Bonifatius in Hessen
Der Vogelsberg
Taufstein, Hoherodskopf
und Bilstein
Der Vogelsberg (fugalesberc) ist mit einer Ausdehnung von 2500 qkm das größte zusammenhängende
Basaltgebiet Mitteleuropas. Die höchste Erhebung des Vogelsberges ist mit 774 m der Taufstein. Unweit davon ist der
Hoherodskopf mit 763 m. Der Hoherodskopf ist der im allgemeinen bekanntere Berg, wohl wegen des großen
Sendemastes, der weithin im Lande gut zu erkennen ist. Vom einen zum anderen Gipfel brauchen Wandersmann und Wandersfrau etwa 20 Minuten.
Wenn man schon oben ist, sollte man es sich deshalb nicht nehmen lassen, mindestens diese beiden Gipfel zu besuchen.
Am besten orientiert man sich am Rundwanderweg H:
Hoherodskopf - Taufstein - Niddaquelle - Hochmoor - Forellenteiche -
Taufsteinhütte - Hoherodskopf, weniger als 8 km.
Vom Rundwanderweg aus kommt man über eine rustikale Treppe aus Basaltstufen auf einem sehr kurzen
Abzweig zum Gipfel des Taufsteins. Die Abzweigstelle (beim ehemaligen - inzwischen plattgemachten -
Horchposten der Amerikaner in Richtung DDR) ist gut markiert.
Auf dem Plateau des Taufsteins beeindruckt zunächst der massive, 28 m hohe Bismarckturm, erbaut
1906-1910 mit aktiver Förderung von Hugo Buderus (Buderus-Werke Wetzlar und Lollar, die beim nicht weit entfernten
Laubach ihren Ursprung haben). Aus der Zeit des Turmbaus stammt wohl auch die erwähnte Treppe im Gelände.
Der Bismarck-Turm auf dem Taufstein - Foto: Robert Berhorst
Wenige Meter neben dem Turm - also ebenfalls nahezu auf dem Gipfel -
ist der
"Bonifatiusborn".
Heute meist leider nur noch eine kaum wahrnehmbare feuchte Stelle im Erdreich, in Basaltsteinen gefasst.
Nur nach tagelangem Regen steht in der Quellfassung Wasser.
St.Bonifatius soll hier getauft haben, was als durchaus glaubwürdig erscheint.
Bonifatius, der Benediktiner, liebte die
Erhabenheit der Anhöhen.
Das Wasserreservoir des Vogelsberges wird seit Jahren vom Rhein-Main-Gebiet her ausgetrocknet -
Trinkwasserversorgung! So wurden laut Hessischem Rundfunk vom 20.03.00 im Jahre 1999 23 Millionen Kubikmeter
Trinkwasser allein nach Frankfurt gepumpt. Ob das allerdings der Grund ist für das nahezu völlige Versiegen der
Bonifatiusquelle, ist fraglich. Der Verfasser sieht den Grund dafür am ehesten im damaligen Bau
des Bismarckturms.
Die Quelle nahezu auf dem Gipfel deutet darauf hin, dass kurz unter dem Gipfel wohl eine wasserundurchlässige
muldenförmige Schicht ist, und dass das nachsickernde Niederschlagswasser mit der Bonifatiusquelle
hier einen Abfluss, einen Überlauf gefunden hat. In der Schule haben wir gelernt, dass man eine
solche Quellenart als Überlaufquelle bezeichnet.
Die undurchlässige Bodenschicht wurde wahrscheinlich beim Bau der Grundmauern für den Bismarckturm
durchbrochen. Das Wasser aus den Niederschlägen hatte damit einen neuen Abzugsweg gefunden. - Wahrscheinlich also
wieder ein Beispiel für "Gut gemeint ist nicht immer auch gut getan." - Heute müsste
man für eine Taufe auf dem Taufstein wohl eher das Wasser mitbringen.
Hier ein Blick von der Aussichtskanzel des Bismarckturms auf den winterlichen Bonifatiusborn.
Rechts von der Bildmitte: der Bonifatiusborn. Vorn im Bild sehen Sie den Weg zum nahen
Parkplatz Taufstein.
Foto: Robert Berhorst
Die Quellfassung des Bonifatiusborn - Foto: Robert Berhorst
Beim Bonifatiusborn gibt es einige rustikale Bänke und Tische, die zur Rast einladen. Während
der Woche hat man hier durchaus die Muße, über St.Bonifatius und seine Bedeutung für
unser Land nachzudenken. - Ein Besteigen des frei zugänglichen Bismarckturms ist sehr zu empfehlen. Der Turm wurde
in den letzten Jahren restauriert, und er ist in einem sehr guten Zustand. Treppen und Aussichtsplattform sind gut zu
begehen. Kinder kann man problemlos mit hinaufnehmen. Auf der Plattform muss man die kleineren Kinder anheben, damit auch
sie über die Brüstung hinweg die herrliche Rundum-Fernsicht genießen können. Man blickt über
hohe Buchen hinweg. Wir sind hier in buchonia / Buchonien silva bacenis, dem alten Buchenland, das bei
der Tätigkeit von St.Bonifatius immer wieder eine Rolle gespielt hat. (Buche / Fagus, ahd.=buchha,
mhd.=buoche).
Leider ist es auch hier so, wie in vielen deutschen Wandergebieten: die Fernsicht wird nachhaltig
gestört durch die herumstehenden Propeller - es werden immer mehr - und manchmal drehen die sich
auch noch und verteuern den ohnehin schon teuren elektrischen Strom. Auch im Vogelsberggebiet gibt es also Leute, die
aus persönlichem Profitstreben die Landschaft verschandeln. - Dem Verfasser kommt in der letzten Zeit immer
der Gedanke, den Bismarckturm nur noch bei Nebel zu besteigen. Man könnte sich dann die wunderschöne Gegend
vorstellen, und man würde die Verhunzung der Landschaft nicht sehen.
Zufahrt zum Taufstein von Gießen aus über Lich, Laubach, über die historische
Rennstrecke Schottenring, vorbei an Schotten (evangel. Marienkirche: "Schottener Altar" - Meister
Konrad von Soest ?), über Breungeshain, Richtung Hoherodskopf.
Es empfiehlt sich, an der Vogelsberg-Ringstraße beispielsweise den Parkplatz Taufsteinhütte zu
wählen. Dort gute Einkehrmöglichkeit. Wer aber mit dem Auto gekommen ist, möchte sicher vorher wenigstens
etwas laufen und auch die Aussicht genießen. Wir benutzen daher ein Stück des Rundwanderwegs
H, und gehen den vielbegangenen Weg zum Gipfel des Hoherodskopf. Dieser Wiesenweg am
Waldesrand bietet eine permanent herrliche Aussicht. (Mit Kinderwagen oder Rollstuhl ist der Weg durchaus befahrbar,
wegen der Steigung ist derartiges aber etwas anstrengend.)
In 10 Minuten sind Wandersfrau und Wandersmann auf dem Gipfel. Dort diverse Einkehrmöglichkeiten, von gut bis einfach.
Hier oben ebenfalls herrliche Fernsicht. Auf dem großen Parkplatz am Sendemast landen alle
Motorräder, Kraftfahrzeuge und Omnibusse, wenn die Fahrer/innen die beschilderte Auffahrt zum Hoherodskopf
benutzen. Am Parkplatz ist auch das durchaus zu empfehlende Naturschutzzentrum und beim großen Sendemast
ein Erste-Hilfe-Stützpunkt der DRK-Bergwacht.
Für Jugendbewegte gibt es hier das Vater-Bender-Haus, überhaupt trifft man hier oben überall auf den
Vogelsberger Höhenclub e.V. (im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine). Für Kinder gibt
es einen sehr schönen Kinderspielplatz, es gibt eine Sommer-Rodelbahn, und seit 2008 einen Kletter-Parcours für Kinder
und Erwachsene in den Bäumen unter dem Sendemast. Für den Winter gibt es neben den bestens organisierten
Langlaufpisten eine Abfahrt mit Skilift. Am unteren Ende des Skilifts, an der
Straße von Breungeshain, etwa 1 km bergauf, liegt links eine gern besuchte Jugendherberge.
Wer auf dem Hoherodskopf gelandet ist und wandern möchte, geht beispielsweise beim
Parkplatz am Sendemast vorbei auf dem Wanderweg H durch den Wald und ist nach 20 Minuten auf dem Gipfel
des Taufstein mit Bonifatiusborn und Bismarckturm.
Noch ein Hinweis für Eltern mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und stark gehbehinderte Personen:
Der Gipfel des Taufstein ist auch für Sie relativ leicht erreichbar. Fahren Sie auf der
Vogelsberg-Ringstraße (L 3305) in Richtung Süden, also entgegen dem Uhrzeigersinn, vorbei an der Auffahrt Hoherodskopf,
fahren Sie Richtung Herbstein. Nach wenigen hundert Metern liegt rechts, parallel zur Straße, der langgestreckte
Parkplatz Taufstein. Auf diesem Parkplatz fahren Sie durch bis an dessen Ende und stellen Sie dort
Ihren Wagen ab. Sie stehen hier auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. (Der Parkplatz liegt
auf einer Höhe von 750 m ü.NN). Vor sich haben Sie jetzt rechts den Wanderweg zur Herchenhainer Höhe
und links, wie für Sie geschaffen, den Beginn der Ski-Langlaufstrecke Taufstein. Vorbei an der Blockhütte
(Wetterschutz), etwas links halten, und schon sind Sie nach 5 Minuten bei mäßiger Steigung und ohne Stufen
auf dem Gipfel des Taufstein.
ALTE VOLKSSAGE
| Bonifatius am Vogelsberg |
| Im oberen Hessen ist Bonifatius auch am Vogelsberg gewesen, davon zeugt noch der
Taufstein. Der ist vor Zeiten der heiligste Berg gewesen ringsherum, und die alten Heiden haben dort ihre Kirche gehalten.
Der heilige Bonifatius ist aber hergekommen und hat daselbst eine Kapelle aus Holz gebaut und aus der
Quelle, die oben fließt, die ersten Christen im Vogelsberg getauft. Seitdem heißt der Berg
der Taufstein. (...) Auf der Herchenhainer Höhe ist ein
Felsbrocken, von dem herab hat der Heilige den Heiden gepredigt, den nennt man noch heute die
Bonifatiuskanzel. Die ersten Christen dortzulande hatten von den Heiden viel Verfolgung auszustehen.
Und wenn die Heiden einen Christen fingen, stürzten sie ihn vom Bilstein herab.
|
| ... und wohl nur deshalb habe ich bei meinen Wanderungen im Gebiet des Vogelsberges noch niemanden
getroffen, der lauthals verkündet hat, dass er Christ ist (d.Verf.) |

Unser geschätzter
Kardinal Lehmann, als er im Juli 2004
anlässlich des Jubiläums "
1250 Jahre St.Bonifatius in Deutschland"
auf dem
Taufstein war und dort eine heilige Messe zelebrierte, hatte eine ganze Reihe
gläubiger Christen dabei. Er hatte folglich keine Probleme mit dem
Bilstein.
(Einigkeit macht stark!)
| Sie möchten zum Bilstein? - Vom Hoherodskopf aus gehen Sie vorbei am Kinderspielplatz,
an der Sommer-Rodelbahn, folgen dem blauen Andreaskreuz "X" (Fernwanderweg). Am Segelflugplatz weiter geradeaus
derselben Beschilderung folgend, sind Sie bald auf dem Bilstein und haben wiederum eine herrliche
Fernsicht. - Zeitbedarf vom Hoherodskopf bis auf den Bilstein: ca. 50 Minuten. |
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