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Bericht 1991 über geologische Aufnahmen in den Lienzer Dolomiten auf den Blättern 179 Lienz und 196 Obertilliach
Joachim BLAU, Beate GRÜN & Wolfram BLIND
E-Mail: joachim.blau@geolo.uni-giessen.de
Im Berichtsjahr wurde das Gebiet zwischen Frauentalegg im W und
Karlsbader Hütte im E aufgenommen. Die Süddbegrenzung bildet eine
Linie Zochenpaß, Weittalspitze, Oberalpl und Sonntagsrast. Im
Norden begrenzt das Gebiet die Linie Roter Turm, Spitzkofel und
Schwarzbodenegg.
Schichtfolge
Wetterstein-Gruppe (Ladin)
SPERLING (1990: Dipl. Arb. Leopold Franzens Univ. Innsbruck) führte
für die im W der Lienzer Dolomiten faziell abweichenden Zeitäquivalente
der von SCHLAGER (1963: Mitt. Ges. Geol. Bergbaustud.) aus
dem Bereich der Hängenden Wand beschriebenen Wetterstein Folge den
Begriff "Abfaltersbach Formation" mit dem liegenden Jochbach Member
und dem hangenden Abfalterbacher Plattendolomit Member ein.
Insgesamt erscheint uns der Name Abfaltersbach Formation schlecht
gewählt, weil der Name "Wetterstein Dolomit" zumindest seit
SCHLAGER für die betreffenden Gesteine in den Lienzer Dolomiten gut
eingebürgert ist. Auch die Wahl des Namens Abfaltersbacher
Plattendolomit birgt Probleme, da dieser sich deutlich von dem
unterscheidet, was SCHLAGER als Plattendolomit bezeichnet.
In vorliegendem Bericht benutzen wir den Begriff "Abfaltersbacher
Plattendolomit" im Sinne von SPERLING sowie "Plattendolomit (sensu
SCHLAGER)" für den von SCHLAGER beschriebenen Plattendolomit.
Plattendolomit (sensu SCHLAGER)
Charakteristisch für diese Serie sind sehr gleichmäßig gebankte
Dolomite mit Bankmächtigkeiten im cm-dm Bereich. Häufig ist eine
nur auf angewitternden Oberflächen zu erkennende feine Lamellation;
Lebensspuren sind selten.
Im Kartiergebiet ist der Plattendolomit im Kern der Lienzer
(Haupt-)Antiklinale im Kerschbaumer Tal aufgeschlossen. Ein
weiteres Vorkommen zieht vom Schönfeldjoch über die Leisacher Alm
auf das Unteralpl zu. Der beste Aufschluß in diesem Bereich liegt
im Eggenbach zwischen der oberen und unteren Hütte der Leisacher
Alm.
Abfaltersbacher Plattendolomit
Der Hauptunterschied zwischen dem Plattendolomit (sensu SCHLAGER)
und dem Abfaltersbacher Plattendolomit liegt in dem hohen Anteil
von Kalken in der Profilsäule des Abfaltersbacher Plattendolomits.
Zudem finden sich häufig Lebensspuren.
Im Arbeitsgebiet wurden die Kalke und Dolomite des Frauentalegg
(2262) zum Abfaltersbacher Plattendolomit gestellt. Damit wird die
Interpretation dieser Serie als Kössener Schichten (BINGEL &
BOCKEL, Bericht 1989) revidiert. Das Profil des Frauentalegg setzt
in der Scharte S' des Gipfels mit blaugrau anwitternden dünnschichtigen
Kalken ein. In den Kalken sind häufig Lebensspuren zu finden.
Dünnschliffe von einigen Proben erbrachten eine vorläufig
unbestimmbare Kalkalgen-Flora. Dieser Bereich des Profils ist bestimmten
Kössener Kalken lithologisch sehr ähnlich, gegen Kössener
Schichten spricht aber das völige Fehlen von Mergeln in der Serie.
N' des Gipfels wird die Serie dickbankiger und es schalten sich
Dolomitbänke ein. In der Scharte zwischen Frauentalegg und Höhe
2235 stehen dann nur noch Dolomite an. Die Grenze zum anschließenden
Hauptdolomit wird durch eine Störungszone an der die Dolomite
stark zergrust sind, markiert. Sie liegt N' der Scharte im Anstieg
zu Punkt 2235.
Raibler Schichten (Karn)
Die Raibler Schichten bilden im Kerschbaumer Tal die Umrahmung des
Plattendolomites im Kern der Lienzer (Haupt-)Antiklinale. Der
nördliche Zug streicht vom Grat zwischen Maurerspitz und dem
Kleinen Simonskopf (Ortsbez. nach AV-Führer Lienzer Dolomiten), wo
drei tiefe Scharten den Verlauf der Mergelhorizonte anzeigen,
direkt auf das Kerschbaumeralm-Schutzhaus zu. Der Südzug der
Raibler Schichten ist vom Zochenpass kommend, rasch nach W
abtauchend, im Nordabfall der Weittalspitze aufgeschlossen. Der
Sattelschluß selbst liegt W' des Kerschbaumeralm-Schutzhauses unter
Schotter verborgen.
Hauptdolomit (Nor)
Der größte Teil des Aufnahmegebietes besteht aus den mächtigen
Serien des Hauptdolomites. Die Basisbrekzie (vgl. SCHLAGER, l.c.)
ist am Weg von der Karlsbader Hütte zum Kerschbaumer Törl
aufgeschlossen. Darüber folgt sehr dünnbankiger Hauptdolomit, der durch
seine feine Lamellation den Plattendolomiten (sensu SCHLAGER) sehr
ähnlich wird. Der dünnbankige Bereich läßt sich im Arbeitsgebiet
vom Karlsbader Törl im E, über die N-Flanke des Kerschbaumer Tales
und des Kühboden Tales nach W verfolgen.
Kössener Schichten (Rhät)
Kössener Schichten liegen nur in einem kleinen tektonisch
begrenzten Areal in einer markanten Rinne, die vom Eggenbach nach E gegen
das Sandegg zieht, vor. Aufgrund der starken tektonischen Beanspruchung
sind die Kalke und schwarzen Mergel stark zergrust und in
sich verschuppt.
Liasfleckenmergel, Rotkalk, Radiolarit, Aptychenschichten (Jura)
Gesteine des Jura finden sich im Arbeitsgebiet nur in einem kleinen
tektonisch isolierten Vorkommen welches einen Vorhügel S' der
Karelehöhe bildet (vergl. Bericht 1988 GRÜN & SENFF). In diesem
Vorkommen liegt eine jurassisch-kretazische Abfolge vor, von der
die einzelnen Schichtglieder allerdings tektonisch extrem reduziert
sind. Die Schichten streichen ñ E/W. Quert man das Vorkommen von S
kommend, stehen zunächst ca. 5-10 m Liasfleckenmergel an. Rotkalk
und Radiolarit sind nur in Form von isolierten Fetzen erhalten. Den
Hauptanteil des Vorhügels bilden Aptychenkalke.
Amlacher Wiesen Schichten (Apt/Alb)
Den N-Rand der vorbeschriebenen Schuppe bilden Sedimente der
Kreide. Inwiefern Kreidefleckenmergel am Aufbau beteiligt sind,
konnte aufgrund der starken Deformation nicht festgestellt werden.
Stark vergruste schwarze Mergel, die keine Schichtung mehr erkennen
lassen, sind lithologisch mit den von SCHMIDT & GRÖSSER (Bericht
1991) im Griesbach gefundenen schwarzen Kreidemergeln zu vergleichen.
Aufgrund ihrer Lithologie sehen wir diese Schichten als
äquivalent zu der von FAUPL (1977: Anz. Östr. Akad. Wiss.,
math.-natw. Kl. 113) beschriebenen Schlammturbidit-Serie an der
Basis der Amlacher Wiesen Schichten an. Sie sind damit in das
Apt/Alb einzustufen.
Tektonik
Das tektonische Hauptelement des bearbeiteten Gebietes ist die
Lienzer (Haupt-)Antiklinale,deren Kern mit Plattendolomiten (sensu
SCHLAGER, l.c.), Raibler Schichten und Hauptdolomit als jüngstem
Schichtglied im Kerschbaumer Tal aufgeschlossen ist. Die Antiklinale
taucht nach W hin ab (SCHLAGER, l.c.). Der Sattelschluß ist
weder in den Plattendolomiten noch in den Raibler Schichten
aufgeschlossen, sondern liegt unter Schotter verborgen. Allerdings
wird er durch den brekziösen Hauptdolomit des Riegels E des Punktes
2154 belegt.
Weiter nach W läßt sich der Sattel im Haupddolomit des Kreuzkofel
nachweisen in dessen N-Flanke die Schichten nach N und in dessen
S-Flanke die Schichten nach S einfallen. Der letzte sichere Beleg
des Sattels befindet sich zwischen dem Sandegg mit S-fallenden
Schichten und Punkt 2222 mit nach N einfallenden Schichten. Weiter
nach W wird der Südflügel des Sattels an einer SE/NW verlaufenden
Störung abgeschnitten.
Diese Störung ist Teil einer der Hauptstörungen der Lienzer
Dolomiten (vgl. SCHMIDT & GRÖSSER, Bericht 1991). Im Arbeitsgebiet
ist sie vom Oberalpltörl kommend bis in die Scharte zwischen
Frauentalegg (2262) und Punkt 2235 zu verfolgen und begrenzt die
oben beschriebene Jura-Schuppe der Karelehöhe, die Kössener
Schichten beim Sandegg und die Abfaltersbacher Plattendolomite des
Frauentalegg nach N.
Die isolierten Schuppen von u.a. Jungschichten entlang der Störung
lassen sich als Relikte einer Duplexstruktur an einer dextralen
Seitenverschiebung, die mit der von SCHMIDT & GRÖSSER (Bericht
1991) untersuchten flower-structure im Zusammenhang steht,
erklären.

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