

Immer noch ist Wolfgang Schmeltzl (um 1505 bis 1564) ein Unbekannter in der
Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit; die kulturlandschaftliche Sonderstellung
seines Werkes bildet eine konstante Herausforderung. Ästhetisch inspiriert von
dem im Zeichen der Reformation unternommenen Aufbruch in der volkssprachigen
Literatur, stellt der "Reformationsflüchtling" Schmeltzl seine Dichtungen in den
Dienst der frühen katholischen Neubesinnungs- und Reorganisationsbestrebungen.
Vom Zentrum der habsburgischen Reichsterritorien aus verfolgt er gezielt das
Programm einer Dichtung "auff Osterreichisch teütsch" und meint damit sowohl
eine eigenständige sprachgestalterische Leistung als auch die konfessionelle
Verortung seiner Stoffe und Gattungen im Sinne der beginnenden Gegenreformation. |