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Studie: Digitalisierung verändert das Verhalten von Gründerinnen und Gründern

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Gießen analysieren Faktoren für Gründungsaktivität

Wie gründungswillig die Menschen in einem Land sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: die Marktsituation, kulturelle und politische Aspekte oder die persönliche Risiko-bereitschaft. Die digitale Infrastruktur ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. Dieser wurde in der Forschung bisher allerdings wenig berücksichtigt. Ein Forschungsduo des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat die Bedeutung der digitalen Infrastruktur auf die persönliche Gründungsbereitschaft untersucht.

 

Auf Basis von Daten aus 46 Ländern und mehr als 340.000 befragten Personen untersuchen Prof. Dr. Monika Schuhmacher und Philipp Schade den Einfluss der digitalen Infrastruktur eines Landes auf das individuelle Verhalten von Gründerinnen und Gründer. Die digitale Infrastruktur umfasst beispielsweise den persönlichen Besitz von Computern und Smartphones, internationale Internet-Bandbreite oder sichere Internet-Server. Die digitale Infrastruktur eines Landes bietet damit so genannte Ressourcen- und Marktzugangs-mechanismen. Diese von digitaler Infrastruktur ausgehenden Mechanismen helfen potenziellen Gründerinnen und Gründern etwa bei der Recherche in Datenbanken, dem Aufbau und der Kommunikation mit Investorinnen und Investoren oder dem direkten Austausch mit möglichen Kundinnen und Kunden.

 

„In unserer Studie stellen wir erstmalig eine Verbindung zwischen digitaler Infrastruktur, soziokognitiven Eigenschaften von potentiellen Gründerinnen und Gründern und Gründungsaktivitäten in 46 Ländern her“, sagt Prof. Dr. Monika Schuhmacher, Professorin für Technologie-, Innovations- und Gründungsmanagement. „Dafür haben wir die Daten von drei großen Datenbanken miteinander verbunden. Wir haben analysiert, welchen Einfluss der Grad der digitalen Infrastruktur eines Landes auf persönliche soziokognitiven Eigenschaften – wie unternehmerische Selbstwirksamkeit oder die Angst des Scheiterns – hat und die Wahrscheinlichkeit für Gründungsaktivität beeinflusst.“ Die Studie zeigt: Wenn Personen die soziokognitiven Eigenschaften wie unternehmerische Selbstwirksamkeit und Erkennung von Möglichkeiten mitbringen, dann ist eine gute digitale Infrastruktur ein Verstärker, um ein Gründungsvorhaben umzusetzen. Deshalb appelliert das Forscherduo an die Politik: „Der Ausbau von digitaler Infrastruktur muss stärker gefördert werden, dann bringt ein Land auch mehr Gründerinnen und Gründer hervor“, sagt Philipp Schade.

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Philipp Schade, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsnetzwerks Digitalisierung. Foto: privat


Forschung


Der wissenschaftliche Artikel „Digital infrastructure and entreperneurial action-formation: A multilevel study“ (peer-reviewed) von Philipp Schade und Prof. Dr. Monika Schuhmacher ist in der Ausgabe 05/2022 des Journal of Business Venturing erschienen. Das Journal of Business Venturing gehört laut Financial Times Ranking zu den weltweit einflussreichsten Fachzeitschriften im Bereich Wirtschaft.

 

DOI des Artikels: https://doi.org/10.1016/j.jbusvent.2022.106232

 

Die Studie wurde im Rahmen der Arbeit des Forschungsnetzwerks Digitalisierung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften erstellt.


 

abgelegt unter: fb02_ncc