Um die Philosophie von Thomas von Aquin noch besser zu verstehen, beschäftigen wir uns heute mit Albertus Magnus. Seine Leistung für die Philosophie besteht in der Kommentierung aller Werke von Aristoteles und in der Hinzuziehung weiterer antiker Quellen (Euklid, Prophyrius, Proklos, Boethius) bei der Interpretation der aristotelischen Philosophie. Damit bereitet er die klare Aufgabentrennung zwischen Philosophie und Theologie vor, die Thomas dann ausarbeitet.
Albert Magnus hebt ausdrücklich die Natur in ihrer Eigenständigkeit hervor und weist deren Untersuchung der Philosophie als Aufgabenbereich zu. Im Bereich der Natur laufen die Phänomene aufgrund des Wirkens natürlicher Kräfte und Gesetzmäßigkeiten ab. Damit hat der Glaube keinerlei Bedeutung für die Vorgänge in der Natur. Nach der Behandlung seiner Ontologie wenden wir uns der Ethik zu. Albert betont, daß der Mensch ohne Rückgriff auf theologische Überzeugungen in gewissem Sinne zur Vollendung zu gelangen vermag. Diese Vollendung besteht darin, daß die Vernunft die ihr gemäße Aufgabe erfüllt: "Der Intellekt des Menschen gelangt, indem er sich von sich aus unaufhörlich auf Höheres erstreckt, durch die Betrachtung der himmlischen Welt endlich zur Betrachtung des Göttlichen ..."
Eine Konzentration auf die natürlichen Phänomene und deren Ursachen zeigt sich auch in der Philosophie von Roger Bacon. Beispielhaft betrachten wir dies in der Verwendung der Begriffe experientia und scientia experimentalis. Die experientia hat die Funktion, daß sich an ihr als Verifikationsinstanz für die Theorie die allgemeingültigen Aussagen über die Natur bewähren müssen. Die scientia experimentalis ist verbunden mit einer Neuorientierung der Wissenschaft. Gemäß diesem Konzept hat die Wissenschaft neben der theoretischen Erfassung der natürlichen Phänomene die Aufgabe, für die Menschheit nutzbares Wissen bereitzustellen und bisher unbekannte Phänomene (in Natur und Technik) zu entdecken.
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Zuletzt geändert am 2. März 2004
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