

Lexikon der mittelalterlichen Literatur in Ungarn und RumänienDas Projekt zielt auf die Erstellung eines einbändigen Lexikons zur mittelalterlichen Literatur im südöstlichen Mitteleuropa (mit besonderer Beachtung der Gebiete, die im heutigen Ungarn und Rumänien liegen) von den Anfängen der deutschsprachigen Besiedlung des ehemaligen Königreichs Ungarn bis 1526, als Teilband des 15-bändigen Lexikons der regionalen Literaturgeschichte des deutschen Mittelalters, verantwortet von Christoph Fasbender, Chemnitz. Das Lexikon ist ein Ortslexikon literarischer Räume; erfasst werden Höfe, Städte, Kirchen, Klöster, Institutionen, an/in denen Literatur entstand, verbreitet und rezipiert wurde oder wirkte, und regional verortbare Ereignisse, die als Schreibanlässe für Literatur dienten. Ziel ist es, den Literaturraum Ungarn/Rumänien systematischer und vollständiger, als dies bisher geschehen ist, als Raum einer kulturellen Durchmischung von lateinischer, deutscher und ungarischer (um die wichtigsten Sprachen zu nennen) Kultur und Literatur zu erfassen und eine verlässliche Grundlage zu schaffen für künftige monographische Arbeiten zum Thema. Es geht darum nachzuzeichnen, wie die deutsche Literatur und Kultur von Ort zu Ort in je unterschiedlichem Maß und Tempo in eine Wechselwirkung zu den regionalen Literaturen wie auch zur internationalen lateinischen Kultur getreten ist, wie sich die verschiedenen Kulturen gegenseitig durchdrungen haben und wie bis zur Frühen Neuzeit die Grundlegung einer gesamteuropäischen Kultur im südöstlichen Mitteleuropa erfolgt ist. Fragen der Identitätsstiftung und -bewahrung durch eine Literatur in der eigenen Sprache oder des Kulturimports werden ebenso behandelt wie die Bindung einer kulturellen Identität an einen Ort. Das Lexikon versteht sich nicht nur als ein Nachschlagewerk für Mittelalter-Spezialisten, sondern besitzt hohe Relevanz für den aktuellen sensiblen Umgang mit dem „deutschen Erbe“ im heutigen Ungarn und Rumänien. Es macht nachvollziehbar, wie das von Region zu Region unterschiedliche Gepräge „deutscher“ oder mit dem Deutschen in Verbindung stehender Kultur im südöstlichen Mitteleuropa entstanden ist und fördert damit das Verständnis für die über Jahrhunderte gewachsenen und auch nach langer Trennung unlösbaren Verstrickungen zwischen deutscher, siebenbürgischer und ungarischer Kultur. |