Die Bedeutung des Adjektivs ‚aristotelisch’, das im Vortragstitel anklingt, legt nahe, dass das ‚Denken’ in der menschlichen Fähigkeit zu unterscheiden begründet liegt. Jedoch ist hiermit nicht das Unterscheiden von Konzepten (durch die wir die Welt abbilden oder konstruieren) gemeint, sondern vielmehr eine Handlung, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Phänomenen unseres alltäglichen Lebens steht.
Unsere gegenwärtige kulturelle Situation kann man als eine des „Ich denke, also bin ich“ und zunehmend als elektronischen Albtraum bezeichnen. Vor diesem Hintergrund richtet der Vortrag sein Augenmerk auf zwei zentrale Fragen: Wäre es wünschenswert, auf eine Beziehung zu den Dingen zurückzugreifen, die unmittelbarer und weniger konstruktivistisch wäre? Und: Können wir derzeit Anzeichen und Symptome eines solchen Wunsches, gar einer Rückkehr zu einer unmittelbareren Beziehung zu den Dingen in der Welt ausmachen?
Prof. Hans-Ulrich Gumbrecht ist derzeit Albert Guérard-Professor of Literature an den Instituten für Vergleichende Literaturwissenschaften, Romanistik und Italianistik an der Stanford University. Nach einem Studium der Romanistik, Germanistik, Philosophie und Soziologie in München, Regensburg, Salamanca und Pavia wurde Prof. Gumbrecht an der Universität Konstanz promoviert und habilitiert, bevor er Rufe an die Universitäten Bochum und Siegen annahm. (Gast-)Professuren führten ihn anschließend unter anderem nach Berkeley, Yale, Montréal, Rio de Janeiro, Princeton, Barcelona, Budapest, Aarhus, Lissabon und Paris. Prof. Gumbrecht ist Mitherausgeber von Grundriss der romanischen Literaturen des Mittelalters, Figurae – Readings in Medieval Culture sowie Writing Science und Espaces Métisses und schreibt regelmäßig für die Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie für Merkur – Zeitschrift für europäisches Denken. Ein Portrait der ZEIT über Hans-Ulrich Gumbrecht finden Sie unter: Manuel J. Hartung: Das Spiel mit Sepp, in: DIE ZEIT 13/2007.

Hans-Ulrich Gumbrecht: Kann das 21. Jahrhundert ein aristotelisches sein? Gegen den Konstruktivismus:
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