Abschlussarbeiten 2026/2027

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Liebe Studierende,
Sie können zu unten aufgeführten Themen in unserer Abteilung Ihre Bachelor- und Masterarbeit schreiben.
Partizipative Forschung zu Selektivem Mutismus (Teil I)
Selektiver Mutismus ist eine Angsterkrankung, die bislang wenig erforscht wurde und für die entsprechend wenig Behandlungsangebote zur Verfügung stehen. Partizipative Forschung folgt einem kollaborativen Ansatz, bei dem Betroffene, Angehörige und Anwender:innen in den Forschungsprozess einbezogen werden. Zur Vorbereitung einer Therapieevaluationsstudie sollen in diesem Projekt Kinder und Jugendliche mit Selektivem Mutismus, Eltern, ehemals Betroffene sowie Anwender:innen in die Projektplanung über qualitative Forschung und Fokusgruppen hinsichtlich der inhaltlichen und methodischen Gestaltung des Projektes einbezogen werden. Die Ergebnisse sollen systematisch mittels qualitativer Inhaltsanalysen ausgewertet und in der konkreten Projektplanung berücksichtigt werden.
Ansprechpartnerin: Christina.Schwenck@psychol.uni-giessen.de
Partizipative Forschung zu Selektivem Mutismus (Teil II)
Selektiver Mutismus ist eine Angststörung, die bislang wenig bekannt und erforscht ist. Im Rahmen von partizipativer Forschung werden Betroffene und Bezugspersonen aktiv in den Forschungsprozess in die Planung und Durchführung von Studien eingebunden, was dazu führt, die Situation dieser Personengruppen besser zu verstehen, Selbstbestimmung und Empowerment zu fördern und die Forschung an die Bedürfnisse Betroffener anzugleichen. Im Rahmen der Studie sollen Interviews mit drei Personengruppen geführt werden: Eltern von Kindern mit Selektivem Mutismus, Erzieher:innen und Lehrkräfte sowie Therapeut:innen. Diese Interviews sollen systematisch mittels qualitativer Inhaltsanalysen ausgewertet werden.
Ansprechpartnerin: Christina.Schwenck@psychol.uni-giessen.de
Evaluation einer Lernwerkstatt zu Selektivem Mutismus
Selektiver Mutismus ist eine Angststörung, die bislang wenig bekannt und erforscht ist, was auch die psychotherapeutische Versorung von betroffenen Kindern und ihren Familien betrifft. Dementsprechend ist es für Eltern, Bezugspersonen wie Lehrkräfte und Erzieher:innen sowie Therapeut:innen schwierig, adäquate Informationen zum Störungsbild und der Unterstützung von betroffenen Kindern zu bekommen. In einem Onlinetool, das an der JLU Gießen entwickelt wurde und open source zur Verfügung steht, werden grundlegende Informationen zum Störungsbild und der Unterstützung betroffener Kinder im Alltag und der Therapie mittels Texten, Videos und Übungen vermittelt. Im Rahmen einer Begeleitstudie werden Informationen zu Anwender:innen, der Wissensstand vor und nach dem Lerntool sowie die Zufriedenheit mit der Anwendung erfasst. Im Rahmen der Abschlussarbeiten sollen diese Daten ausgewertet werden.
Ansprechpartnerin: Christina.Schwenck@psychol.uni-giessen.de
Mutige Kids
Selektiver Mutismus ist eine psychische Erkrankung, bei der Kinder angstbedingt in bestimmten sozialen Situationen, zum Beispiel der Schule oder der Öffentlichkeit, nicht sprechen können. In anderen Situationen, zum Beispiel zu Hause oder mit den Eltern ist das Sprechverhalten dagegen unbeeinträchtigt. Obwohl der Selektive Mutismus bei mindestens 1% aller Kinder vorkommt, existiert bislang wenig Forschung zu dem
Störungsbild, was sich auch in der klinischen Versorgung dieser Kinder niederschlägt. So gibt es bislang wenige psychotherapeutische Ansätze, die wissenschaftlich evaluiert wurden.
Ein Therapieverfahren, das in ersten Studien sehr gute Erfolge zeigt, ist die Parent-Child-Interaction-Therapy for Selective Mutism (PCIT-SM). Sie kann sowohl im Einzel- als auch Gruppensetting durchgeführt werden. Das Gruppensetting bietet den Vorteil, dass Kinder unmittelbar angeleitet werden können, mit Gleichaltrigen mutig zu sprechen. Darüber hinaus können im Rahmen einer Intensivgruppe, die über einen Zeitraum von zwei Wochen stattfindet, zahlreiche Alltagssituationen geübt werden, und die Kinder erzielen schneller Erfolge.
In unsere Studie Mutige Kids möchten wir eine Intensivgruppe für Kinder mit Selektivem Mutismus wissenschaftlich begleiten und evaluieren. Dazu füllen die Eltern der Kinder im Vorfeld der Intervention sowie danach Fragebögen aus und nehmen an einem klinischen Interview teil.
Ansprechpartnerin: Christina.Schwenck@psychol.uni-giessen.de
Katamneseprojekt – Evaluierung von Verläufen in der teilstationären und stationären Jugendhilfe
Im Rahmen des Katamneseprojekts wird die Entwicklung und der Verlauf von Hilfeprozessen in der teilstationären und stationären Jugendhilfe untersucht. In Vorbereitung auf eine Neukonzeptionierung der Katamnese soll im Rahmen einer Masterarbeit eine systematische Literaturrecherche zu bisherigen Befunden katamnestischer Daten bzgl Jugendhilfemaßnahmen im europäischen Raum erstellt werden.
Ansprechpartnerin: Christina.Schwenck@psychol.uni-giessen.de
Body Sway
Die Body-Sway-Studie untersucht, ob Freezing-Verhalten, das durch ein starkes Angstgefühl ausgelöst wird, eine Rolle bei Kindern mit selektiven Mutismus spielt. Hierzu werden physiologische Maße wie Herzrate, Körperschwankung und Blickbewegungen bei Kindern mit selektivem Mutismus, sozialer Angststörung und typisch entwickelter Kinder in sozialen Situationen mit und ohne Sprachanforderung verglichen. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob Freezing ein entscheidender Mechanismus bei selektivem Mutismus ist und wie sich Kinder mit selektivem Mutismus und sozialer Angststörung hierin gehend unterscheiden, um letztendlich zu einem besseren Verständnis und der Behandlung von SM beitragen zu können.
Ansprechpartnerinnen: Naomi.werkmann@psychol.uni-giessen.de & carolin.roese-werkmann@uni-giessen.de
Wie Eltern und Kinder Angst im Alltag regulieren: Eine EMA-Studie zu Dynamiken und Geschlechtsunterschieden im Kontext sozialer Ängstlichkeit
Die Soziale Angststörung (SAD) ist eine häufige psychische Störung im Kindes- und Jugendalter, die den Alltag stark beeinträchtigen kann. In unserem Projekt untersuchen wir, wie Kinder und Jugendliche mit sozialer Angst ihre Gefühle regulieren. Ein zentraler Bestandteil ist die Erhebung von Daten direkt im Alltag mithilfe von Ecological Momentary Assessment (EMA). So können wir emotionale Prozesse in den Momenten erfassen, in denen sie tatsächlich auftreten. Neben den Kindern beziehen wir auch die Eltern ein, um die Wechselwirkungen innerhalb der Familie besser zu verstehen. Wir untersuchen, wie Eltern mit ihren eigenen Emotionen umgehen und wie sie auf die Gefühle ihrer Kinder reagieren. Dabei steht im Fokus, wie diese elterlichen Reaktionen die Emotionsregulation und Angst der Kinder beeinflussen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, ob sich diese Prozesse geschlechtsspezifisch unterscheiden. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie soziale Angst im Alltag entsteht und aufrechterhalten wird.
Ansprechpartnerinnen: Naomi.werkmann@psychol.uni-giessen.de & carolin.roese-werkmann@uni-giessen.de
Sprachnetzwerke zur elterlichen Meta-Emotions-Philosophie
Die Emotionsentwicklung von Kindern wird maßgeblich durch den familiären Kontext geprägt, insbesondere durch die Art und Weise, wie Eltern über Emotionen sprechen und mit ihnen umgehen. Im Rahmen dieses Projekts wird untersucht, wie sich elterliche Emotionskommunikation strukturell beschreiben lässt. Hierfür werden Daten aus dem Meta-Emotion Interview genutzt und mithilfe innovativer, quantitativer Methoden (Sprachnetzwerke, graph-theoretische Analysen) ausgewertet. Ziel der Studie ist es, sprachliche Muster elterlicher Meta-Emotions-Philosophie zu identifizieren und diese mit etablierten Ratings zu vergleichen.
Ansprechpartnerin: Naomi.werkmann@psychol.uni-giessen.de
Fragebogen zu elterlicher Emotionssozialisation
Eltern spielen eine maßgebliche Rolle in der Entwicklung kindlicher Emotionsregulation. Hier ist vor allem der Umgang mit kindlichen Emotionen relevant, aber auch die elterlichen Einstellungen und Gedanken zu Emotionen spielen eine Rolle, da diese das konkrete Verhalten maßgeblich beeinflussen. Dennoch gibt es kein validiertes umfängliches Verfahren, um diese Einstellungen und Verhaltensweisen zu messen. Ziel der Studie soll es sein, einen Fragebogen zur Messung elterlicher Meta-Emotions-Philosophie & Emotionssozialisation zu etablieren.
Ansprechpartnerinnen: Naomi.werkmann@psychol.uni-giessen.de
BRAVE
Im Rahmen unserer Studie „BRAVE“ wollen wir herausfinden, ob sich die unterschiedlichen Komponenten der behavioralen Inhibition (soziale und nicht soziale Verhaltenshemmung) unterschiedlich auf die Entwicklung des selektiven Mutismus sowie die soziale Angststörung auswirken. Eine Verhaltenshemmung zeigt sich darin, dass die Kinder sich an fremden Orten bzw. in unbekannten Situationen (nicht soziale Komponente) oder auch gegenüber fremden Personen (soziale Komponente) zurückziehen bzw. dies vermeiden. In der aktuellen Studie untersuchen wir Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren längsschnittlich, sodass es für jedes Kind drei Erhebungszeitpunkte gibt. Die Sorgeberechtigten des Kindes füllen verschiedene Fragebögen zum Kind als auch der familiären Situation aus. An zwei unterschiedlichen Terminen nehmen das Kind und dessen Begleitperson an verschiedenen Aufgaben teil, die das Verhalten des Kindes in unbekannten Situationen untersuchen. Hierzu werden neben Verhaltensdaten auch physiologische Daten erhoben, um einen tieferen Einblick in die Wirkmechanismen der behavioralen Inhibition zu bekommen.
Ansprechpartnerinnen: antonia.m.buchal
InSel
Im Rahmen der Studie „InSel“ wird untersucht, inwiefern Lehrkräfte in der Lage sind, internalisierende Symptome bei Schüler:innen zu erkennen. Internalisierende Symptome, wie sozialer Rückzug oder Gefühle von Trauer und Angst, bleiben bei Kindern häufig unentdeckt. Das Erkennen solcher Anzeichen ist jedoch wichtig, um betroffene Kinder frühzeitig einer geeigneten Abklärung und Unterstützung zuführen zu können.
Kinder sind häufig noch nicht in der Lage, Symptome wie Traurigkeit oder Schlaflosigkeit auf psychische Probleme zurückzuführen. Sie sind daher darauf angewiesen, dass Bezugspersonen erkennen, ob internalisierende Symptome vorliegen und ob diese weiterer Abklärung bedürfen. Lehrkräften kommt dabei eine besondere Rolle zu, da sich entsprechende Auffälligkeiten teilweise ausschließlich im schulischen Kontext zeigen und sie durch den täglichen Kontakt mit vielen Kindern derselben Altersgruppe über Vergleichsmöglichkeiten verfügen, um Verhaltensabweichungen einzuordnen.
Ziel der Studie ist es daher, zu untersuchen, inwiefern das Lehrer:innenurteil zusätzlich zum Selbsturteil der Kinder und zum Elternurteil zur Erkennung internalisierender Auffälligkeiten beiträgt und von welchen Merkmalen (z. B. Schul- oder Klassengröße) das Urteil der Lehrkräfte beeinflusst wird. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Homepage: https://www.projekt-insel.de/de
Ansprechpartnerin: Megan.Williams
SMASS - Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Selektiven Mutismus und Autismus-Spektrum-Störung -
In unserer Studie untersuchen wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von zwei psychischen Erkrankungen: von Selektivem Mutismus (SM) und der Autismus-Spektrum-Störung (ASS). ASS ist durch Besonderheiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie repetetive und stereotype Verhaltensweisen gekennzeichnet. Auch Kinder mit SM zeigen in bestimmten sozialen Situationen Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation, z.B. verminderten Blickkontakt, ausbleibende Reaktion auf Ansprache oder reduzierte Mimik und Gestik und somit Symptome, die deckungsgleich mit einigen von Kindern mit ASD sind. Allerdings zeigen Kinder mit SM diese Symptome situationsspezifisch, während Kinder mit ASS die Symptome situationsübergreifend zeigen. Problematisch ist hierbei, dass Kinder mit SM diese Symptome in fremden Situationen und in Interaktion mit fremden Personen zeigen, also z.B. auch während der Diagnostik bei Psychotherapeuth:innen und Ärzt:innen, was zu Fehldiagnosen führen kann, wenn nicht gleichzeitig auch der häuslicher Kontext berücksichtigt wird. Deshalb hat die SMASS Studie zum Ziel, für ASS typische Symptome bei Kindern mit SM und ASS im vertrauten und fremden Kontext zu untersuchen. Besonders wichtig sind Erkenntnisse unserer Studie für die Diagnostik aber auch, wenn es darum geht, die betroffenen Kinder bestmöglich therapeutisch zu unterstützen.
Ansprechpartnerin: Alexandra.Ntiso@psychol.uni-giessen.de
Neurobee
Im Rahmen des Projekts wird ein spielbasiertes, KI-gestütztes Screeningverfahren entwickelt, das die Differenzialdiagnose zwischen Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und Selektivem Mutismus (SM) im Kindesalter verbessern soll. Aktuell kommt es in der Praxis häufig zu diagnostischen Überschneidungen und Fehleinschätzungen, da sich beide Störungsbilder in bestimmten sozialen und kommunikativen Verhaltensweisen ähnlich äußern können.
Ziel des Projekts ist es, typische Verhaltens- und Reaktionsmuster beider Störungsbilder in einem standardisierten, kindgerechten Computerspiel zu erfassen und automatisiert auszuwerten. Dabei werden während der Durchführung relevante Verhaltensdaten wie Mimik, Stimme und Blickverhalten erhoben und mittels KI analysiert, um eine objektivere diagnostische Einschätzung zu ermöglichen.
Ansprechpartnerin: Alexandra.Ntiso@psychol.uni-giessen.de
Selektiver Mutismus im Jugendalter
In diesem Forschungsvorhaben sollen Symptome von selektivem Mutismus im Jugendalter erfasst werden. Darüber hinaus geht es um das Selbsterleben der Symptomatik durch die Jugendlichen, Einfluss auf das Bewältigen verschiedener Entwicklungsaufgaben sowie aufrechterhaltende Faktoren. Dafür werden Jugendliche mit selektivem Mutismus mithilfe quantitativer und qualitativer Erhebungsmethoden befragt.
Weiterhin soll die Frankfurter Skala zur Beurteilung des Selektiven Mutismus (FSSM) um ein Selbstbeurteilungsfragebogen für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren erweitert und evaluiert werden.
Ansprechpartnerin: kathrin.schneider-1
Selektiver Mutismus und oppositionelles Verhalten
Immer wieder wird im Kontext von Selektivem Mutismus auch von einer erhöhten Rate an Symptomen von oppositionellem Verhalten berichtet. In dieser qualitativen Studie möchten wir von Eltern und Erzieher:innen/Lehrkräften wissen, in welchem Ausmaß und welche Art von oppositionellen Verhaltensweisen Kindern mit SM zeigen. Darüber hinaus geht es darum zu verstehen, was diese Verhaltensweisen auslöst, beispielsweise angstbedingtes Vermeidungsverhalten, Rigidität oder andere Auslöser. In einer online-basierten Studie sollen Eltern und Erzieher:innen/Lehrkräfte mittels Fragebogen und offenen Fragen zu diesen Verhaltensweisen befragt werden.
Ansprechpartnerin:
Retrospektive Wahrnehmung selektiv mutistischer Symptomatik ehemals Betroffener
In dieser Studie sollen ehemals und aktuell betroffene Erwachsene zu der von ihnen wahrgenommenen Symptomatik von Selektivem Mutismus befragt werden. Ziel ist es zu verstehen, wie Erwachsene rückblickend die Symptome und hilfreiche und hinderliche Verhaltensweisen ihres sozialen Umfeldes auf die Symptomatik wahrnehmen. Darüber hinaus möchten wir verstehen, ob sich die Personen heute noch durch SM oder andere Symptome beeinträchtigt fühlen oder was zu einer Verbesserung geführt hat. Die Studie setzt Fragebogenverfahren und offene Fragen ein, letztere sollen mit einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet werden.
Ansprechpartnerin:
Stand: 23.04.2026