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Hasskommentare in der politischen Social Media Kommunikation

Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Nicolas Pröllochs: „In einer Studie haben wir die Häufigkeit von Hasskommentaren als Reaktion auf Tweets von Politikerinnen und Politikern untersucht.“

Hate Speech in sozialen Medien ist zu einem Problem geworden und gerade Politikerinnen und Politiker werden häufig beleidigend attackiert. Speziell Frauen erfahren oft zusätzlich sexualisierte Beleidigungen. Immer mehr Politikerinnen und Politiker machen auch öffentlich darauf aufmerksam. Prof. Dr. Nicolas Pröllochs, Professor Data Science & Digitalisierung an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), forscht und lehrt zu den Vorhersagen von menschlichen Entscheidungen auf digitalen Plattformen. In einer aktuellen Studie hat er sich mit Hasskommentaren auf Twitter beschäftigt.

Prof. Dr. Nicolas Pröllochs

Prof. Dr. Nicolas Pröllochs. Foto: privat

 

Drei Fragen an Prof. Dr. Nicolas Pröllochs:


Hasskommentare als Reaktion auf Social Media Posts von Politikerinnen und Politikern sind leider alltäglich geworden. Was hat Ihre aktuelle Forschung dazu ergeben?

 

Zusammen mit meinem Kollegen Kirill Solovev habe ich erstmalig analysiert, welche Auswirkung Parteizugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Ethnizität einer Politikerin oder eines Politikers auf die Inhalte und den Tonfall von negativen Kommentaren in Social Media haben. Über einem Zeitraum von sechs Monaten haben wir dafür die Tweets von 541 Mitgliedern des US-Kongresses und Reaktionen darauf untersucht. Methodisch haben wir maschinelles Lernen und ein sogenanntes hierarchisches Regressionsmodell genutzt, um zu bestimmen, welche persönlichen Merkmale von Politikerinnen und Politikern stärker Hasskommentare provozieren.

 

Die zentralen Ergebnisse unserer Studie zeigen: Tweets von Demokratinnen und Demokraten – im Vergleich zu Republikanerinnen und Republikanern – erhalten um 3,67% einen höheren Anteil an Hasskommentaren; Tweets von Politikerinnen – im Vergleich zu männlichen Politikern – erhalten 7,71 % mehr Hasskomentare; Tweets von nicht-weißen (d.h. „People of Color“) Politikerinnen und Politikern – im Vergleich zu weißen – erhalten einen um 37,75 % höheren Anteil an Hasskommentaren. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass Politikerinnen und Politiker abhängig von Parteizugehörigkeit, sexueller Orientierung und Ethnizität signifikant unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sind, Opfer von Hate Speech auf Social Media zu werden.

 

Heißt das im Umkehrschluss, dass ich als Politikerin oder Politiker in sozialen Netzwerken nicht mehr kommunizieren sollten, um kein Opfer von Hasskommentaren zu werden?

 

Nein, Social Media ist nach wie vor ein Ort, wo Politikerinnen und Politikern sich direkt mit Bürgerinnen und Bürgern austauschen und diskutieren können und das auch für ihren Wahlkampf nutzen können. Es wäre ein falsches Signal, wenn aus Angst vor Hasskommentaren dieses Dialogmedium nicht mehr genutzt wird. Stattdessen können Politikerinnen und Politiker ihre Follower aktiv zu einer sachlichen Diskussion ermutigen, die auf persönliche Anfeindungen verzichtet. Mainstream-Social-Media-Plattformen setzen zudem zunehmend auf Content Moderation, sodass Hate Speech gemeldet werden kann und gegebenenfalls gelöscht wird. Zudem können Betroffene von Hate Speech in extremen Fällen auch rechtliche Schritte erwägen.

 

Eine weitere vielversprechende Strategie ist übrigens die Gegenrede, sogenannte „Counterspeech“. Hierbei ist die Idee, dass Social-Media-Nutzer Hasskommentaren aktiv entgegentreten, beispielsweise indem sie den Verfasser von Hate Speech emphatisch auf die negativen Auswirkungen für das Opfer hinweisen. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass Counterspeech helfen kann, Verfasserinnen und Verfasser von Hate Speech zur Einsicht zu bewegen und Eskalationsdynamiken entgegenzuwirken.


Sie haben Tweets aus den USA untersucht. Wie ist die Situation in anderen Ländern, beispielsweise in Deutschland?


Hate Speech ein globales Phänomen – es sind also grundsätzlich auch in Deutschland ähnliche Effekte zu erwarten. Was sich jedoch mutmaßlich unterscheidet, sind die Charakteristiken der Gruppen, die vornehmlich zum Opfer von Hate Speech werden. Antipathien und Feindseligkeit gegenüber bestimmten Gruppen sind erheblich kulturell geprägt und unterscheiden sich somit stark zwischen verschiedenen Ländern. Während beispielsweise in den USA häufig Afroamerikanerinnen und -amerikaner zum Ziel von Hate Speech werden, wäre zu vermuten, dass es in Deutschland beispielsweise Immigrantinnen und Immigranten oder Geflüchtete aus dem Nahen Osten sind.

 

Forschung

Der wissenschaftliche Artikel „Hate Speech in the Political Discourse on Social Media: Disparities Across Parties, Gender, and Ethnicity” von Prof. Dr. Nicolas Pröllochs und Kirill Solovev ist vor Kurzem in den Proceedings of the ACM Web Conference (peer-reviewed), einem der führenden wissenschaftlichen Publikationsorgane im Bereich Data Science, erschienen und steht hier zum Download bereit.

 

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