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Tagung „Graphic Novels im Deutschunterricht“

Termin: 30. Januar 2020, 9:00 - 18:00 Uhr

Tagungsort: In der Universität Gießen (genauer Ort wird noch bekannt gegeben)

Veranstalter: JLU Gießen, Institut für Germanistik (Prof. Dr. Thomas Möbius, OStR'in Nina Hainmüller)


„Romane in Comicform“, „Graphic Novels“, „Autorencomics“ zahlreiche Etiketten beschreiben eine Litera­tur­form, die seit einigen Jahren boomt und die in Literaturwissenschaft und -didaktik zwar zunehmend Beachtung findet, jedoch als Unterrichtsgegenstand im Fach Deutsch eher fragmentarisch und wenig systematisch untersucht erscheint. Anders ist dies im angloamerikanischen Sprachraum, hier sind Comics seit langem selbstverständlicher Teil des Literaturunterrichts und auf breiter Basis didaktisch ausgewertet.

Dass die Gattung in Deutschland deutlich weniger erforscht ist und kaum in der alltäglichen Schulpraxis eingesetzt wird, liegt nicht nur an der gesellschaftlich tendenziell abwertenden Sicht auf Comics, sondern auch an der Eigentümlichkeit der Rezeption von Schrift-Bild-Mischformen, die überdies schwer in traditionelle Fach­ka­tegorien einzuordnen sind. Ein Grund für das Zögern vieler Lehrkräfte ist möglicherweise auch das der Graphic Novel anhaftende Vorurteil, dass es sich um minderwertige Literatur handle, die bestenfalls zum privaten Leseeskapismus Jugendlicher zählt.

Dabei sind viele „Graphische Romane“ alles andere als minderwertig oder trivial: Angefangen von den berühmten Arbeiten Will Eisners über die preisgekrönte Auschwitzgeschichte „Maus“ bis hin zu den mittlerweile zahlreichen Genre-Ausprägungen der Gattung in der Gegenwart muss man konstatieren, dass Themen und Gestaltungsformen der „Bildergeschichten“ äußerst vielseitig sind und vor allem (junge) Erwachsene ansprechen. Dies macht sie nicht nur zu einem ernst zu nehmenden Bestandteil der Gegenwarts­lite­ratur, sondern auch zu einem wertvollen Instrument, wenn schulischerseits über wirkungsvolle Methoden der Leseförderung und der Lesemotivation, aber auch über die Vermittlung von Analysekompetenz hochkomplexer und anspruchsvoller literarischer Bild-Text-Gefüge nachgedacht wird.

Die Tagung „Comics und Graphic Novels im Deutschunterricht“ verfolgt daher zwei Ziele: Zum einen will sie die vielfältigen Erscheinungsformen der „Bildergeschichten“ literaturwissenschaftlich vorstellen. Neben einer allgemeinen Einführung, für die der bekannte Comic-Forscher Prof. Dr. Bernd Dolle-Weinkauff gewonnen werden konnte, wird der Blick vor allem auf ausgewählte Genres wie zum Beispiel autobiographische Graphic Novels oder Literaturadaptionen gerichtet sein. Im zweiten Teil der Tagung sollen vor allem ver­mitt­lungsbezogene Gesichtspunkte im Mittelpunkt stehen. Geplant ist zudem eine Autorenlesung mit Arne Rysch („Der nasse Fisch“, „Wave and Smile“), die gemeinsam mit dem Literarischen Zentrum Gießen veranstaltet und ab 16 Uhr stattfinden wird.