Kolloquien der deutsch-österreichischen Sektion

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Zusätzlich zu den internationalen Kongressen der Artusgesellschaft trifft sich die deutsch-österreichische Sektion zu eigenen Tagungen; die nächste findet in Straßburg statt.


Straßburg, 24.–27. Februar 20
10

Thema: Mythos und Geschichte


Überall ist vom „Artusmythos“ und oft sogar im gleichen Atemzug auch vom „historischen Artus“ die Rede, obgleich der mythos ursprünglich gerade das von historischer Wahrheit geschiedene Erzählte bezeichnet. „Mythos“ erscheint heutzutage als ein Allerweltsbegriff, der letztlich alles, was irgendwie bedeutungsvoll oder irgendwie altertümlich oder gar geheimnisvoll ist, bezeichnen kann.
Inhaltlich ist der Begriff im strengeren Sinne mit vorchristlichen Glaubens- und Weltmodellen verbunden, strukturell und formal wird er in neuerer Zeit mit einem wie auch immer zu denkenden „vorrationalen“ oder „noch unverschiedenen“ Weltverständnis in Verbindung gebracht – oder er wird als „Totalanschauung“ verstanden; mythisches Denken verbinde Ethos, Ästhetik, Theorie, Ökonomie und Recht zu einer Einheit, schreibt J. Gernet (1968). Die Funktionen des Mythos schließlich sind die der Welterklärung und auch der Legitimation von bestehenden Ordnungen. Sie können daher eine politische Funktion besitzen, wie Gründungsmythen oder Nationalmythen. Bekanntlich ist der „Mythos“ immer von verschiedenen Ideologien gebraucht und einseitigen Interessen unterstellt worden. Nicht zuletzt deshalb ist er ein ebenso heikler wie kulturgeschichtlich wichtiger und schwer umgehbarer Begriff.

Die Beiträge der Tagung sollen sich mit den verschiedenen Facetten des Begriffs „Mythos“ auseinandersetzen und danach fragen, ob und wo wir in der Artusdichtung tatsächlich Strukturen eines „mythischen Erzählens“ oder aber Spuren eines „mythischen Substrats“ (in Stoffen, Figuren, Erzählmustern) entdecken können. Wo und mit welcher Wirkung werden literarisch überformte Mythen (auch antike) in die Artusliteratur integriert und wie verhalten sich diese Spuren und Muster zur „Historie“? Liegen der Artusgeschichte überhaupt geschichtliche Tatsachen oder eine geschichtliche Erfahrung zugrunde oder beruhen sie auf „reiner Fiktion“? Wie sind „mythisches“ und „chronistisches“ Erzählen in der Artusdichtung miteinander verflochten? Welcher Funktion dient die Artusliteratur und welche Formen der Sinnfindung weist sie auf: eher „mythische“, „geschichtliche“, „historiographische“ oder „genealogische“? Wo changieren Figuren zwischen „mythischen“ und „geschichtlichen“ Gestalten, wo dient etwa auch der „Mythos“ der Etablierung eines bestimmten „Geschichtsbilds“?

Die Tagung wird organisiert von Peter Andersen (Straßburg) und Cora Dietl (Gießen).

Die Teilnehmer der Tagung werden nach Möglichkeit im Gästehaus Ciarus (http://www.ciarus.com), etwas nördlich vom Stadtzentrum (20min Fußweg zu Bahnhof und Universität) untergebracht (
€ 52 im Einzelzimmer, € 35,50 im Doppelzimmer pro Nacht mit Halbpension); die Tagung findet in der Maison Interuniversitaire des Sciences de l’Homme statt (http://www.misha.fr/accueil).

 

Programm (vorläufige Fassung)

Mittwoch, 24.2.2010

14.00–14.30  Cora Dietl: Begrüßung

Sektion I: Mythische Welten und Gestalten

14.30–15.15  Friedrich Wolfzettel: Mythische Brunnen und die Unterwelt

15.15–16.00  Armin Schulz: Das Nicht-Höfische als Dämonisches: Die Gegenwelt Korntin im Wigalois

16.00–16.30  Kaffeepause

16.30–17.15  Laetita Rimpau: Gruppenbild mit Dame: Wohn- und Wirkräume arthurischer Feen

17.15–18.00  Claudia Lauer: Zwischen-Helden. Die Präsenz arthurischer Botengestalten

18.30–20.00  Abendessen

20.00–20.45  Matthias Däumer: Truchsess Keie – Der Mythos eines Lästermauls


Donnertag, 25.2.2010
Sektion II: Mythische Mächte, Fügungen und Mechanismen

09.00–09.45  Nina Schlüter: Artus, Ödipus und die Schicksalsmächte. Bemerkungen zu Zufall und Notwendigkeit in antikem und mittelalterlichem Mythos

09.45–10.30  Brigitte Burrichter: Heilsgeschichte und Mythos in den französischen Gralserzählungen

10.30–11.00  Kaffeepause

11.00–11.45  Andrea Moshövel: Von der magischen Frage und vom Mythos des Fragens – Zum Fragemotiv im Parzival Wolframs von Eschenbach

11.45–12.30  Ulrich Wyss: Gibt es einen arthurischen Mythos der Liebe?

12.30–14.30  Mittagspause

Sektion III: Mythen und ihr Fortleben

14.30–15.15  Danielle Buschinger: Variationen des Mythos von Lohengrin vom 12. bis zum 19. Jahrhundert

15.15–16.00  Günther Rohr: Der Mythos ‚Gral‘ im 20. Jahrhundert

16.00–16.30  Kaffeepause

16.30–17.15  Kristyna Slamova: Der Gral als Kitschsouvenir. Entmythologisierung des Mythos in der Postmoderne

17.15–18.00  Ulrich Ernst: Gral-Mythos und Historical Metafiction. Zu Dan Browns postmodernem Roman The Da Vinci Code

18.30–20.00  Abendessen

20.30–21.30  Mitgliederversammlung

Freitag, 26.2.2010
Sektion IV: Mythos, Ursprung, Memoria

09.00–09.45  Elisabeth Schmid: Ursprungsmythen im Gralsroman

09.45–10.30  Titus Knäpper: Ex oriente lux. Neues zum Orientalischen im Parzival

10.30–11.00  Kaffeepause

11.00–11.45  Nathanael Busch: Bî den selben zîten / was daz gewonlîch. Stellen allein reisende Frauen ein Problem dar?

11.45–12.30  Stefanie Wodianka: Matière de Bretagne – zum kulturellen Status mythischen und historischen Erinnerns in Literatur und Film seit dem Zweiten Weltkrieg

12.30–14.30  Mittagspause

Sektion V: Mythos als narrative Größe und Motiv

14.30–15.15  Florian Kragl: Land-Liebe. Von der Simultaneität mythischer Wirkung und logischen Verstehens am Beispiel des Erzählens von arthurischer Idoneität.

15.15–16.00  Justin Vollmann: Als die Bücher noch sprechen konnten, oder: Wie mythisch ist arthurisches Erzählen?

16.00–16.30  Kaffeepause

16.30–17.15  Björn Reich: Garel revisited – Die Auflösung der Artusherrlichkeit beim Pleier

17.15–18.00  Patrizia Mazzadi: Die Krise eines Mythos: die Gestalt des Artus’ im Jaufrè

18.30–20.00  Abendessen

Samstag, 27.2.2010
Sektion VI: Artus: Remythologisierung und Dekonstruktion seit dem Mittelalter

09.00–09.45  Stefan Seeber: Der Artushof als mythisches Analogon – Zur Rolle der Artuswelt in den Tristanfortsetzungen

09.45–10.30  Michael Schwarze: Arthurische Mythographie in Ritterbiographien des französischen Spätmittelalters

10.30–11.00  Kaffeepause

11.00–11.45  Jürgen Wolf: Verlorene Historizität. Oder warum einer der neun größten Helden der Welt in der deutschen Geschichtsschreibung des Mittelalters eine Randfigur ist

 

12.30–14.30  Empfang im Rathaus, Mittagspause. 

Sektion VII: Mythos, Geschichte und Fiktionalität

14.30–15.15  Monika Unzeitig: Mythisches und chronikales Erzählen in der Historia Regum Britanniae des Geoffrey of Monmouth und im Prosa-Lanzelot – ein Vergleich

15.15–16.00  Peter Andersen: Entstehung und frühe Entwicklung der Lancelot-Sage im Licht der rationalen Philologie

16.00–16.30  Kaffeepause

16.30–17.15  Corinna Virchow: Artus zwischen Pergament und Phantasie – wider die Mythisierung

17.15–18.00  Fritz Peter Knapp: Jenseits von Mythos und Geschichte

18.00–18.30  Schlussworte

18.30–20.00  Abendessen

Sonntag, 28.2.2010

11.00–12.00  Stadtführung auf Goethes Spuren. 


Abreise.

 

Ihre Anmeldungen zur Tagung richten Sie bitte an:

Prof. Dr. Cora Dietl
Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Germanistik
Otto-Behaghel-Str. 10B
35394 Gießen

cora.dietl@germanistik.uni-giessen.de

 

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