Forschungsworkshop: Wie weiter forschen? Bedingungen transnationaler und intersektionaler Herrschaftskritik in Zeiten autoritärer Dynamiken
Wie kann angesichts von autoritären gesellschaftlichen und politischen Dynamiken herrschaftskritische und intersektionale Wissenschaftspraxis gesichert werden? Dieser Frage geht ein Forschungsworkshop nach, den die Sektion Transnationale und intersektionale Herrschaftskritik gemeinsam mit der Sektion Politik und Geschlecht der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft am 10.-11. Dezember 2026 an der Universität Gießen ausrichtet. Der Workshop dient der Verständigung über Aufgaben, Bedingungen, Chancen und Herausforderungen intersektionaler und herrschaftskritischer Wissensproduktion im Kontext autoritärer Dynamiken.
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10.-11.12.2026, Justus-Liebig-Universität Gießen
eine gemeinsame Veranstaltung der Sektion »Transnationale und intersektionale Herrschaftskritik« des GGS und der Sektion Politik und Geschlecht der Deutschen Vereinigung für PolitikwissenschaftVor dem Hintergrund von weltweit beobachtbaren autoritären gesellschaftlichen und politischen Dynamiken gerät herrschaftskritische Wissenschaft auch in Deutschland zunehmend unter Druck: Öffentlich stellen Parteien und Verbände die Wissenschaftlichkeit und das Erkenntnisinteresse von Gender Studies, Holocaustforschung, Rassismusanalyse und Klimafolgenanalyse infrage. Einzelne Forschende sehen sich Angriffen ausgesetzt. Bundesministerien erstellen Listen herrschaftskritischer Wissenschaftler*innen und Bundesländer machen antifeministische Ressentiments durch Sprachgebote zu Gesetzen. Gleichzeitig ist eine De-Institutionalisierung der Geschlechterforschung zu beobachten: Förderlinien werden eingestellt, Studiengänge abgewickelt, Denominationen umgewidmet.
Vielfach beziehen Wissenschaftler*innen und Einrichtungen öffentlich Stellung, analysieren diese Entwicklungen und entwickeln Strategien, wie angesichts dieser Diskursverschiebungen und Entkernung der Infrastruktur herrschaftskritische und intersektionale Wissenschaftspraxis weiter gesichert werden können. Der zweitägige Forschungsworkshop setzt hier an. Er verfolgt das Ziel einer Verständigung über Aufgaben, Bedingungen, Chancen und Herausforderungen intersektionaler und herrschaftskritischer Wissensproduktion im Kontext autoritärer Dynamiken. Im Fokus stehen damit die Produktionsbedingungen von herrschaftskritischer Wissenschaft angesichts beobachtbarer sozialer und politischer Verschiebungen. Wir wollen die gegenwärtigen Prozesse einordnen, Umgangs- und Widerstandsstrategien entwickeln und Vernetzung etablieren. Reflexion und Analyse wie auch Bericht über (produktive und gescheiterte) Umgangsweisen sind zum gemeinsamen Austausch eingeladen.
Eingeladen sind theoretische, empirische oder erfahrungsbasiert-praktische Beiträge z.B. zu den folgenden Fragestellungen:
- Welche intersektionalen Auswirkungen auf die Möglichkeiten und Bedingungen herrschaftskritischer Forschung lassen sich in autoritären Dynamiken erkennen?
- Was bedeuten kritische Wissenschaft und „scholar activism“ unter Bedingungen einer zunehmenden rechten Bedrohung gegen marginalisierte Communitys und emanzipatorische soziale Bewegungen?
- Wo kann eine herrschaftskritische Wissenschaft ansetzen, die Widersprüche und Probleme der beobachtbaren Entwicklungen sichtbar macht?
- Wie kann sie sich zu Einschränkungen, Angriffen und der De-Institutionalisierung von Forschungsinfrastrukturen verhalten? Wie können diese Infrastrukturen (präventiv und interventiv) abgesichert werden?
- Welchen Erkenntnisgewinn erbringt eine intersektionale Analyseperspektive auf die beschriebenen Phänomene und ihre Auswirkungen?
- Welche Bezugspunkte und Allianzen, aber auch Barrieren und Lücken zeigen sich im Bezug auf eine ‚Freiheit der Wissenschaft‘ im Vergleich zu Analysen einer ‚autoritären Wende‘?
Ergebnisse können vorläufig sein und in Form von Thesen eingebracht werden. Vorgesehen sind Einzelvorträge von ca. 20 Min. mit anschließender Diskussion. Geplant ist eine anschließende gemeinsame Forschungspublikation. Der Forschungsworkshop ist als solidarisch-kritischer kollegialer Austausch- und Diskussionsraum angelegt. Wir ermutigen insbesondere Wissenschaftler*innen in Qualifikationsphasen zu einer aktiven Beteiligung am Forschungsworkshop.
Wir bitten um Einreichungen im Umfang von maximal einer Textseite bis 23.8.2026 per Mail an tarek.shukrallah@sowi.uni-giessen.de, marie.reusch-kypke@sowi.uni-giessen.de und folke.brodersen@uni-giessen.de.
Veranstaltet wird der Workshop von der Sektion Transnationale und Intersektionale Herrschaftskritik (TIHK) des Gießener Graduiertenzentrums Sozial-, Wirtschafts-, und Rechtswissenschaften (GGS) und der Sektion Politik und Geschlecht der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW).
Organisationsteam: Tarek Shukrallah (Universität Gießen, Mitglied im Leitungsteam der Sektion TIHK/Mitglied im Sprecher*innenrat der Sektion Politik und Geschlecht der DVPW), Dr*in Folke Brodersen (Universität Gießen, Center for Diversity, Media and Law), Dr. Marie Reusch (Universität Marburg, Mitglied im Leitungsteam der Sektion TIHK/Mitglied im Sprecher*innenrat der Sektion Politik und Geschlecht der DVPW)