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   Der Friedhof
 

1887 hat die Gemeinde einen eigenen, zuerst 200 m2 großen Friedhof auf freiem Feld am Ortsausgang nach Garbenteich. Die Friedhofsgemeinschaft mit der Gemeinde in Großen-Linden wird aufgehoben. Im Laufe der Zeit erreicht der Friedhof eine Größe von 413 m2.

Der jüdische Friedhof ist ein „Beth Olamin“, ein „Haus der Ewigkeit“. Die Totenruhe ist unantastbar, Gräber und Grabmale bleiben über Jahrhunderte, das Räumen eines Grabes ist unvorstellbar. Im Januar 1943 wendet sich die Reichsvereinigung der Juden an Bürgermeister Schäfer: „Auf Weisung unserer Aufsichtsbehörde sollen die Friedhöfe der früheren israelitischen Kultusvereinigungen beschleunigt verkauft werden.“ Sie fragt an, „ob Sie für den/die dortigen Friedhöfe Kaufliebhaber sind.“ Wenn nicht, wird um Vermittlung von Interessenten gebeten. Die „Aufsichtsbehörde“ ist das Reichssicherheitshauptamt der SS.

Die Gemeinde hat Interesse, die Reichsvereinigung schlägt 100 RM als Verkaufspreis vor. Der Landrat als Aufsichtsbehörde des Gemeinderates gibt maximal 30 RM vor, denn laut Gutachten der Kreisbauernschaft Oberhessen-West vom 5.3.1943 handelt es sich um Ödland, nicht um Brachland. Am 1.9.1943 erlässt das Finanzamt Gießen ein Kaufverbot. Im Februar 1944 fordert es die Gemeinde auf „ein Kaufangebot vorzulegen“, gleichzeitig das Reich von Regressansprüchen bezüglich der Grabdenkmäler freizustellen, denn diese „gehören ihren Eigentümern“. Im März weist das Finanzamt schroff das Angebot der Gemeinde von 30 RM zurück und verlangt mindestens 100 RM.

Im März 1953 wird eine Statistik erstellt. 23 Grabsteine sind vorhanden, davon 17 unbeschädigt. Drei sind umgestürzt oder gebrochen, auf dreien fehlt die Namenstafel.

Am 26.8.1957 werden bis auf zwei alle Grabsteine umgestoßen. Einen Monat später stellt der Oberstaatsanwalt die Ermittlungen ein.

1982 waren noch lesbar:

Meyer Katz

Gatte, Vater, Bruder

29.03.1827 – 04.03.1900

 

Samuel Katz

aus Steinberg

25.02.1827 – 10.06.1905

Vater von Ferdinand Katz

Regine Dreyfuss

geb. Süss

20.01.1832 – 14.10.1906

Mutter von Nathan Julius Dreifuss

Erna Grünebaum

 

29.12.1902 – 19.01.1909

Tochter von Abraham Grünebaum

Jette Löwenstein

geb. Süss

11.01.1836 – 08.04.1909

Mutter von Adolf Löwenstein ?

Helene Süß

 

23.03.1887 – 27.10.1911

Tochter von Joseph Süß

Seligmann Katz

von Steinberg

31.01.1861 – 11.08.1915

Mann von Jettchen Katz 

Ferdinand Katz

von Watzenborn

22.12.1858 – 20.06.1918

Sohn von Samuel Katz 

Klara Süss

geb. Kohlhas

25.04.1846 – 23.02.1919

???

Hermann Katz

 

01.09.1878 – 09.04.1920

Obelisk

Sara Katz

geb. Schönthal, Mutter

24.02.183? – 06.02.190?

Obelisk

Janchen Katz

geb. Edelmuth

26.02.1959 – 25.05.1925

Frau von Ferdinand Katz

 

aus Watzenborn

 

 

Amalie Kohlhaas

aus Collig

05.03.1850 – 04.02.1928

 

August Katz

Bruder

04.08.1874 – 14.01.1928

 

Joseph Süß

 

16.02.1958 – 17.10.1938

Mann von Johanna Süß


Der Gedenkstein

Am 16.3.1962 beschließen der Gemeindevorstand und am 3.4.1962 die Gemeindevertretung jeweils einstimmig für die ermordeten Watzenborn-Steinberger Juden einen Gedenkstein zu errichten. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen empfiehlt, ihn auf den jüdischen Friedhof zu setzen und gibt textliche Anregungen. Steinmetzmeister Karl Seipp berechnet für jeden der 373 Buchstaben eine DM. Die Einweihung findet am Volkstrauertag, dem 17.11.1963 statt. Nachträglich wird der Name Johanna Süß, Mutter von Emma Adler, hinzugefügt.

 

 

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