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Rückblick auf das AI Summer Camp 2026
Hier finden Sie einen Rückblick auf die verschiedenen Veranstaltungen die im Rahmen des AI Summer Camp an der Justus-Liebeig-Universität stattgefunden haben
Innovationscampus bei KI@JLU (AI Summer Camp 2026)
Wie kann Künstliche Intelligenz die Lehre und Forschung an der JLU verändern – und welche innovativen Ansätze gibt es bereits heute? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die Auftaktveranstaltung des AI Summer Camp 2026: KI@JLU, bei der der Innovationscampus am 15. September 2026 mit dabei war. Das vom ZAD und der Servicestelle Hochschuldidaktik organisierte Event brachte interessierte Lehrende aus allen Fachbereichen zusammen, um sich über aktuelle Trends, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven rund um Künstliche Intelligenz in Lehre und Forschung an der JLU zu informieren und auszutauschen.
Das HRZ gab in mehreren Beiträgen – darunter eine Keynote von Prof. Eberhard Kurz – spannende Einblicke in die neuesten Funktionen des JLU KI Chat, beispielsweise die Einbindung von RAG, und stellte seine Pläne für die nähere Zukunft vor. Das BfD präsentierte eine nach Lehre, Forschung und zentralen Diensten gegliederte KI-Landkarte der JLU. Der Innovationscampus steuerte hierzu unter anderem Daten zu bestehenden Lehrprojekten mit KI-Bezug bei. Wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von KI an der JLU bereits sind, zeigten die anschließenden Use Cases: von Chatbots als Lernbegleiter (Elmar Schlüter, Soziologie, FB03; Hélène Martinez, Romanistik, FB05) über VR-Anwendungen zur Simulation veterinärmedizinischer Operationen (Antonia Giebel, Skills Lab PETS, FB10) bis hin zu KI-generierten Podcasts zum Thema AI Literacy (Frank Waldschmidt-Dietz, UB) und Tools zur KI-gestützten Übersetzung von Vorlesungsaufzeichnungen sowie zur Erstellung von Lehrvideos (Sebastian Busse, MA Data Analytics, FB07).
Beim abschließenden GalleryWalk bot sich den Teilnehmenden die Gelegenheit, mit den Referierenden und zentralen KI-Ansprechpersonen der JLU ins Gespräch zu kommen, Fragen zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen. Auch die Werkstatt Studienstrukturentwicklung war mit einem eigenen Poster vertreten und nutzte die Gelegenheit, ihre Expertise im Bereich KI-gestützter Lehrinnovationen sichtbar zu machen und auf ihre Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen.
Wenn Innovation zur Gesellschaftsfrage wird: Ranga Yogeshwar zu Gast beim AI Summer Camp der JLU?
Voller Saal, große Fragen: Am Abend des 15. September eröffnete Ranga Yogeshwar, der bekannte Wissenschaftsjournalist, das AI Summer Camp der JLU mit einem öffentlichen Vortrag zum Thema Wie verändert Innovation unsere Gesellschaft? Er nahm das Publikum mit auf eine Reise durch Chancen, Risiken und blinde Flecken der Künstlichen Intelligenz.
Ein zentraler Punkt seines Vortrags war die Fähigkeit von KI, sich selbst weiterzuentwickeln, indem sie fortlaufend aus den eigenen Ergebnissen lernt. Für dieses Tempo gibt es in der Technikgeschichte bislang kein Vorbild. Wie unausgereift die Systeme dabei noch sind, zeigte Yogeshwar an einem anschaulichen Beispiel: Selbst nach dem Training mit riesigen Bildmengen kann KI eine Kuh in ungewohnter Umgebung nicht zuverlässig erkennen. Trotzdem gab er sich erstaunlich gelassen, was mögliche Zukunftsszenarien angeht. Die größere Gefahr sieht er eher im unbedachten menschlichen Umgang mit der Technologie als in der KI selbst.Sein zentrales Anliegen war die Haftung. Statt auf Moral zu setzen, plädierte er für eine unabhängige Kontrollinstanz für KI-Systeme, angelehnt an bewährte Zulassungsverfahren aus anderen sicherheitskritischen Bereichen. In der anschließenden Diskussion mit Prof. Jana Gamper, Prof. Christian Heiliger und Prof. Eberhard Kurz ging es um die großen kulturellen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte und die Frage, was das für die Bildung von morgen bedeutet. Welches Wissen brauchen wir noch, welche Kompetenzen werden wichtiger?
Künstliche Intelligenz und echtes Leben: Was bleibt dem Menschen?
Was wollen wir als Menschen und als Gesellschaft, wenn Künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben für uns übernimmt? Dieser Frage widmete sich der Philosoph und Zukunftsforscher Christian Uhle am 22. September 2026 in seiner Keynote „Künstliche Intelligenz und echtes Leben“ im Rahmen des AI Summer Camps 2026. Mit pointierten Thesen und anschaulichen Beispielen – von Kuscheltieren mit KI-Interface über einen Spaghetti essenden Will Smith bis hin zur Erosion sogenannter Bullshit Jobs – zeichnete Uhle ein eindrucksvolles Panorama der Veränderungen, die KI in Beruf, Gesellschaft und Wissenschaft anstößt. Eine zentrale These: Menschen werden künftig weniger ausführen und mehr orchestrieren. Ganze Berufsfelder wie Mathematik, Informatik, Übersetzungswissenschaften und Jura stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Doch was machen wir mit der gewonnenen Zeit? Mehr arbeiten, bessere Produkte und Dienstleistungen entwickeln, weniger arbeiten oder soziale Beziehungen mehr pflegen? Und bei welchen Aufgaben wünschen wir uns überhaupt, dass KI den Menschen ersetzt? Im anschließenden Gespräch mit Moderator Dr. Joss von Hadeln vom ZAD rückte das Thema Bildung in den Mittelpunkt. Wie können Hochschulen junge Menschen auf eine Arbeitswelt vorbereiten, in der Beurteilungsvermögen für einen kompetenten Umgang mit KI immer wichtiger wird? Uhle plädierte dafür, Future Skills früher und gezielter zu fördern – mit modularen statt ausschließlich linearen Lernpfaden. Hier möchte der Innovationscampus als Plattform für Austausch, Erprobung und Innovation ansetzen, um Lehrende der JLU dabei zu unterstützen, die Transformation aktiv zu gestalten und Menschen auf eine Zukunft mit KI vorzubereiten.
Eine neue Prüfungskultur, ein Aufruf zum Ausprobieren
Generative KI verändert, wie Studierende arbeiten und lernen, und stellt damit auch die Frage nach fairen Prüfungen neu. Genau darum ging es im Workshop Auf dem Weg zu einer neuen Prüfungskultur in einer Welt mit generativer KI mit Dr. Patricia Wohner von Hanke Teachertraining beim AI Summer Camp der JLU. Statt fertiger Antworten gab es viel Raum für Diskussion. Eine Frage stand dabei im Zentrum: Welche Kompetenzen möchte ich mit meiner Veranstaltung überhaupt vermitteln und prüfen? Eine einfache Frage ist das nicht, denn wie sich Berufe und die dafür nötigen Kompetenzen durch KI verändern, wissen wir als Hochschule heute schlicht noch nicht. Umso wichtiger ist es, jetzt auszuprobieren, was funktioniert.
Auch die Sorge vor Täuschung durch KI war ein zentrales Thema im Workshop. Eine klare Erkenntnis war dabei: Wirklich sicher sind am Ende nur Prüfungsformate, die entweder beaufsichtigt sind oder KI von vornherein einbeziehen. Die eine Lösung gibt es nicht, nur den Aufruf, es für die eigene Lehre auszuprobieren, weg vom fertigen Produkt, hin zum Prozess.
Genau diesen Aufruf zum Ausprobieren setzen wir im Innovationscampus JLU um, ganz im Sinne von fail fast, fail often. Wir schaffen für interessierte Lehrende Räume, um auch neue Prüfungsformate in unseren Werkstätten auszuprobieren
Was sind mir meine Daten wert? - KI-Nutzung im rechtlichen Check
„Wir zahlen mit Daten.“ Mit dieser zentralen These eröffneten die Rechtsanwältinnen Dr. Sophie Garling und Yvonne Roßmann ihre Keynote „Was sind mir meine Daten wert?“ am letzten Veranstaltungstag des AI Summer Camps 2026. Auf eingängige Weise machten sie deutlich, welchen Wert persönliche Daten im digitalen Alltag haben – und was wir mit ihnen bezahlen, wenn wir digitale Angebote nutzen. Ein virtueller Kassenbon diente dabei als anschauliches Bild für den oft unsichtbaren „Preis“ unserer Datennutzung. Im Mittelpunkt stand insbesondere die Frage, was bei der Eingabe von Informationen in KI-Systeme zu beachten ist. Dabei unterschieden Garling und Roßmann zwischen eigenen Daten und den Daten Dritter. Praxisnahe Beispiele wie die Eingabe eines eigenen Arztbriefs, einer Hausarbeit eines Studierenden oder des Manuskripts einer Kollegin verdeutlichten, dass neben dem Datenschutz auch urheberrechtliche Aspekte berücksichtigt werden müssen. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass das Thema nicht nur Lehrende und Studierende beschäftigt: Auch interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Gießen beteiligten sich rege an der Diskussion über den Wert unserer Daten und den verantwortungsvollen Umgang mit KI. Datenschutzrechtliche Fragen spielen auch in der täglichen Arbeit des Innovationscampus eine zentrale Rolle, z.B. in den Pilotprojekten zu innovativen Lehrformaten, die wir zusammen mit Lehrenden gestalten.
Im Anschluss an die Keynote fand ein gemeinsamer Workshop zum Thema: Wem gehört der Code? Rechtliche Fragen zwischen KI und Innovation
Wem gehört der Code? Rechtliche Fragen zwischen KI und Innovation
Wer forscht und dabei KI zur Codeentwicklung nutzt, stößt schnell auf die Frage: Wem gehört das Ergebnis eigentlich? Genau darum ging es im Workshop Forschung → KI → Innovation. Rechtliche Einschätzung rund um das Coding mit Dr. Sophie Garling und Yvonne Roßmann von der Kanzlei Jun Legal GmbH beim AI Summer Camp der JLU.
Anhand eines Fallbeispiels näherten sich die Teilnehmenden dem Begriff der Urheberschaft im Zusammenhang mit KI. Nach heutiger Rechtsprechung kann KI allein nicht als Urheber gelten, da nach § 2 Abs. 2 UrhG nur persönliche geistige Schöpfungen von Menschen urheberrechtlich geschützt sind. Wie viel die KI selbst beigetragen hat und wie viel vom Menschen kam, ist deshalb genau die Frage, an der sich entscheidet, wer rechtlich als Urheber gilt.
Ein kleiner Tipp aus dem Workshop für alle, die selbst mit KI arbeiten: Im Streitfall zählt die Beweislage. Der Prompt kann später ein wichtiges Beweisstück sein, ebenso der Chatverlauf, der idealerweise von Zeit zu Zeit mit Zeitstempeln gesichert werden sollte. Auch Zeuginnen oder Zeugen spielen eine Rolle, weshalb es sich lohnt, die eigene Idee schon während der Entwicklung mit anderen zu teilen. Eine sorgfältige Dokumentation, von eigenen Änderungen bis zum Gesprächsverlauf mit der KI, sollte sich daher als roter Faden durch die gesamte Codeentwicklung ziehen.