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Lehrveranstaltungen an der Universität Gießen im Sommer 2013

Vorlesung: Deutsche Sprach- und Literaturgeschichte (gemeinsam mit A. Voeste)

VL Modul „Deutsche Sprach- und Literaturgeschichte“, BA SLK, BA GuK, mL3, Sj 1, PV
VL Mediävistik / Komparatistik / Hörer aller Fachbereiche

Di 14–16

Raum: A 2

Beginn: 16.04.2013

Wussten Sie, dass die deutsche Sprache älter ist als die italienische und dass die PISA-Sieger in Finnland erst 800 Jahre nach den Deutschen und unter dt. Einfluss eine eigene Schriftsprache erhalten haben? In den letzten 1300 Jahren haben die deutsche Sprache und Literatur eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht. Viele Eigentümlichkeiten des Deutschen lassen sich nur mit Blick auf diese lange und wechselhafte Entwicklung erklären. Die Vorlesung geht dem nach und erklärt Schritt für Schritt die wichtigsten sprachlichen und literarischen Neuerungen in der älteren Geschichte des Deutschen, mit Ausblick in die neuere Zeit. Gemeinsam gehen wir Fragen nach wie: Was heißt „deutsch“? Wie funktionieren Zaubersprüche? Gab es Bibelübersetzungen vor Luther? Muss höfische Liebe immer keusch sein? Warum holpert der Knittelvers? Wieso druckte man früher oft in Fraktur?

Qualifikation: Klausur.

  

Seminar: Die Erzählung von einem wundersamen Raben: Der Wiener Oswald
Einführung in die Lektüre, Übersetzung und Interpretation mhd. Literatur

Si Modul „Deutsche Sprach- und Literaturgeschichte“, BA SLK, BA GuK, Sj 1, WPV
PS/HS Mediävistik / Hörer aller Fachbereiche WPV/WV

Mo 14–16
 

Raum: B 128

Beginn: 15.04.2013

Als eine Heiligenlegende gibt sich der Wiener Oswald aus, aber die (wohl in Schlesien entstandene) Geschichte vom englischen Missions- und Märtyrerkönig Oswald ist so abenteuerlich erzählt, dass sie eher zu den so genannten Spielmannepen gezählt wird. Im Zentrum der Handlung steht auch gar nicht der englische König Oswald, der um eine Heidenprinzessin wirbt, sondern sein Bote: ein Rabe, der nicht nur sprechen, sondern auch Schach spielen kann und durch die Abenteuer, die er bei der Übermittlung der Liebesbotschaften und -gaben erlebt, alles in den Schatten stellt.

Im Seminar werden wir den Text gemeinsam lesen, das Übersetzen aus dem Mittelhochdeutschen üben und versuchen, ihn in seine literatur- und kulturhistorischen Kontexte einzubetten. Geplant ist auch die gemeinsame Gestaltung einer öffentlichen Lesung aus dem Wiener Oswald im Kontext des 35-jährigen Jubiläums der Universitätspartnerschaft zwischen Gießen und Lodz.

Das Seminar richtet sich primär an Studierende im ersten Studienjahr, ist aber auch zur Auffrischung der Mittelhochdeutschkenntnisse vor der Examensprüfung oder zum Erwerb der Mittelhochdeutsch-Kenntnisse zur Zulassung für den Studiengang Deutschsprachige Literatur und Kultur im östlichen Europa geeignet.

 Qualifikation: Übersetzungstest und Einzelpräsentation.

 

Seminar: Der Klassiker des mittelhochdeutschen Liebesromans: Gottfrieds von Straßburg Tristan
Si Modul „Hauptwerke der dt. Literatur im europ. Kontext“, BA SLK/GuK, alle L, Sj 2, WPV
HS Mediävistik, WPV

Do 10–12

Raum: E 06

Beginn: 18.04.2013

Nur an die edelen herzen möchte sich Gottfried mit seinem Roman wenden, und das sind die Hörer oder Leser, die die siuze sûr und das liebe leit kennen und in sich tragen, die Gegensätze zusammendenken können. Von einem Schwarz-Weiß-Denken muss sich der Held ebenso wie der Leser oder Hörer des Romans grundsätzlich verabschieden; Kategorien wie „eigen“ und „fremd“, „gut“ und „böse“, „Freund“ und „Feind“, „Leben“ und „Tod“ geraten angesichts der hier vorgeführten Erfahrung der Fremde und des Absolutheitsanspruchs der personalen Liebe durcheinander. Die Tristanminne ist keine Liebe, die sich auf dem Weg der âventiure in die Gesellschaft integrieren ließe, sondern sie steht immer quer zur Gesellschaft und kann doch nicht längere Zeit ohne diese bestehen. Ihre unlösbare Widersprüchlichkeit spiegelt sich überall in der Erzählung und im Erzählstil wieder. Hierin liegen auch für den heutigen Leser Reiz und Schwierigkeit dieses mittelhochdeutschen Klassikers, dem wir uns durch Analysen ausgewählter Passagen, des Erzähl- und Sprachstils wie auch der Struktur nähern und in dem wir intertextuellen Bezügen nachspüren werden.

Textgrundlage: Gottfried von Straßburg: Tristan. Hrsg. von Karl Marold, bearbeitet von Werner Schröder. Berlin: de Gruyter (egal welche Auflage).
Zur Einführung: Christoph Huber: Gottfried von Straßburg, Tristan. Berlin: Erich Schmidt, 3. Aufl. 2012.
Qualifikation: Referat und schriftliche Ausarbeitung (Hausarbeit).

 

Seminar: Literatur im Kontext des Dominikanerordens: Deutschsprachige Texte von und über Meister Eckhart
Si Modul „Literatur in institutionellen Kontexten“, BA SLK/GuK, alle L, Sj 3, WPV
HS Mediävistik / Komparatistik, WPV

Mo 10–12

Raum: B128

Beginn: 15.04.2013

Zu den großen Förderern und Produzenten der deutschen Literatur im Mittelalter gehören auch die religiösen Orden. In ihrem Rahmen entsteht aber keineswegs nur Literatur für den ordensinternen Gebrauch. Dies lässt sich an der Literatur des Dominikanerordens und speziell an den Werken des Dominikaners Meister Eckhart besonders deutlich zeigen: Er gilt heute als Gipfelpunkt der deutschen Mystik. Zu seiner Zeit war er durchaus eine umstrittene Gestalt, ein Universitätsgelehrter und ein Prediger, der sich auch die Dominikanerinnen und anfangs auch die Beginen im Rheinland betreute. .Je nach Adressatenkreis schreibt er anders und wird er anders wahrgenommen. Während einerseits legendenähnliche Erzählungen über ihn entstanden, wurde er andererseits der Häresie angeklagt. Im Seminar werden wir verschiedene Texte von und über Eckhart lesen und nach den jeweiligen institutionellen Kontexten fragen, die sie hervorgebracht haben.

Qualifikation: Referat und schriftliche Ausarbeitung (Hausarbeit).

 

Seminar: Regionalität im Zeichen der konfessionellen Spaltung: Das Drama der Reformationszeit

Si, Modul: „Literatur – Kultur – Medien“, MA DLDL, Sj 2, WPV
Si, Modul: „Weltliteratur – Nationalliteratur – Regionalliteratur“, MA DLKO, Sj 2, WPV
HS Mediävistik, WPV

Do  16–18
 

Raum: B128

Beginn: 18.04.2013

Mit der konfessionellen Aufspaltung des deutschen Sprachgebiets im 16./17. Jahrhundert erhält die „Regionalliteratur“ eine neue Qualität: Sie wird zur konfessionell gebundenen Literatur. Als Literatur, die sich des audio-visuellen Mediums Theater bedient, ist die dramatische Literatur der Zeit ganz besonders dazu geeignet, die oft wechselnden Fronten der Konfessionalität zu demonstrieren und zu propagieren. So erlebt in lutherisch geprägten Regionen das im Humanismus eingeführte Schuldrama eine neue Blüte und Ausweitung seiner Möglichkeiten, während in katholischen Regionen das geistliche Spiel des Mittelalters zu großen synästhetischen Spektakeln ausgebaut wird und schließlich der Jesuitenorden ein neues, frühbarockes Drama entwickelt. Im Seminar werden ausgewählte Dramen beider Konfessionen gelesen und nach ihren religiösen und politischen Kontexten sowie nach ihrer Bühnenwirkung oder Adressierung an ein Lesepublikum, d.h. nach ihrer medialen Qualität befragt.

Qualifikation: Referat und Ausarbeitung (Hausarbeit).

 

Kolloquium: Neuere Forschungen der geschichtswissenschaftlichen und germanistischen Mediävistik (gemeinsam mit Chr. Reinle, S. Tebruck)

O Si, Prom, WV
OS Mediävistik / Komparatistik

Di  18–20
 

Raum: C3

Beginn: 16.04.2013

Das Seminar bietet Nachwuchskräften der mittelalterlichen Geschichte bzw. der germanistischen Mediävistik die Möglichkeit, Qualifikationsarbeiten (Staatsexamens-, Magisterarbeit, Dissertations-, Habilitationsvorhaben) oder andere Forschungsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Es ist thematisch nicht gebunden.

Qualifikation: keine (Wahlveranstaltung).
Anmeldung: bei den Lehrenden (Referatvergabe) oder in StudIP.

 

GCSC-Kolloquium: Mediävistik (gemeinsam mit Chr. Reinle)
Koll Prom – nur für GCSC Mitglieder und Assoziierte

Mo 18–20
(14-täglich)

Raum: B 128

Beginn: 22.4.2013

Das Kolloquium bietet Mitgliedern und assoziierten Mitgliedern des GCSC die Möglichkeit, entstehende Dissertationen, Habilitationsschriften und Forschungsarbeiten zu Themen der Mittelalter- und Frühneuzeitforschung (der Philologien, Geschichtswissenschaft, Kunst­geschichte und anderer Fächer) bzw. Teilfragen aus diesen vorzustellen und im Expertenkreis zu diskutieren.

Qualifikation: Referat (Projektvorstellung) – unbenotet.
Anmeldung: bei den Lehrenden, über das GCSC oder in StudIP.