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Pohl, Lukas, M.A.

Lukas.Pohl@geschichte.uni-giessen.de | Projektangestellter


                               

Lukas Pohl, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB-138 "Dynamiken der Sicherheit. Formen der Versicherheitlichung in historischer Perspektive.
Teilprojekt A06: Versicherheitlichung und Diskurse über Rechte von Minderheiten und Mehrheiten in Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jahrhundert

Tel: 0049-641-99-30242
Lukas.Pohl


Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte der Stadt Lodz
  • Geschichte und Literatur Polens im 19. und 20. Jahrhundert
  • Jüdische Geschichte und Literatur Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert
  • Deutsch-Polnische Geschichte

Forschungsprojekt: TV 3 Sicherheit in der “bösen Stadt”: Die mehrsprachige Textilmetropole Lodz 1860-1918 im Brennpunkt von sozialen und nationalen Konflikten

In der rasch wachsenden Textilstadt Lodz, in der sich die Bevölkerung zwischen den 1860er Jahren und 1914 fast verwanzigfachte (von 32.000 auf über 600.000 Einwohner), stellten sich Sicherheitsfragen besonders scharf: Die Stadt wurde 1863, 1892 und 1905/06 von Aufständen und Massenstreiks erschüttert, Unternehmer wurden mit Massenausperrungen konfrontiert, auf welche die Stadt mit dem Entsenden von Truppen reagierte. Wie konnte in der viersprachigen Stadt, in der Deutsche, Polen, Juden und Russen zusammenlebten und in der sich soziale Spannungen entwickelten, Sicherheit hergestellt werden? Untersucht werden Konzepte der russländischen Verwaltung, die von militärischer Repression über eine enge polizeilichen Kontrolle  bis zu der Gewährung sprachlich-kultureller Autonomie und parallel Konzepte der Stadtverwaltung und die Forderungen der entstehenden Lodzer Parteien reichte. Wie gestalteten sich Alltag und Sicherheitspraktiken, wie suchten Verwaltung und mehrsprachige Unternehmer, Sicherheit zu gewährleisten? Existierten seitens der Stadtverwaltung Vorurteile gegenüber Sprachen, etwa dem Jiddischen, das den russischen Behörden weitgehend verborgen blieb? Wie prägte dies die Lebenswelten und Emotionen in der Bevölkerung? Was änderte sich für die Stadtbevölkerung mit der Zulassung eines mehrsprachigen Schulwesens nach den Aufständen in den Jahren 1905 und 1906? Welche (politischen) Akteure waren mehrsprachig? Erschwerte dies die Gewährleistung von Sicherheit in der Stadt?

Schließlich: Die Arbeiterstadt Lodz fand als das “rote Lodz”, aber auch als kulturlose, gewalttätige “böse Stadt” eine besondere Beachtung in der mittel- und osteuropäischen Publizistik, aber auch in den administrativen, öffentlichen und europäischen Sicherheitsdiskursen. Insbesondere die europäische Arbeiterbewegung bezog sich häufig auf Lodz. Welche Sicherheitsakteure können identifiziert werden und welche Strategien verfolgten sie? Wurden hier anderswo entwickelte Maßnahmen ausprobiert oder entstanden Praktiken, die über Zentralpolen auf das ganze Imperium oder auf Europa ausstrahlten?