Der erste von drei Autoren, die in der abschließenden Sitzung behandelt werden, ist Bonaventura. Er versinnbildlicht die Auseinandersetzung innerhalb der Pariser Artistenfakultät in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bonaventura geht von einer augustinisch-neuplatonisch geprägten Philosophie aus und versucht, die Schwachpunkte der aristotelischen Metaphysik aufzudecken. Dies betrifft unter anderem die klassische philosophische Diskussion, in welchem Verhältnis die Einheit zur Vielheit steht. Eine entsprechende Lektüre verdeutlicht die Position Bonaventuras.
Das Wirken von Johannes Duns Scotus fällt in die Zeit nach der Verurteilung der 219 Thesen des Aristotelismus im Jahre 1277. Diese zeitliche und inhaltliche Distanz charakterisiert das Denken von Johannes Duns Scotus. Einerseits betont er die klare Trennung zwischen Theologie und Philosophie in seiner Ethik, wenn er die wahre Glückseligkeit des Menschen an den christlichen Glauben bindet. Andererseits fordert er von der Metaphysik, daß sich die philosophischen Begriffe gleichermaßen auf die Natur und auf Gott beziehen lassen. Damit begründet er die Metaphysik als notwendige Grundlage eines jeden rationalen Verständnisses der Offenbarung.
Die Texte von Meister Eckhart gelten als Höhepunkt der christlichen Mystik des Mittelalters. Sein Ausgangspunkt besteht in der Überlegung, daß Gott und Mensch entzweit sind, obwohl diese Entzweiung von Gott her längst aufgehoben und dieser in der Welt gegenwärtig ist. Das Göttliche zeigt sich aber in der menschliche Seele. Eckhart formuliert nun die moralische Verpflichtung der Vergegenwärtigung Gottes in der Seele - ein Akt, der die ratio übersteigt und nicht nur philosophische Argumentation vollzogen werden kann.
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Zuletzt geändert am 8. März 2004
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