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AG Geschichte und Theorie des globalen Kapitalismus

Die im Sommersemester 2016 aus Mitteln des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingerichtete Arbeitsgruppe bringt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die entweder an wirtschafts-, sozial- oder kulturgeschichtlich ausgerichteten Studien zur Geschichte des Kapitalismus seit dem späten 15. Jahrhundert arbeiten oder der Beschäftigung mit dem Kapitalismus in theorie- oder wissenschaftsgeschichtlichen Arbeiten nachspüren. Die Aktualität des Themas bedarf keiner weiteren Begründung, doch scheint es angesichts einer Situation, in welcher der Industriekapitalismus des 19. und 20. Jahrhunderts selbst historisch wird, sinnvoll, den frühneuzeitlichen Handels- und Finanzkapitalismus mit einzubeziehen, da sich so sehr viel eher weiterführende Perspektiven eröffnen als durch die verbreitete Kontrastierung gegenwartsnaher - gern als postfordistisch oder neoliberal gekennzeichneter - Entwicklungstendenzen mit der knapp dreißigjährigen Wachstumsphase nach dem Zweiten Weltkrieg und ihrer wohlfahrtsstaatlichen Ausgestaltung in den allermisten westlichen Industriestaaten. In weit höherem Maß als die longue durée kapitalismushistorischer Studien dürfte ihr globaler Zuschnitt im frühen 21. Jahrhundert selbstverständlich sein. Und schließlich werden grundlegende Erkenntnisgewinne auch einer stärkeren Theoretisierung bedürfen, als sie in den meisten wirtschaftsgeschichtlichen Arbeiten anzutreffen ist. Sie wird ohne das Zusammenwirken von Historikern, historischen Soziologen und Ökonomen kaum gelingen und könnte von der kritischen Rekonstruktion einer am ehesten als Sozialökonomik zu bezeichnenden methodisch-theoretischen Traditionslinie profitieren, der deshalb in wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

 

Nun werden nicht alle in der AG vertretenen Projekte den räumlich und zeitlich weitgespannten Rahmen ausfüllen und in gleicher Weise mit theorie- und wissenschaftsgeschichtlicher Selbstvergewisserung umfassend verbinden können. Gleichwohl sind ihnen globalgeschichtliche Reflexion und Theorieinteresse ebenso gemein wie den parallel im Verlag Mohr Siebeck erscheinenden und keineswegs auf Arbeiten aus dieser AG begrenzten "Studien zur Geschichte und Theorie des Kapitalismus (GTK)", deren erste Bände 2018 und 2019 erschienen sind. Mitglieder der von Friedrich Lenger geleiteten Arbeitsgruppe sind zur Zeit Lisa Eiling, Dr. Eva Gajek, PD Dr. David Kuchenbuch und Christian Schneebeck sowie als assoziierte Mitglieder Dr. Stefanie Coché, Dr. Nadja Klopprogge und PD Dr. Timo Luks. Ehemalige AG-Mitglieder sind Dr. Samuel Coghe und Dr. Tamara Ganjalyan.