Arbeitsschwerpunkte
Bildung, Biografie und Bewegung(en). Bildungsprozesse in der Landlosenbewegung und Müllsammlerinitiativen in Brasilien zwischen persönlichem Bezug und sozialen Bedingungen
Ziel des Vorhabens ist es, die bildungsbezogene Bedeutung Sozialer Bewegungen – anknüpfend an vorangegangene Arbeiten – weiterführend zu erforschen und zu theoretisieren. Damit verortet sich das Vorhaben in der internationalen Bewegungsforschung und ist gleichzeitig ein Beitrag zur Etablierung eines neuen Feldes in der Erziehungswissenschaft. Die interdisziplinäre Anlage des Projektes zielt dabei grundlegend auf eine Verknüpfung von bildungs- und sozialisationstheoretischen Überlegungen anhand der forschungsmethodischen Rekonstruktion von Bildungsprozessen und Biografien in Bewegungen, situiert in einem regionalwissenschaftlichen Kontext. Im Kern geht das Forschungsvorhaben der Frage nach, wie sich Subjekte in Sozialen Bewegungen bilden. Genauer: Wie konstituieren und/oder transformieren sich Selbstverhältnisse, Weltverständnisse und Weltverhältnisse in Bewegungen und inwiefern spielt dies eine Rolle für die biografische Entwicklung? Dabei ist davon auszugehen, dass sich Bildungsprozesse unter Bedingungen der Veränderung anders gestalten und Protestbewegungen daher besondere Sozialisationsräume darstellen. Da aus einer subjektzentrierten Perspektive zum einen der persönliche Bezug zur Bewegung variiert und sich lebensgeschichtlich verändert wie auch demgegenüber die sozialen Bedingungen für Bildungsprozesse in Bewegungen sich unterscheiden, stehen in methodischer Hinsicht prozessorientierte Fallanalysen im Vordergrund (bisher 68 Interviews), die kontrastierend (minimal und maximal) in ihrem Bezug zur Bewegung, nach Bewegungsformen und regionaler Einbettung geführt und ethnografisch in ihrer Typik vergleichen werden. Forschungsgegenstand sind hier: die Landlosenbewegung (Movimento dos Sem Terra, MST) sowie lokale Müllsammlerinitiativen (Catadores de Papel, CdP) in Brasilien.