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Demokratiebildung und Erinnerungskulturen - Ted Rosenthal und Paul Miller am Institut

 

Demokratiebildung und Erinnerungskulturen

 

Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik Justus-Liebig-Universität Gießen /

Ted Rosenthal (The Juilliard School, Manhattan School of Music/NYC)   

In Kooperation mit

Institut für Musik Universität Kassel

Goetheschule Wetzlar

Verein „Historisches Bad Camberg e.V.“

Die sei Herbst 2022 bestehende Zusammenarbeit des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik mit dem New Yorker Jazz-Pianisten und Komponisten Ted Rosenthal konnte in diesem Sommer durch einen erneuten Besuch von Ted Rosenthal fortgesetzt werden.

Der Hintergrund dieser Projekte ist, dass der Vater von Ted Rosenthal, Erich Rosenthal, Studierender an der Ludwigsuniversität war (heute Justus-Liebig-Universität). Er wurde 1933 von dort von den Nationalsozialisten ausgeschlossen, weil er Jude war. 1938 gelang ihm die Flucht in die USA. Seine aus Wetzlar stammende Familie blieb in der Heimat zurück und fiel dem Holocaust im Vernichtungslager Sobibor zum Opfer. Im Jahr 2015 fand Ted Rosenthal 200 Briefe, die seine Großmutter Herta zwischen 1938 und 1941 an seinen Vater geschrieben hatte. Alle diese Schriftstücke beginnen mit der Anrede „Lieber Erich“. Aus diesen Briefen entwickelte Ted Rosenthal gemeinsam mit seiner Frau Lesley das Libretto für die Komposition seiner Jazz-Oper „Dear Erich“. Sie ist ein Auftragswerk für die New York City Opera und wurde dort 2019 uraufgeführt. Ted Rosenthal und das Musikinstitut haben auf der Grundlage ihrer Verbindung viele Aktivitäten in den Bereichen Erinnerungskulturen, Demokratiebildung und Musikpädagogik entwickelt, aus der mittlerweile eine umfangreiche Anzahl Veranstaltungen und Veröffentlichungen entstanden sind. Im November 2023 waren Ted und Lesley Rosenthal erstmals an der JLU für eine Veranstaltungsreihe mit Vortrag, Podiumsdiskussion, Masterclass und Konzert zu Gast und nun erneut vom 27.5. – 3.6.2025.

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In Kooperation oder mit Beteiligung des Musikinstituts fanden Veranstaltungen mit Ted und Lesley Rosenthal auch bei Institutionen und Vereinen außerhalb der JLU statt. So vermittelte Ted Rosenthal am Institut für Musik der Universität Kassel in einer Kombination aus Vortrag, Präsentation und Live-Konzert seine Familiengeschichte, ihre Verarbeitung in seiner Jazz Oper „Dear Erich“ und die musikalischen Konzepte, die alle diese Ebenen verbindet. Er erläuterte Hintergründe zum Libretto, demonstrierte ausgewählte Mitschnitte aus der New Yorker Opernproduktion des Werks, und das Ted Rosenthal Trio interpretierte live Titel aus „Dear Erich“. Darüber hinaus führte Ted Rosenthal als Experte auf dem Gebiet der Musik von Thelonious Monk einen Workshop mit der Bigband der Uni Kassel durch, die sich aktuell mit einem ganzen Programm dem Repertoire dieses Komponisten und Pianisten widmet.

Der Verein „Historisches Bad Camberg“ richtete anlässlich der zehnjährigen Wiedereröffnung der dortigen „Alten Jüdischen Schule“ eine Festveranstaltung aus, und Ted Rosenthal war gemeinsam mit vielen weiteren Nachfahren ehemaliger Bad Camberger jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus der ganzen Welt in der Stadt zu Gast, um dieses Jubiläum zu begehen. Seine Großmutter Herta stammte aus Bad Camberg, und die Feierlichkeiten standen im Zeichen des Erinnerns an die von den Nazis ermordeten oder vertriebenen Verwandten und der Aufarbeitung für die Nachfahren. Im Rahmen der Festveranstaltung gab das Ted Rosenthal Trio ein Konzert mit Musik aus „Dear Erich“, bei dem das Musikinstitut in die Planung eingebunden war. Link: https://www.verein-historisches-camberg.de/aktuelles.html

An der Goetheschule Wetzlar fand eine Gedenktafelenthüllung für die ehemaligen Goetheschüler Erich Rosenthal, Ernst Rosenthal und Hans Stern statt, die alle auf verschiedene Weise Opfer der Nationalsozialisten wurden. Den Anlass für die Anbringung der Gedenktafel durch den Verein „Wetzlar erinnert“ gaben Schülerinnen und Schüler des Geschichts-LKs der Schule. Sie wurden im Schularchiv auf Unterlagen der Cousins Erich und Ernst, sowie von Hans Stern aufmerksam. Ihre Recherche führte zu vielen neuen Erkenntnissen über die Schicksale der drei jungen Männer. In der Forschungsphase nahmen sie Kontakt mit Ted Rosenthal auf, der wiederum die LK-Mitglieder mit dem Musikinstitut in Verbindung brachte. Aus der Kooperation von Goetheschule, „Wetzlar erinnert“ und dem Musikinstitut resultierte eine Festveranstaltung mit Ansprachen und Ausführungen der verschiedenen Aktiven und von Vertretern aus der Politik. Auch hier spielte das Ted Rosenthal Trio ein Konzert mit Musik aus „Dear Erich“. Zuvor berichtete Ted Rosenthal im Rahmen eines Schulbesuchs den Schülerinnen und Schülern des Geschichts-LK in einer Präsentation von seiner Familiengeschichte, verknüpft mit Video-Ausschnitten aus seiner Jazz Oper, in der Wetzlar an verschiedenen Stellen zur Sprache kommt. Anschließend standen Ted und Lesley Rosenthal für Fragen, Gespräch und Austausch zur Verfügung.

 

Berthold Möller