Mehr als nur Fakten: Was ich im Modul Nachhaltigkeitskommunikation gelernt habe
31.08.2026: Klimawandel, Ernährungssicherheit oder der Einsatz nachwachsender Rohstoffe – nachhaltige Lösungen werden intensiv erforscht. Doch was nützen die besten Ideen, wenn sie nicht verstanden werden? Genau dieser Frage widmet sich das Modul BK 55 Nachhaltigkeitskommunikation von Frau Prof. Dr. Jasmin Godemann, Kommunikation und Beratung in den Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaften und zeigt, dass Kommunikation weit mehr ist als die Vermittlung von Informationen.
Niklas Welsch
September 2026
Als ich den Bachelorstudiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioressourcen begann, erwartete ich vor allem naturwissenschaftliche Inhalte: Pflanzen, Biomasse, Stoffkreisläufe und nachhaltige Produktionssysteme. Kommunikation gehörte für mich zunächst nicht zu den Themen, die ich mit meinem Studium verband. Umso überraschter war ich, als ich mit dem Bachelor-Modul BK 55 Nachhaltigkeitskommunikation zum ersten Mal ein Seminar belegte, das sich nicht mit Laborwerten oder Versuchsergebnissen beschäftigte, sondern mit der Frage, wie Nachhaltigkeit überhaupt kommuniziert wird.
Nachhaltigkeit ist auch eine Kommunikationsaufgabe
Ob Landwirtschaft, Ernährung oder Bioökonomie – kaum ein Themenfeld wird heute so intensiv öffentlich diskutiert wie Nachhaltigkeit. Wissenschaftliche Erkenntnisse treffen auf persönliche Überzeugungen, wirtschaftliche Interessen und gesellschaftliche Erwartungen. Dabei reicht es nicht aus, gute Lösungen zu entwickeln. Sie müssen verständlich erklärt, glaubwürdig vermittelt und gemeinsam diskutiert werden.
Genau hier setzte das Modul an. Statt ausschließlich über Nachhaltigkeit zu sprechen, beschäftigten wir uns damit, wie Nachhaltigkeit kommuniziert wird und welche Rolle Sprache, Bilder und Medien dabei spielen. Schnell wurde deutlich, dass Kommunikation unsere Wahrnehmung von Themen stärker prägt, als man zunächst vermutet.
Ein Perspektivwechsel im Studium
Im Vergleich zu vielen naturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen war das Seminar ungewöhnlich aufgebaut. Es gab keine klassische Klausur und kein Auswendiglernen von Fachwissen. Stattdessen standen Diskussionen, Gruppenarbeiten und die gemeinsame Reflexion aktueller Fragestellungen im Mittelpunkt.
Gerade dieser offene Austausch machte das Modul besonders. Unterschiedliche Sichtweisen waren ausdrücklich erwünscht, und viele Fragestellungen ließen sich nicht mit einem eindeutigen „richtig“ oder „falsch“ beantworten. Für mich war das zunächst ungewohnt – gleichzeitig aber eine bereichernde Erfahrung.
Ich habe gelernt, Argumente nicht nur anhand wissenschaftlicher Fakten zu bewerten, sondern auch zu hinterfragen, wie Botschaften entstehen, welche Zielgruppen sie ansprechen und welche Wirkung sie entfalten können.
Von der Theorie zur eigenen Kampagne
Ein besonderer Bestandteil des Moduls war die Prüfungsleistung. Anstatt eine klassische Klausur zu schreiben, entwickelten wir in Gruppen eine eigene Kommunikationskampagne. Ziel war es, ein gesellschaftlich relevantes Nachhaltigkeitsthema kommunikativ aufzubereiten – von der Analyse des Problems über die Definition einer Zielgruppe bis hin zur Entwicklung einer Kommunikationsstrategie und konkreter Maßnahmen.
Unsere Gruppe entschied sich für das Thema Insektenschutz im Kontext des Klimawandels. Dabei wurde schnell deutlich, dass erfolgreiche Nachhaltigkeitskommunikation weit mehr bedeutet als Informationen bereitzustellen. Entscheidend ist vielmehr, die Zielgruppe zu verstehen: Welche Bedürfnisse, Werte und Gewohnheiten hat sie? Über welche Kanäle lässt sie sich erreichen? Und wie kann eine Botschaft so vermittelt werden, dass sie nicht nur informiert, sondern auch zum Handeln motiviert?
Besonders spannend war für mich die Verbindung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und kreativer Projektarbeit. Das Seminar zeigte, dass gute Kommunikation nicht zufällig entsteht, sondern das Ergebnis einer fundierten Analyse, klarer Zielsetzungen und strategischer Planung ist.
Kommunikation begegnet uns jeden Tag
Besonders überrascht hat mich die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeitskommunikation längst Teil unseres Alltags ist. Sie begegnet uns auf Lebensmittelverpackungen, in Werbekampagnen, in den sozialen Medien oder in politischen Debatten. Häufig nehmen wir diese Botschaften ganz selbstverständlich wahr, ohne bewusst darüber nachzudenken.
Durch das Seminar hat sich mein Blick darauf verändert. Ich achte heute stärker darauf, welche Werte vermittelt werden, welche Aspekte hervorgehoben werden und welche möglicherweise im Hintergrund bleiben. Kommunikation erscheint mir nicht mehr als bloße Informationsvermittlung, sondern als ein Prozess, der beeinflusst, wie wir Themen verstehen und bewerten.
Was bleibt?
Als Absolvent des Bachelorstudiengangs Agrarwissenschaften hatte ich zu Beginn nicht erwartet, dass ein Kommunikationsmodul meinen Blick auf mein eigenes Fachgebiet so erweitern würde. Rückblickend gehört Nachhaltigkeitskommunikation für mich zu den Lehrveranstaltungen, die gezeigt haben, wie eng Naturwissenschaft und Gesellschaft miteinander verbunden sind.
Heute sehe ich Nachhaltigkeit nicht mehr nur als naturwissenschaftliche Herausforderung. Sie ist ebenso eine kommunikative Aufgabe. Neue Ideen und Forschungsergebnisse können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie verständlich erklärt, glaubwürdig vermittelt und an den Lebensalltag der Menschen anknüpfen.
Genau diese Verbindung aus Naturwissenschaft und Kommunikation hat das Modul für mich greifbar gemacht – und sie wird mich auch in meinem weiteren Studium begleiten.
Über den Autor
Niklas Welsch studiert den Bachelorstudiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioressourcen an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zuvor absolvierte er den Bachelorstudiengang Agrarwissenschaften. Der Beitrag entstand im Rahmen des Moduls BK 55 Nachhaltigkeitskommunikation von Frau Prof. Dr. Jasmin Godemann.