Video-Blog: Archive for the ‘Doktorandenringvorlesung Germanistik SoSe 10’ Category

Das Internet als Medium und Phantasma

Thursday, September 2nd, 2010

Alexander Friedrich: Das Internet als Medium und Phantasma

Das Internet als Leitmedium der Informationsgesellschaft hat eine rege Debatte nicht nur in den Geistes- und Kulturwissenschaften ausgelöst. Längst ist die Frage nach seiner gesellschaftlichen Bedeutung zum Gegenstand öffentlicher Diskurse geworden. Worum gestritten wird, ist die Legitimität der Hoffnungen und Sorgen, die sich mit dem Medium verbinden. So wurde in den vergangenen Jahren nicht nur ein ‚Kulturkampf’ zwischen den Vertretern der klassischen Printmedien und denen der digital natives ausgerufen. Fragen des Urheberrechts und der Datensicherheit sind längst zum Politikum geworden. Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung der Lebenswelt werden einerseits neue Formen weltweiter Kooperation, andererseits aber auch immer umfassendere Kontrollmöglichkeiten eröffnet. Dabei nährt die technische Entwicklung sowohl Utopien als auch Dämonisierungen einer vollständig vernetzen Welt. Die Veranstaltung möchte einen Überblick über historische und aktuelle Diskursformationen geben, die diese Entwicklung begleiten und prägen. Dabei soll vor allem die Metaphorik der kollektiven Imaginationen des Internets in den Blick genommen werden.

Alexander Friedrich studierte Philosophie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Soziologie an Friedrich_bildder TU Chemnitz. Während seines Studiums war er als studentische Hilfskraft in der DFG-Forschergruppe »Neue Medien im Alltag« tätig. 2006 schloss er sein Studium mit einer Magisterarbeit über Heideggers geschichtsphilosophische Hölderlin-Interpretation während des Zweiten Weltkriegs ab. Seit Oktober 2008 promoviert er als Stipendiat des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) an der JLU zu dem Thema: »Metaphorologie der Vernetzung. Zur Struktur und Dynamik einer kulturellen Leitmetapher«.

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Fotografie und Literatur

Thursday, August 5th, 2010

Anne Hillenbach: Fotografie und Literatur

Was passiert mit einem schriftlich fixierten literarischen Text, wenn dieser durch Fotografien ergänzt wird? Und was geschieht mit einer Fotografie, die ihr mediales Spektrum durch die Integration eines literarischen Textes erweitert?
Um diese beiden Kernfragen wird die Sitzung „Literatur und Fotografie“ kreisen. Vor dem Hintergrund meines Dissertationsprojektes möchte ich verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie Literatur und Fotografie miteinander kombiniert werden können und welche zusätzlichen Bedeutungsdimensionen sich durch diese Medienkombination ergeben können.
Bekannte Fotoromane werden ebenso zur Sprache kommen wie moderne Autorencomics und zeitgenössische Fotokunst. Es wird auf grundsätzliche ontologische Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Medien eingegangen, die in den besprochenen Kunstwerken direkt oder indirekt thematisiert werden. Hier spielen vor allem mediale Selbstreflexionen vor dem Hintergrund bekannter Literatur- und Fototheorien eine entscheidende Rolle. Vor dem Hintergrund des Themas der Vorlesung ergeben sich hier vor allem Fragen zum Status der Schrift. In vielen Werken weist diese über ihre Zeichenfunktion hinaus: sie wird selbst zum ästhetischen Objekt und zum visuellen Bedeutungsträger.

Anne Hillenbach studierte von 2002 bis 2007 Komparatistik, Bild_HillenbachKunstgeschichte und Islamwissenschaft in Gießen. Während ihres Studiums war sie als studentische Hilfskraft am Sonderforschungsbereich 434 „Erinnerungskulturen“ tätig. Seit Oktober 2007 ist Anne Hillenbach Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und seit Juni 2008 Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes.
In ihrer Dissertationsschrift widmet sie sich dem Thema: „Literatur und Fotografie. Mediale Selbstreflexion und kulturelle Sinnstiftung.“

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Das ,sprachlose’ Medium im Text

Thursday, July 29th, 2010

Berenike Schröder: Das ,sprachlose’ Medium im Text: Musikkritik nach 1800 als Synthese der Künste

Die Frage, wie und ob das hochkomplexe Medium Musik in Sprache zu übersetzen ist, wird bis heute in Wissenschaft und Kultur immer wieder diskutiert. Um 1800 erhebt die literarische Romantik die Musik zum Medium des Absoluten und ,Unsagbaren’. Paradoxerweise häufen sich jedoch ab 1800 literarische und kulturelle Texte, die versuchen, Musik und ihre Wirkung durch Sprache darzustellen. Die Musikbegeisterung, die romantische Autoren wie Jean Paul oder E.T.A. Hoffmann prägt, bleibt nicht ohne Wirkung auf die „professionelle“ Musikbeschreibung: War Konzert- und Musikkritik im achtzehnten Jahrhundert eher auf die musikalische Fachsprache konzentriert, so treten nach 1800 Änderungen auf. Unter dem Einfluss der Literatur gebraucht die Musikkritik eine zunehmend bildliche und literarisch geprägte Sprache. Der romantische Komponist Robert Schumann, der 12 Jahre lang die „Neue Zeitschrift für Musik“ herausgab, gilt als herausragende Figur dieser neuen Musikkritik. Als musikalisch-literarische „Doppelbegabung“ versucht er, sowohl in seiner Musik als auch in seinem Musikschrifttum die beiden Medien Musik und Sprache auf innovative Weise zueinanderzubringen. Die Vorlesung möchte anhand von Schumanns Beispiel die Musikkritik ab 1800 als Gattung, die zwei Medien in sich vereint, vorstellen.

Berenike Schröder studierte Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Schroeder_BildMusikwissenschaft in Hamburg und Göttingen.  Nach dem Magisterexamen 2006 folgten Aufenthalte als Doktorandin an der University of California (Berkeley) sowie der Universität Freiburg. Während dieser Zeit war sie verstärkt als freie Journalistin vorwiegend im Bereich der Konzertkritik tätig. Seit August 2008 setzt sie ihre Promotion „Monumentale Erinnerung – ästhetische Erneuerung. Die Ästhetik der Intermedialität in den Schriften der Neudeutschen Schule“ als Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und als Koordinatorin des Career Service fort.

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Funktionen von diegetischen Schriftfigurationen im Film

Monday, July 26th, 2010

Vincent Fröhlich: Funktionen von diegetischen Schriftfigurationen im Film

Anknüpfend an Regine Leitensterns Vorlesung über nicht-diegetische Figurationen der Schrift im Film beschäftigt sich die folgende Stunde mit diegetischen Figurationen von Schrift im Film. Zunächst ist die eindeutige Unterscheidung zwischen nicht-diegetischer oder diegetischer Figuration zu hinterfragen: Damit der Zuschauer nicht aus der filmischen Welt herausgerissen wird, werden häufig auch nicht-diegetische Figurationen von Schrift in die Filmwelt eingebunden und erscheinen damit als Bestandteil der Diegesis. Aber es gibt auch klar zu zuordnende diegetische Schriftbeispiele: Zum Beispiel wird die Schrift von Briefen und Zeitungen und der mit ihr verbundene Schreibprozess visualisiert. Zu diesem Zweck wird der Schreibprozess durch erotische oder schockhafte Elemente aufgeladen, die Montage hebt einzelne Worte oder Buchstaben hervor, dekonstruiert oder rhythmisiert die geschriebene Sprache. Schrift und Bild können im Hinblick auf die Gesamtaussage des Films verschiedene Wechselbeziehungen zueinander eingehen und einander widersprechende, unterstützende oder kontextualisierende Funktionen haben. Experimentelle Filme eines Greenaway oder Fassbinder fordern außerdem die selbstständige Verknüpfung aus Schrift und Bild, die teilweise eigenständig von einander stehen und damit eine aktive Rezeptionshaltung des Zuschauers, der in diesem Falle auch Leser ist, fordern. Die Schrift ist wichtiger Bestandteil der Filmwelt, weil sie Geschichten authentifizieren kann und Funktionen übernehmen, die das Filmbild nicht oder nur mit Mühen leisten kann. Die unterschiedlichen Funktionen von diegetischen Figurationen von Schrift im Film sollen anhand von Filmbeispielen erläutert werden.

Vincent Fröhlich studierte von 2001 bis 2007 Komparatistik, Neuere deutsche Literatur und Fröhlich_bildIslamwissenschaft in Bonn und Bayreuth. Seine Magisterarbeit „1001. Strukturen und Motive aus 1001 Nacht in Büchern und Filmen der Gegenwart“ wird 2010 im LIT-Verlag veröffentlicht. Seit 2007 gibt er verschiedene Lehrveranstaltungen zu Themen wie „Die Beat-Generation“ oder „Literaturverfilmungen“. Seit Oktober 2009 promoviert er am am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zum Thema „Der Cliffhanger. Formen und Funktionen eines Kultur und Medien übergreifenden Erzählmittels“.

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Start- und Endtitel, Zwischentitel, Untertitel

Thursday, July 1st, 2010

Regine Leitenstern: Start- und Endtitel, Zwischentitel, Untertitel: Figurationen nicht-diegetischer Schrift im Spielfilm

Glaubt man, sich in einem Randbereich von Filmtheorie und Filmgeschichte zu bewegen, wenn man über das Verhältnis von Schrift und Film nachdenkt, wird man schnell eines Besseren belehrt. In seinen verschiedenen Ausformungen – sei es als Werbespot, Videoclip, Experimental-, Dokumentar- oder Spielfilm – eröffnet der Film zahlreiche und vielschichtige Möglichkeiten der Figuration von Schrift. Ausgehend von dieser Vielfalt des Schrifteinsatzes im Medium Film soll in der vierten Vorlesungssitzung zunächst das Spektrum möglicher Wechselbeziehungen von Schrift und Film beleuchtet werden. Im Anschluss an eine kurze Einführung des für diese und die nächste Vorlesung zentralen Begriffs der Diegese (Etienne Souriau) gilt das Hauptaugenmerk so genannten nicht-diegetischen Figurationen von Schrift im narrativen Spielfilm, wie sie unter anderem in Start- und Endtiteln, Zwischen- und Untertiteln Verwendung finden. Anhand von Filmbeispielen sollen dabei vor allem die narrativen Funktionen dieses Schrifteinsatzes näher in den Blick genommen und das Verhältnis der Schrift zum diegetischen Raum fokussiert werden.

Regine Leitenstern studierte nach einjährigem Auslandsaufenthalt in Montpellier und Florenz LeitensternFranzösistik, Italianistik und Journalistik in Leipzig und Paris. Studienbegleitend arbeitete sie als freie Journalistin, Übersetzerin und Sprachlehrerin. Seit Oktober 2008 promoviert sie am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zu intra- und intermedialen Bezügen im zeitgenössischen Autorenfilm. Seit März 2010 ist sie zudem am Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) als Assistentin der Geschäftsführung des LOEWE-Schwerpunkts „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ tätig.

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Das Fleisch der Buchstaben

Thursday, May 27th, 2010

Das Fleisch der Buchstaben: Zu Typografie und Bedeutung
Björn Ganslandt

Wie viel seiner Bedeutung verdankt dieser Absatz seiner Schriftart und dem Arrangement der Wörter auf der Seite? Die Antwort auf diese Frage berührt nicht nur den Berufsstand des Grafikdesigners, sondern hat auch weitreichende Implikationen für die Linguistik sowie die Literatur- und Editionswissenschaft. Dass diese Fragestellung erst seit einigen Jahren in diesen Disziplinen diskutiert wird, hat unter anderem mit zeichentheoretischen Traditionen zu tun, denen in dieser Sitzung nachgegangen werden soll. Dass Zeichentheorie durchaus Raum für typografische Bedeutsamkeit bietet, wird im Anschluss auf Basis der peirceschen Semiotik gezeigt werden.
Abschließend soll die Problematik angerissen werden, ob der hier ins Zentrum gestellte Zusammenhang zwischen Bedeutung und Typografie tatsächlich der richtige Ausgangspunkt ist, oder ob nicht gerade die mit Typografie verbundenen Fragen nach Materialität und Medialität zu theoretischen Ansätzen jenseits von Bedeutung und damit Zeichentheorie führen.

Ganslandt

Björn Ganslandt studierte von 2003 bis 2009 Grundlagen der Informatik sowie Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der RWTH Aachen. Außerdem ist er seit 1999 als freier Computerjournalist und Radio-Redakteur tätig. Seit 2009 betreut er den Online-Auftritt des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und promoviert dort über die Rolle von Störung in der frühen digitalen Magazintypografie.

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