Zweitsprachliche Herausforderungen verbaler Höflichkeit: Realisierungen gesichtsbedrohender Sprechakte bei DaF-Lernenden und didaktische Implikationen
Promotionsprojekt: Xiaoting Ma
Status: Start Sommer 2025
Wie konstituiert sich im Deutschen sprachliche Höflichkeit im Diskurs? Und was ist dabei besonders herausfordernd für u.a. chinesische DaFZ-Sprecher:innen?
Im Kontext der Höflichkeitstheorie von Brown und Levinson (1987) werden Ablehnungen als eine besonders beziehungssensitive und gesichtsbedrohende Sprachhandlung betrachtet. Die Fähigkeit von Fremd- und Zweitsprachlernenden, situativ und adressatenspezifisch angemessene Ablehnungen zu formulieren, ist daher im Alltag von großer Bedeutung.
Es ist bekannt, dass die Realisierungsweise von Ablehnungen (ebenso wie von anderen Sprachhandlungen wie z.B. Danken, vgl. Siebold 2011) sowie der damit verbundene Höflichkeitswert kulturabhängig sind. DaFZ-Nutzer:innen müssen daher, um verbal angemessen höflich zu sein, einerseits eine gewisse Bandbreite sprachlicher Mittel (z.B. Routineformeln, Konjunktiv) und zielsprachspezifischer Strategien verbaler Höflichkeit (z.B. unterschiedliche Grade von Direktheit) anlegen (sog. pragmalinguistische Kompetenzen), andererseits müssen sie diese Mittel je nach Kontext angemessen flexibel einsetzen können, d.h. auf spezifische, in der Zielsprache relevante mikro- und makrosoziale Faktoren (z.B. Bekanntheit, Hierarchie) angemessen reagieren (sog. soziopragmatische Kompetenzen).
Um die pragmatischen Sprachhandlungskompetenzen von DaFZ-Nutzer:innen näher zu beschreiben, werden im Rahmen dieses Dissertationsprojekts in einem ersten Schritt sprachliche Mittel und pragmatische Routinen der Sprachhandlung Ablehnen bei chinesischen Deutschlernenden sowie bei L1-Sprechenden des Deutschen und des Chinesischen erhoben und kontrastiv analysiert. Die Datenerhebung findet mithilfe von (monologischen und dialogischen) Rollenspielen statt. Die Daten werden im Hinblick auf sprachliche Mittel verbaler Höflichkeit, Strategien (z.B. Direktheitsgrade) sowie die strategische Anpassung an soziale Parameter und den Gesprächsverlauf ausgewertet (vgl. z.B. Siebold 2011).
Ziel des—in Entwicklung befindlichen—Gesamtprojekts ist es, aus vergleichenden Datenanalysen didaktische Bedarfe abzuleiten, dazu kontextsensitive, zielgruppenspezifische Vermittlungsoptionen zu entwickeln und hinsichtlich ihrer Wirkung und Wirksamkeit zu überprüfen.