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Wirkung und Wirksamkeit von Inputfluten unter Berücksichtigung von Wiederholung und Variation

Wirkung und Wirksamkeit von Inputfluten unter Berücksichtigung von Wiederholung und Variation

Karin Madlener-Charpentier

Status: laufend seit 2006

Ein reichhaltiges Sprachangebot gilt gemeinhin als Grundlage des Spracherwerbs (Gass 1997) bzw. der erfolgreichenRekonstruktion des Repertoires der sprachlichen Mittel und Muster der Zielsprache und ihre Gebrauchsbedingungen (Madlener-Charpentier/Behrens 2022). Gerade im Fremdspracherwerb ist der Zugang zur Zielsprache jedoch häufig stark beschränkt (Ender & Amorocho 2025).

Inputfluten oder Inputanreicherungen können für ein erwerbsförderliches Inputangebot sorgen (Madlener 2015, Kauschke 2022). Darunter versteht man (kommunikativ relevante) Textangebote, die sehr viele Exemplare einer ausgewählten Zielstruktur enthalten. Diese Struktur sollte dabei für das Textverstehen zentral sein. Angestrebt werden beiläufige und vorrangig implizite Lernprozesse: Durch die hohe Anzahl der Zielstrukturen im Input soll die Verfügbarkeit, Sichtbarkeit und Relevanz der Zielstrukturen erhöht werden: „Je mehr Zielstrukturen ein Text enthält und je verständnis- bzw. aufgabenrelevanter diese sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass jede/r Lernende zumindest einige davon verarbeitet“ (Madlener-Charpentier 2025: 46). 

Intendiert wird durch diese Art der Aufmerksamkeitslenkung „in erster Linie die simultane Verarbeitung von Form und Bedeutung im Kontext und eine entsprechende Form-Bedeutung-Zuordnung“ (Madlener-Charpentier / Behrens 2022, 59). Dies schließt weiterführende Aktivitäten des Hypothesentestens, der produktiven Sprachverwendung, der bedarfsorientierten Reflexion von Sprache etc. natürlich nicht aus. 

Empirische Studien zeigen, dass nicht alle Inputfluten auch maximal erwerbsförderlich wirken. Dies liegt teilweise am (zu geringen) Umfang, an der (zu geringen) Dauer, an der mangelnden Einbettung in bedeutungsfokussierte Aufgaben etc., es kann aber auch an der internen Struktur der Inputflut liegen. Als erwerbsförderlich für syntaktische Konstruktionen haben sich insbesondere Inputfluten mit sog. Schiefverteilung erwiesen, in denen wenige semantisch zentrale Vertreter einer Konstruktion einen Großteil der Gesamtvorkommen dieser Konstruktion ausmachen; so kommt das Verb geben viel häufiger im Ditransitiv vor als z.B. erzählen oder anbieten. Die zentralen, häufigen Vertreter stellen eine Art mentalen Erwerbsanker für die Konstruktion dar, weitere Vertreter illustrieren ihre Variabilität und Musterhaftigkeit. Die Effekte wurden zuerst in quasi-experimentellen Settings gezeigt, lassen sich aber auch im Klassenzimmer erreichen (Madlener 2015).

Publikationen:

  • Madlener-Charpentier, Karin (im Druck). Beiläufiges Lernen durch Inputfluten. Fremdsprache Deutsch, Heft 72/Sonderheft „Lernaufgaben gestalten. Input strukturieren und anreichern im Kontext von bedeutungsvollem Sprachgebrauch“.
  • Madlener-Charpentier, Karin (2022). Implizites und explizites inzidentelles Lernen aus Inputfluten: Optionen der Aufmerksamkeitslenkung durch Inputstrukturierung. In K. Madlener-Charpentier & G. Pagonis (Hrsg.), Aufmerksamkeitslenkung und Bewusstmachung in der Sprachvermittlung. Kognitive und didaktische Perspektiven auf Deutsch als Erst-, Zweit- und Fremdsprache. Tübingen: Narr Francke Attempto, 69-100. https://www.narr.de/aufmerksamkeitslenkung-und-bewusstmachung-in-der-sprachvermittlung-38687-1/
  • Madlener, Karin (2018). Type and token frequency effects on developing constructional productivity. The case of the German sein + present participle construction. In H.C. Boas & A. Ziem (Hrsg.), Approaching German Syntax from a Constructionist Perspective. Berlin, Boston: De Gruyter Mouton, 327-366. https://doi.org/10.1515/9783110457155-009
  • Madlener, Karin (2016). Input optimization: Effects of type and token frequency manipulations in instructed second language learning. In H. Behrens & S. Pfänder (Hrsg.), Frequency Effects in Language: What Counts in Language Processing, Acquisition and Change. Berlin, Boston: De Gruyter Mouton, 133-173. https://doi.og/10.1515/9783110346916-007
  • Madlener, Karin (2015). Frequency Effects in Instructed Second Language Acquisition. Berlin, Boston: De Gruyter Mouton (Applications of Cognitive Linguistics 29). https://doi.org/10.1515/9783110405538
  • Handwerker, Brigitte & Madlener, Karin (2009). Chunks für Deutsch als Fremdsprache. Theoretischer Hintergrund und Prototyp einer multimedialen Lernumgebung (mit DVD). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren (2. Auflage 2013).