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Traumafokussierte Psychotherapie

Traumafokussierte psychodynamische Psychotherapie

Die traumafokussierte psychodynamische Psychotherapie unterscheidet sich von anderen Psychotherapien dadurch, dass Aspekten der Beziehung eine besondere Bedeutung zugemessen wird: der Art und Weise, wie Betroffene die Beziehung zu anderen Menschen gestalten, welche Beziehung sie zu sich selbst unterhalten und welche Besonderheiten in der therapeutischen Beziehung zu beachten sind. Nie geht es nur um die Anwendung von Methoden oder Techniken, sondern immer darum, was diese für die einzelnen Patient*innen bedeuten; immer geht es auch darum, die jeweiligen Bedürfnisse, Ängste und Erwartungen zu verstehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Regulierung eigener Gefühle.

Das traumafokussierte Vorgehen erfolgt dabei meistens in drei Phasen: Zunächst soll den Patient*innen geholfen werden, sich zu stabilisieren und Ressourcen zu aktivieren. Eine sichere therapeutische Arbeitsbeziehung bildet die Basis für die erste stabilisierende Therapiephase, in der die Patient*innen lernen, mit schwierigen und häufig auch überwältigenden Gefühlen umzugehen und eine innere Distanz zu belastenden Erinnerungen aufzubauen. Gestärkt werden sollte auch die Fähigkeit sich in andere hineinversetzen zu können, deren Reaktionen vorherzusehen und zu verstehen sowie eben diese Reaktionen besser annehmen zu können, was sich häufig entlastend auf den Alltag auswirkt. In dieser Phase sind insbesondere imaginative Techniken hilfreich.

Anschließend geht es darum, in einer schonenden Art und Weise die traumatischen Erfahrungen gemeinsam zu betrachten. Hierbei wird immer individuell entschieden, wie die traumabezogenen Inhalte besprochen und bearbeitet werden sollen, um eine Überforderung der Patient*innen zu vermeiden. Es hat sich gezeigt, dass es hilfreich sein kann dafür besondere Techniken zu verwenden, wie bspw. die sogenannten Bildschirm-Technik, bei der die traumatischen Erlebnisse gemeinsam mit der Therapeut*in angesehen werden, wie in einem alten Film. In einer dritten Phase geht um die Reintegration traumatischer Erlebnisse. Reintegration bedeutet dabei nicht, dass den Erlebnissen ihr traumatisierender Charakter abgesprochen wird. Vielmehr geht es darum, diese in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren, sodass der Erinnerung die emotionale Kraft genommen werden kann, einem im Alltag einzuschränken und immer wieder zu überwältigen.



Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie geht davon aus, dass unsere Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen nicht getrennt voneinander bestehen, sondern sich gegenseitig beeinflussen. Durch unterschiedliche Erfahrungen (z. B. im Kontakt mit anderen Menschen) entstehen im Laufe des Lebens typische Denk- und Verhaltensmuster, die sich darauf auswirken, wie wir Gefühle erleben und auf diese reagieren. Insbesondere durch negative Erfahrungen können sich Denk- und Verhaltensmuster entwickeln, die langfristig zur Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen führen können. Dementsprechend werden psychische Störungen in der kognitiven Verhaltenstherapie behandelt, indem problematische Denk- und Verhaltensweisen erkannt, besprochen und durch neue Strategien verändert werden.




Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (nach Cloitre, Cohen und Koenen, 2014; STAIR-NT) unterstützt Patient*innen dabei, mithilfe anderer Denk- und Verhaltensweisen aktuelles Belastungserleben im Zusammenhang mit ihren traumatischen Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen zu bewältigen. Hierfür lernen Patient*innen zunächst, überwältigende Gefühle (z. B. Angst, Wut, Scham) frühzeitig wahrzunehmen, zu benennen und angemessen zu äußern, ohne ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Darüber hinaus wird erarbeitet, wie sich die eigenen traumatischen Erlebnisse auf heutige Beziehungen auswirken, wie Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich bewältigt und langfristig unterstützende, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen aufgebaut werden können.


Im zweiten Behandlungsschritt sollen die eigenen Erinnerungen an die belastenden Erfahrungen aktiv verarbeitet werden. Unter Anleitung ihrer Therapeut*innen sollen sich Patient*innen verschiedene belastende Erfahrungen schrittweise aus der Erinnerung heraus vorstellen und davon berichten. Im Anschluss werden sie dabei unterstützt, die Erinnerungen aufzuarbeiten und mithilfe der neu gelernten Strategien aufkommende Belastungen erfolgreich zu bewältigen. Mit diesem Vorgehen wird es Patient*innen ermöglicht, das Trauma als Teil ihrer Vergangenheit einordnen und von der Gegenwart abgrenzen zu können. Dadurch sollen vor allem die posttraumatischen Belastungssymptome (z. B. Wiedererleben des Traumas, Albträume, Unterdrücken von Gefühlen) langfristig reduziert werden. Gleichzeitig werden Patient*innen dazu befähigt, wieder mehr Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen und sich neue positive Ziele für die Zukunft zu setzen.

 

Literatur:
Cloitre, M., Cohen, L. R., & Koenen, K. C. (2014). Sexueller Missbrauch und Misshandlung in der Kindheit: Ein Therapieprogramm zur Behandlung komplexer Traumafolgen. Göttingen: Hogrefe.