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Lisa Yashodhara Haller, 2018 : Elternschaft im Kapitalismus - Staatliche Einflussfaktoren auf die Arbeitsteilung junger Eltern. Aus der Reihe Politik der Geschlechterverhältnisse. Frankfurt am Main/New York: Campus

Die empirische Studie fragt, welche strukturierende Bedeutung staatliche Steuerungsinstrumente für den Vermittlungszusammenhang zwischen Fürsorge und Geschlecht im Anschluss an die Familiengründung zukommt. Voraussetzend, dass Geschlechterdifferenzierungen maßgeblich auf der Ebene der Paarbeziehung und ihrer Arbeitsteilung entstehen, jedoch in rechtliche Rahmenbedingungen eingebettet sind, erfolgt die Untersuchung auf mehreren Ebenen. Die Analyse der Gesetzesänderung bringt Aufschlüsse über die Berechtigungsmodalitäten und damit über die gewünschte Steuerungswirkung auf das Verhalten der jungen Eltern. Mit Hilfe von angeleiteten Paardiskussionen wird diese Steuerungsabsicht anschließend mit den Deutungen der Eltern kontrastiert. Anschaulich werden dadurch die widersprüchlichen Anforderungen, welche innerhalb einer wertförmigen Wirtschaft an Eltern gerichtet werden, ebenso wie deren Bewältigung in Rückgriff auf eine geschlechterdifferenzierende Arbeitsteilung. Da es den untersuchten Eltern individuell nicht möglich ist, die strukturellen Widersprüche einer wertförmig organisierten Wirtschaft aufzulösen, wird die Paarbeziehung zur Arena von Umdeutungen, durch welche eine Anpassung an die geschlechtlichen Anforderungen des Arbeitsmarktes gelingt. Der von der neuen Familienpolitik ausgehenden Aufforderung zur Eigenverantwortlichkeit kommen die Elternpaare in der Weise nach, dass sie ein Arrangement mit den sozialen Verhältnissen als eigene Wahl umdeuten und materielle Notwendigkeiten als eine selbstbestimmte Entscheidung anpreisen. Insofern verarbeiten sie die Unvereinbarkeit der an sie gerichteten Anforderungen durch eine Fügung in die Strukturen. Diese proklamieren sie als „freie Entscheidung“ und kommen so der steuerungspolitischen Aufforderung zur eigenverantwortlichen Inszenierung eines aktiven Selbst nach. Diese Form der Widerspruchsbewältigung ist deshalb problematisch, weil sie die alltäglichen Konflikte nicht auf die Verhältnisse zurückführt und damit deren Veränderung verhindert. Das Buch sei all jenen ans Herz gelegt, die sich für die Vermittlungszusammenhänge zwischen einer kapitalistischen Wirtschaft, deren staatlicher Regulierung und der Konstitution von Geschlecht im Anschluss an die Familiengründung interessieren. Hier abrufbar »