen Historischen Institut in Washington DC, das ihm einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in den USA ermöglichte.

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Prähistorische Archäologie

Tuesday, October 21st, 2008

Caroline von Nicolai: „Jäger des verlorenen Schatzes“? Prähistorische Archäologie zwischen „vaterländischer Altertumskunde“ und historischer Kulturwissenschaft

Häufig werden Archäologen von den Medien als furchtlose, den Dschungel durchstreifende Schatzjäger oder aber als weltfremde Scherbenzähler im stillen Studierkämmerlein dargestellt. Keines dieser beiden Klischees entspricht der Wirklichkeit: die prähistorische Archäologie oder Vor- und Frühgeschichte verfügt über wissenschaftliche Methoden und erforscht die Geschichte aller nicht-schriftkundigen Kulturen der Erde, von der Entstehung der Menschheit bis ins Mittelalter. Nichtsdestotrotz ist das Fach seit seiner Entstehung im frühen 19. Jahrhundert immer in die politischen und gesellschaftlichen Diskurse der jeweiligen Zeit eingebettet gewesen. Beispielhaft möchte die Vorlesung daher zum einen die Rolle der prähistorischen Archäologie als „vaterländische Altertumskunde“ bei der Konstruktion nationaler Identitäten im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich erläutern, wie etwa die Instrumentalisierung des Faches durch die Nationalsozialisten. Zum anderen wird ein aktuelles Forschungsvorhaben zur Entstehung früher Städte in der späten Eisenzeit Mitteleuropas (2.-1. Jh. v. Chr.) zeigen, welche Interpretationsmöglichkeiten sich durch eine kulturwissenschaftliche Herangehensweise eröffnen.

Caroline von NicolaiCaroline von Nicolai studierte Vor- und Frühgeschichte (Prähistorische Archäologie), Alte Geschichte, Provinzialrömische Archäologie und Ägyptologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der Université de Paris I Panthéon-Sorbonne und der Universität Leipzig. Seit 2007 ist sie Stipendiatin am GCSC und promoviert am Institut für Altertumswissenschaften der JLU Gießen bei A. Klöckner und an der École Pratique des Hautes Études Paris bei S. Verger zum Thema „Sichtbare und unsichtbare Grenzen. Zur Funktion späteisenzeitlicher Befestigungsanlagen“. Außerdem ist sie Mitglied des Laboratoire „Archéologies d’Orient et d’Occident“ der École Normale Supérieure Paris und des Centre National de la Recherche Scientifique.

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