Wenn er [...]
Jetzt käme - wer dann ehrte ihn? er ginge
Ein könig ungekannt an euch vorbei.
Stefan George
Der wahre Statthalter des poetischen Geistes auf Erden
Novalis
Inhaltsüberblick
Vorspiel: ein steifer Langweiler
Band I Der junge Goethe 1749 - 1775
ca. S. 230
Band II Der mittlere Goethe: auf dem Weg zur Klassik
1775 - 1786 ca. S. 225
Band III Der klassische Goethe 1786 - 1805
ca. S. 300
Band IV Der späte Goethe 1806 - 1823
ca. S. 325
Band V Der alte Goethe 1824 - 1832
ca. S. 330
Band VI
Experimentelle Einleitung in die Farbenlehre
Materialien zur Rekonstruktion der Versuche
Anhang
Register, Bibliographie
Detaillierter Inhalt
Verzeichnis der über 200 Abbildungen
Bei der breiten Fülle der vorhandenen Goethe-Darstellungen fragt man sich, was eine weitere soll. Sie kann nur ein Recht haben, wenn sie etwas Neues neu bringt. Das tut die vorliegende.
Sie komponiert, postmodern, Monographie und Goethe-Text ineinander. Sie ist Darstellung von Leben und Werk des Frankfurters, und sie präsentiert das Werk selbst in ausgedehnten Passagen. Wobei Goethe nicht nur in seinen Dichtungen dargestellt wird, sondern auch durch Briefe, Tagebücher, Gespräche, durch eine Auswertung der Lesarten, die einen Blick in die poetische Werkstatt des Meisters erlauben, durch Hinweise auf die zeitgenössische Wirkung. Man kann sagen, diese Bände ersetzen eine Biographie ebenso wie eine Interpretation und Kommentierung des Werkes. Man wird z. B. kaum eine Goethesche Dichtung finden, die nicht behandelt wird - auch die entlegeneren wie Pandora, Jery und Bätely usw. werden vorgestellt.
Es gibt in dieser auf eine unterhaltende Lesbarkeit ausgerichteten Darstellung auch Kapitel über den Schlittschuhläufer Goethe, über seinen Weinkonsum, über seine Frauen, Gretchen, Käthchen, Riekchen, Lotte, ..., ...; es werden weniger beachtete Aspekte beleuchtet: Goethe als Lotteriespieler. Goethes Schwester wird als Autorin eines Vor-Werther entdeckt. Überhaupt werden auch die Personen im Umfeld des Genies betrachtet: die Mutter, die Frau und Freundin, der Sohn, Carl August, Eckermann etc. Natürlich wird auch das von Goethe selbst nie, später nur zögerlich Publizierte, etwa die unterdrückten Römischen Elegien oder Das Tagebuch besonders behandelt. Gundolfs Satz: unter allen Goetheschen Werken das Größte ist sein Leben, steht immer auch im Hintergund.
Die großen Dichtungen werden auf der Basis der wissenschaftlichen Goethe-Literatur erläutert, in ihrer gegenwartsbedeutsamen Dimension entwickelt. Das bedeutet auch, daß ein multimethodisches Design angewandt wird. Ideologiekritische, gendersensible, psychoanalytische, formbetrachtende, systemtheoretische, positivistische, rezeptionstheoretische Verfahren werden, ohne besonders thematisiert zu werden, textkonstituierend. Dogmatische Fundamentalismen wird man nicht finden. Insgesamt ist eine Zurückhaltung in wissenschaftlichen Sprachspielen zu bemerken.
Alte Vorurteile werden neu gewertet. Goethe als sinnlicher Heide, Goethe als Fürstenknecht, Goethe als ungenießbarer Langweiler, Goethe als marmorkaltes, lebensweltabgehobenes Denkmal und Flaggschiff nicht nur Deutschlands sondern eines logozentrierten Europa. Goethe, der in Weimar wohnend, Buchenwald nicht verhinderte.
Ziel ist, einen handlichen, unterhaltend lesbaren Goethe zu entdecken, der weit weg von seiner Denkmalspatina als Mensch erscheint, der leidet, liebt und lernt.
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Ein lange bestehendes Desiderat wird endlich verwirklicht: geboten wird eine Einführung in die Farbenlehre, besonders in die Experimente. So kann man mit Hilfe der mitgelieferten Materialien die prismatischen Versuche durchführen, nichtfotografierbare Farben betrachten, farbige Schatten erzeugen u.v.a.m. Als Zusatz ist eine CD-ROM erhältlich, mit der die Experimente auch am PC durchgeführt werden können.
So ist der ganze Goethe im Blick: der Naturforscher, Sammler, Geheimrat, der Theaterintendant, der Reisende, der intensiv Lebende, der Mensch - z.B. als vielfach Helfender - , der Freund und der Dichter (als Lyriker, Dramatiker, Erzähler, als Aphoristiker, u.v.a.m.).
Sollte man nach einem (was es nicht gibt) Leitprinzip der Darstellung fragen: es ist ein Beitrag zu einer Anthropologie der Polarität von Betroffenheit und Inszenierung. Goethe ist in seinen großen Veranstaltungen, die seine Werke und sein Leben darstellen, immer Spieler und Zuschauer zugleich.
Ansonsten gilt, was er im Frühjahr 1822 dem Kanzler von Müller nicht nur scherzhaft sagte, als er gefragt wurde, wie es ihm gehe: Es geht mir schlecht, denn ich bin weder verliebt noch ist jemand in mich verliebt.
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