Weihnachtsablass – doppelt aktuell
Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Universität Gießen bringt am 6., 13., 14. und 18. Dezember 2015 das Konstanzer Weihnachtsspiel auf die Bühne und setzt damit die Jubiläumsfeier zum Konstanzer Konzil fort – Hauptprobe am 30. November
Nr. 213 • 19. November 2015
„Wirkt, solange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ Wiederholte Aufrufe zu tätiger Barmherzigkeit und zu Spenden machen das diesjährige Weihnachtsspiel der Theatergruppe um die Gießener Germanistikprofessorin Cora Dietl besonders aktuell – und dabei war zunächst nur beabsichtigt, ein historisches Jubiläum zu feiern. Mit der Aufführung des Konstanzer Weihnachtsspiels nämlich wird des Konstanzer Konzils (1414–18) gedacht. Am 6., 13., 14. und 18. Dezember 2015 bringt die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) das Konstanzer Weihnachtsspiel auf die Bühne und setzt so die Jubiläumsfeier zum Konstanzer Konzil fort.
Die Vertreter der Medien sind außerdem herzlich eingeladen zur Hauptprobe am Montag, 30. November 2015, um 15.30 Uhr, JLU Gießen, Philosophikum I, Otto-Behaghel-Straße 10, Raum B9.
Im vergangenen Sommer hatte die Theatergruppe mit der „Tragedia Johannis Huss“ einen „protestantischen“ Blick auf ein negatives Ergebnis des Konzils geworfen, die Verbrennung des Böhmischen Theologen Jan Hus; im Winter führt sie nun ein Weihnachtsspiel auf, das auf dem Konzil selbst seine Uraufführung hatte und aus „katholischer“ Sicht das positive Ergebnis des Konzils thematisiert: die Beendigung des Schismas durch die Wahl von Papst Martin V. im Jahr 1517.
Papst Martin V. verkündete auf dem Konzil einen Weihnachtsablass, das heißt den Nachlass aller Sünden für all jene Christen, die das Weihnachtsfest in Frömmigkeit begehen – wozu nicht nur der Besuch des Weihnachtsspiels gehört, sondern auch frommes Handeln insofern, als man seiner christlichen Gesinnung durch Spenden für caritative Zwecke tatkräftig Ausdruck verleiht. Welche Aktualität Spendenaufrufe derzeit haben, war noch gar nicht in dem Maße abzusehen, als sich Frau Dietl bereits im vergangenen Winter für dieses Spiel entschieden hatte.
Das ursprüngliche Theaterstück aus dem frühen 15. Jahrhundert ist sehr kurz; es konzentriert sich weitgehend auf das Thema des Ablasses und auf die Tradition des Kindelwiegens. Die Freude über die Geburt des Erlösers und die damit gegebene Möglichkeit der Befreiung von Sünde stehen im Zentrum des Spiels. Daneben aber scheint manches allzu Menschliche auf: nicht nur die Möglichkeit des Missbrauchs von Spendengeldern, sondern auch Themen wie Skrupellosigkeit und Machtgier von Herrschern, Verfolgung und Flucht. Diese Themen sind im überlieferten Text zum Teil nur angedeutet; die Theatergruppe hat sie unter Hinzuziehung von verwandten Weihnachtsspielen aus dem süddeutschen Raum weiter ausgestaltet. In neuer, so nie da gewesener Form verdeutlicht das Spiel, wie aktuell die altbekannte Weihnachtsgeschichte doch immer wieder ist.
Das Publikum ist nicht nur wie in jedem Jahr dazu eingeladen, mit den Darstellerinnen und Darstellen gemeinsam das Weihnachtsfest zu feiern und mitzusingen, sondern es kann auch Ablasszettel erwerben – für alle Fälle.
Die Aufführung wird unterstützt durch die JLU Gießen, das Museum im Spital Grünberg, den Freundeskreis des Museums im Spital Grünberg, das Literarische Zentrum Gießen, das Park-restaurant im Hofgut Winnerod, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und das Hessische Landestheater Marburg.
- Ensemble
Ole Denskat (Jesaja und Scriba), Cora Dietl (Hirte und Melchior), Janne Dietz (Maria), Mike Hedrich (Bote und Herodes), Melissa Heerz (Engel), Christine Kluge (Engel), Gunter Mogk (Joseph), Gesa-Maria Rühmkorb (Hirte und Balthasar), Christoph Schanze (Musik), Adrian Verscharen (Kaplan), Moritz Wernicke (Ahas und Caspar).
Der Eintritt ist frei.
- Termine
06. Dezember 2015, 16.00 Uhr: Grünberg, Hospitalkirche
13. Dezember 2015, 13.00 Uhr: Winnerod, Restaurant am Hofgut
14. Dezember 2015, 18.00 Uhr: Gießen, Pankratiuskapelle
18. Dezember 2015, 19.00 Uhr: Hungen, Evangelische Stadtkirche
Hauptprobe am 30. November 2015, um 15.30 Uhr,
Veranstaltungsort: JLU Gießen, Philosophikum I, Otto-Behaghel-Straße 10, Raum B9.
- Weitere Informationen
www.coradietl.de (Theaterprojekte)
- Kontakt
Prof. Dr. Cora Dietl
Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 10 B; 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29080; Fax: 0641 99-29089
Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon: 0641 99-12041