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Wald: Re-Mythisierung in Zeiten des Digitalen

Interdisziplinäres Kolloquium

Wann

01.12.2022 von 09:00 bis 13:00 (Europe/Berlin / UTC100)

Wo

Webex

Teilnehmer

Die Online-Studientage richten sich an Studierende und Dozierende aller Fachrichtungen sowie die Öffentlichkeit.

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Die Online-Studientage finden unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Kirsten von Hagen (Institut für Romanistik, FB 05) und Frau Dr. Corinna Dziudzia (Universität Erfurt) statt.

Der Botanist und Autor Francis Hallé hat einen großen Traum: Er möchte im Westen Europas auf 70000 Hektar eine Art Urwald anlegen, der ohne menschliche Pflege wachsen kann. Der Dokumentarfilmer Jan Michael Haft setzt in seiner zweiteiligen Arbeit den Mythos Wald (2009) in Szene. Fotografen wie Kilian Schönberger veröffentlichen Bildbände zum Wald in Serie. Aktuell scheint das Thema Wald in öffentlichen Diskursen zentral. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ist dabei eine Re-Mythisierung des Waldes zu konstatieren, die zum einen als Effekt einer ökologisch bedingten Krise und zum anderen als Folge zunehmender Digitalisierung zu lesen ist.

Umso mehr sich das Buch in seiner Materialität vom Wald als rohstoffliefernde Grundlage in Zeiten der Digitalisierung entfernt, um so mehr scheint der Wald Thema zu werden, im Ecocriticsm, der Kulturökologie und im Nature Writing. Wald ist Anti-Digitalität, weil umfassend sinnlich erfahrbar. Angesichts zunehmend konfrontativer politischer Lager, dem Klimawandel oder der die Digitalisierung beschleunigenden Pandemie, scheint der Wald transdisziplinärer wie transkultureller Fluchtpunkt zu werden, während er zugleich als gefährdetes Gut oder bereits als Leerstelle im Nicht-Mehr-Vorhandensein beschrieben wird. Wald scheint entsprechend als Denkfigur für verschiedene aktuelle Beobachtungen nutzbar, an die im Rahmen der geplanten Veranstaltungsreihe angesetzt werden soll, um der wahrzunehmenden Ubiquität des Waldes aus einer interdisziplinären, d.h. komparatistischen, kulturwissenschaftlichen, soziologischen, intermedialen, literatur- und kulturhistorischen Perspektive nachzuspüren.

 

Die Online-Studientage werden auf Webex stattfinden:  

https://uni-giessen.webex.com/meet/kirsten.v.hagen

 

Anmeldung und Informationen: kirsten.v.hagen@romanistik.uni-giessen.de

 

Programm


10.11.22, 9-13 Uhr

Raul Calzoni (Universitá di Bergamo): Dante Alighieri und W.G. Sebald im ‚dunklen Wald‘ der Welt- und Menschengeschichte

Corinna Dziudzia (Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt): Wald als Ort ästhetischer Erfahrung in den Texten Sidonia Hedwig Zäunemanns

Volker Mergenthaler (Universität Marburg): ,Deutscher Dichterwald‘ 1813 – Metapher einer

,imagined community‘?

Andreas Langenohl (Universität Gießen): Wälder und die Metrisierung der Klimakatastrophe

Michael Basseler (Universität Gießen):  Tree Time: The Temporality of Woods in US-American Fiction


01.12.22, 9-13 Uhr

Juliane Blank (Universität Saarbrücken): Zauber, Bann und Geister. Der Wald als magischer Ort in historisierenden Texten über Hexenglauben.

Julien Bobineau (Universität Würzburg): Der Wald als Jagdgebiet in der französischen littérature cynégétique des 17. und 18. Jahrhunderts

Georg gl (Universität Würzburg): Waldromantik und die Poesie des Plötzlichen. Beobachtungen zu Carl Maria von Webers Freischütz und anderen ,Waldmusiken‘ des 19. Jahrhunderts

Bruno Grimm (KU Eichstätt-Ingolstadt): Sehnsuchtsort und Ort des Unheimlichen: Visualisierungen des Waldes im Deutschland des 19. Jh.

Jörn Ahrens (Universität Gießen): Im Wald der Bilder. Der Wald im Comic 


19.01.23, 9-13 Uhr

Julia Hoydis (Universität zu Köln): ‚A Dialogue Between an Oak and a Man Cutting Him Down‘: Zur (digitalen) Lektüre der naturphilosophischen Lyrik von Margaret Cavendish in Zeiten des Anthropozän

Holt Meyer (Universität Erfurt): Der Wald im russischen Märchen

Kirsten von Hagen (Universität Gießen): Im Dickicht der kulturellen Übersetzung: Der Wald in französischen Schauernovellen des 19. Jahrhunderts

Annina Klappert (Universität Augsburg): Rückzug und Revolte im Wald: Ir/reversible Transformationen menschlicher Materialität in Marie Darrieussecqs Notre vie dans les forets (2017) und José Saramagos Coisas (1978)

Marina O. Hertrampf (Universität Passau): ,Erdungsraum‘ Wald: literarische Walderlebnisse im Spannungsfeld von Naturerfahrung, Erinnerungsarbeit und Identitäts(re)konstruktion in französischen Romanen der Gegenwart


09.02.23, 9-13 Uhr

Annette Simonis (Universität Gießen): Zur Medialisierung des Waldes in den Werken von Sylvain Tesson und Francis Hallé

Michael Dallapiazza (Universitá di Bologna): Die Entsakralisierung des deutschen Waldes in Hilsenraths ,Der Nazi und der Friseur‘

Frank Thomas Brinkmann (Universität Gießen): Allerlei Bäume und Holzobjekte. Dreieinhalb kulturhermeneutische Spaziergänge am Waldrand jüdisch-christlicher Fiktionen

Nikolas Immer (Universität Trier): Wälder des Grauens. Filmische Reinszenierungen eines literarisch tradierten Angstraums

Gerhard  Struck  (Forstamt  Finsterbergen): Wald  aus  forstwissenschaftlicher  Sicht. Aktuelle Betrachtungen zur Nachhaltigkeit