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Prof. Dr. Patrick Gödicke (Gießen/Karlsuhe): Die „Wittenberger Judensau“ – Polarisierende Kunst und ihre rechtliche Einordnung am Beispiel des Urteils des BGH vom 14. Juni 2022

Wann

01.12.2022 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)

Wo

Seminargebäude II, Philosophikum I, Raum 012 (Justus-Liebig-Universität Gießen, Alter Steinbacher Weg 44, 35394 Gießen) - virtuelle Teilnahme möglich (s.u.)

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Das Institut für Kunstgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen lädt im Wintersemester 2022/23 ein zur Vortragsreihe „Tier – Mensch – Kunst“. In drei Gastvorträgen werden Tierbilder aus unterschiedlichen Perspektiven und mit interdisziplinären Forschungsansätzen beleuchtet.


Abstract:
Kunst polarisiert – seit jeher und bis heute, mal unbeabsichtigt, mal gezielt. Kann sich hiergegen jeder wehren, der sich von ihr verletzt fühlt? Wann berührt Kunst überhaupt Rechte des Einzelnen, auf der Grundlage welchen Kunstverständnisses haben Gerichte hierüber zu entscheiden, und nach welchen Maßstäben ist zu ermitteln, welche Aussagen einem Kunstwerk als rechtsverletzend zuzuschreiben sind?

So unterschiedlich die Fälle sind, so gefestigt sind die äußerungsrechtlichen Entscheidungsmaßstäbe, die das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof hierzu herausgebildet haben. Besonders prominent zur Anwendung gekommen sind sie jüngst im Urteil des VI. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 14. Juni 2022 über das an der Wittenberger Stadtkirche seit dem 13. Jahrhundert angebrachte Sandsteinrelief der sog. „Wittenberger Judensau“ (Az. VI ZR 172/20). Als dessen Eigentümerin hat der Bundesgerichtshof die Evangelische Stadtkirchengemeinde Wittenberg nicht zur Entfernung verurteilt, da sie sich vom historisch diffamierend gemeinten Inhalt des Reliefs ersichtlich distanziert hat. Was genau bedeutet das? Und was bedeutet es in der Konsequenz für zahllose andere im öffentlichen Raum präsente historische Kunstgegenstände und deren Eigentümer? Neben einem Überblick über die höchstrichterlichen Beurteilungsmaßstäbe im Umgang mit polarisierender Kunst will der Vortrag auch hierzu eine Einordnung vornehmen.

Prof. Dr. Patrick Gödicke ist hauptamtlich Richter am OLG Frankfurt a.M. und apl. Professor für Bürgerliches Recht, Medizinrecht und Rechtstheorie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2019 bis 2022 war er an den VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe abgeordnet.

Der Vortrag findet im Seminargebäude II auf dem Gelände des Philosophikums I in Raum 012 statt.
Adresse: Justus-Liebig-Universität Gießen, Alter Steinbacher Weg 44, 35394 Gießen

Die Vorträge werden in hybrider Form angeboten. Für die Teilnahme in Präsenz ist keine Anmeldung erforderlich.
Für die virtuelle Teilnahme melden Sie sich bitte an unter hiwis-kunst@kunstgeschichte.uni-giessen.de.
Der Zugangs-Link wird angemeldeten Teilnehmer:innen vor Veranstaltungsbeginn zugesandt.