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Artikelaktionen

Professuren Ostmitteleuropa

Antje Coburger, M.A.

Biographie

seit 11/2008

wissenschaftliche Projektmitarbeiterin im Herder-Institut Marburg

2005-2008

wissenschaftliche Volontärin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

2004

Praktikum im Hinterlandmuseum Schloss Biedenkopf

2003

Praktikum in der Kulturstiftung der ZF Friedrichshafen AG in Friedrichshafen

2002

Praktikum in der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Görlitz

1997-2003

Studium Neuere Geschichte, Kunstgeschichte und Öffentliches Recht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

1978

geb. in Schmalkalden

 

Forschungsschwerpunkte

  • Sammlungsgeschichte, Institutsgeschichte, Wissensordnungen
  • Kulturtechniken, Wissenswege, Wissensräume
  • Erinnerungskultur, Sachkultur
 

Aktivitäten

  • Mitglied in der AG Museumskultur am GCSC der JLU Gießen
  • Mitarbeit am Ausstellungskonzept "Hessen hybrid", Preisträgerin beim Ideenwettbewerb "Die Dinge und ihre Bedeutungen" 2009
 

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: "Die Geschichte der Sammlungsbestände des Herder-Instituts. - Kulturtechniken und ihre Anwendungen als Praktiken des Suchens und Findens"

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im LOEWE-Schwerpunkt „Kulturtechniken und ihre Medialisierung“ hat  Antje Coburger M.A. im November 2008 ihre Tätigkeit im Herder-Institut aufgenommen. Sie studierte Neuere Geschichte, Kunstgeschichte und Öffentliches Recht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Ihre Aufgabe im Rahmen des LOEWE-Teilprojektes B 4 „Praktiken des Suchens und Findens“ ist die Aufarbeitung der Geschichte der Sammlungsbestände des Herder-Instituts seit seiner Gründung 1950. Dabei werden Fragen nach der Überlieferungsgeschichte, der Provenienz und auch der Motivation für das Sammeln gestellt. An der Entstehung der Sammlungen waren unterschiedliche Akteure beteiligt. Ihre Beteiligung an der Errichtung von Wissensordnungen, im Sinne von Wissen über vorhandene Bestände, ist eine der zu untersuchenden Fragestellungen. Die Bestände haben in verschiedenen Phasen der Institutsentwicklung auf sehr differenzierte Weise wachsen können. Manches wurde gezielt erworben, anderes ist Produkt von Tauschverhandlungen und wieder andere Objekte kamen eher zufällig im Rahmen von Nachlässen in das Herder-Institut. Sehr früh wurde mit der Anlage einer Bibliothek die Sammlung von Fachliteratur ermöglicht. Bilder und Archivalien fanden sich erst später als institutsinterne Sammlungsgruppen Eingang. Da das Thema unter dem Aspekt der „Praktiken des Suchens und Findens“ bearbeitet werden soll, sind die bisher benutzten Findbarkeitsstrategien am Beginn zu analysieren. Später kann nach innovativen Möglichkeiten für die Interaktion zwischen Nutzern und Bereitstellern mit dem Ziel einer erweiterten Findbarkeit gefragt werden.

Die Praxis der Anwendung von Kulturtechniken soll in archivalischen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Zusammenhängen thematisiert werden. Das Suchen und Bereitstellen von Daten ist auswählenden Praktiken von Seiten der Suchenden (Nutzer) und von Seiten der Bereitsteller (Findbarmacher) unterworfen. Aus diesem Grund ist beispielsweise nach der einer nachvollziehbaren und auch kalkulierbaren Findbarkeit zu fragen.
Die Sammlungen des Herder-Instituts werden als Archiv betrachtet, in dem Bereitsteller ihre unterschiedlichen Bestände auf verschiedene Weise findbar machen und Nutzer vielfältige Wege haben Daten zu finden. Die Arbeit am Projekt wird in eine Dissertation münden.

Dr. Nazarii Gutsul, Dissertation (abgeschlossen)

 Biographie

29.07.2014 Veröffentlichung der Dissertation unter dem Titel "Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und seine Tätigkeit in der Ukraine (1941-1944)": http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:hebis:26-opus-110020

2009-2013

Promotion an der Justus-Liebig-Universität, Stipendiat der DAAD/OSI-Programm, abgeschlossen am 02.07.2013.

2007-2008

Studium an der Europa-Universität „Viadrina“ in Frankfurt/Oder, Stipendiat der DAAD/Viadrina –Programm

2006-2009

Studium der Geschichte an der Nationalen Universität „Kyjiw-Mohyla Akademie“, Magister Atrium

2002-2006

Studium der Philologie der Deutschen Sprache an Kiewer Nationalen Linguistischen Universität

2002

Abitur in Terebowlja

1984

geb. in Benewa, Ukraine

 


Publikationen

 

Druha switowa wijna ta istorytschna pamjat w Ukraini: wybrana bibliografija / Uporjadnyky – Wladyslaw Hrynewytsch, Nazarii Gutsul. (Друга світова війна та історична пам’ять в Україні: вибрана бібліографія / Упорядники – Владислав Гриневич, Назарій Гуцул) // http://ww2-historicalmemory.org.ua/presentation.html

 

Nazarii Gutsul/Sebastian Müller, Ukrainische Displaced Persons in Deutschland. Selbsthilfe als Mittel im Kampf um die Anerkennung als eigene Nationalität: // http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/187210/ukrainische-displaced-persons-in-deutschland

 

Nazarii Gutsul: Operatyvnyj stab rajchslajtera Rosenberga: ideolohitsch borotba tschy pohrabuvannja duchovnych ta kulturnych nadban v Ukraini (1941-1944) [Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg: ideologischer Kampf oder Raub des kulturellen und geistigen Erbes in der Ukraine (1941-1944)] in: Storinky vojennoi istorii Ukrainy 15 (2012), 76-85.

 


Arbeitstitel der Dissertation: „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg und seine Tätigkeit in der Ukraine in 1941-1944“.

 

 

Die Aufgaben der Dissertation sind die „Rekonstruktion“ der Arbeit des Einsatzstabes RR auf dem Territorium der heutigen Ukraine. Der Einsatzstab RR hatte seine Tätigkeit auf drei Ebenen ausgeübt. Die erste, politische Ebene umfasste die Sicherstellung der politischen Archive und Bibliotheken der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der Stadt-, Gebiets- und Bezirksverwaltungen. Die zweite, ideologische Ebene bezog sich auf die Beschlagnahmung der bolschewistischen und marxistischen Werke, der Lehr- und Schulbücher, der wissenschaftlichen Literatur, der jüdischen und hebräischen Bibliotheken, um diese später nach der Auswertung für den ideologischen Kampf einzusetzen. Die dritte, kulturelle Ebene zeigte den Einsatzstab RR als die gut organisierte Kunstrauborganisation, welche die zahlreichen Gegenstände aus den Museen, Galerien und Sammlungen konfiszierte und nach Deutschland überführte. Strukturell wurde der Einsatzstab RR in Hauptarbeitsgruppen, Arbeitsgruppen und Sonderstäbe aufgeteilt.

Der Zeitraum 1941-1944 umfasste folgende Etappen der Tätigkeit des Einsatzstabes RR: 1941 – Sicherstellung der „interessierenden“ Objekten (Archivgebäude, Museen, Bibliotheken, Amtsgebäude, Forschungsinstituten, Hochschulen); 1942 – Beschreibung und Auswertung der beschlagnahmten Bücher, Archive und anderer Objekte; 1943-1944 – Verlagerung oder „Evakuierung“ der erbeuteten Materialien ins Reich.

Im Rahmen der Dissertation werden auch die Gründung des Einsatzstabes RR und die wichtigsten „Konkurrenten“ aus den anderen Reichsorganisationen dargestellt.

Zu den zentralen Forschungsfragen gehören: Welche Rechte, Pflichten und Aufgaben hatte der Einsatzstab RR? Wie wurde seine Tätigkeit organisiert? Wer gehörte zum Mitarbeiterstab des Einsatzstabes RR? Wie wurden Haupt- und Arbeitsgruppen organisiert? Was bedeutet „Sonderstab“ des Einsatzstabes RR? Welche Beziehungen hatte der Einsatzstab RR zur Wehrmacht, RSHA und zum Auswärtigen Amt? Besondere Frage: Welche Gegenstände wurden erbeutet und ins Reich verschleppt und was passierte mit ihnen nach 1945?

Dr. Konrad Hierasimomicz

Ipgrave, Francis

Francis Ipgrave
Francis.M.Ipgrave@geschichte.uni-giessen.de | Promotion

Natalia Ivanusa, Dissertation (abgeschlossen)

Dissertationsprojekt

 

  • Die Stellung der Frau in den osteuropäischen Städten der frühen Neuzeit. Das Magdeburger Recht und andere Rechtsvorbilder: Normative Grundlagen und Rechtspraktiken (am Beispiel Kleinpolens)

Ziel der geplanten Dissertationsarbeit soll es sein, eine systematische Untersuchung zur rechtlichen und lebensweltlichen Stellung städtischer Frauen  Kleinpolens in der frühen Neuzeit zu präsentieren. Meine Untersuchung möchte ich auf der Grundlage der Quellen aus exemplarischen Städten durchführen, die das Magdeburger Stadtrecht entweder unmittelbar aus Magdeburg (wie z. B. Neu Sandomierz (1292), oder durch Breslau (wie z. B. Krakau (1257 aus Breslau), Lemberg (1356 aus Krakau)) bekommen haben.

Der Zeitrahmen der geplanten Dissertationsarbeit wird sich auf das 16. Jahrhundert beschränken. Für das Spätmittelalter liegen nur wenige Stadtrechtsaufzeichnungen und rechtspraktische Quellen vor, so dass hier nur allgemeine normative Aussagen möglich sind. Im 16. Jahrhundert nehmen die ersten polnischen Stadtrechtsaufzeichnungen ihren Anfang. Das heißt, dass lokale Autoren die Quellen des deutschen Stadtrechts in lateinischer und später auch in polnischer Sprache mit eigenen Ergänzungen verfassten. Durch diese Ergänzungen erweiterte sich die Rahmen der Regelungsmöglichkeiten des Stadtrechts. Das heißt, lokale polnische Richter, Vögte sowie Schreiber fanden in den Ergänzungen und Kommentaren Hinweise für die Lösung umstrittener Zweifelsfälle. Vorher verwendeten polnische Städte in ihrer Gerichtspraxis allein die Privilegien über Gewährung des Magdeburger Stadtrechts und manchmal noch dazu Rechtsbelehrungen aus ihren Mutterstädten, die häufig einen begrenzten und ungenügenden Charakter hatten.

Geplant ist, die Rechtsstellung der Frauen de jure und de facto zu untersuchen. Ausgehend von den rechtlichen Quellen, die in den entsprechenden Territorien als die offiziellen, allgemein anerkannten, die Rechtsverhältnisse regulierenden Gesetzbücher galten, soll untersucht werden, über welche rechtlichen Spielräume Frauen verfügten. Danach werden Dokumente der Schöffenstühle, Streitsachen, Anklagen und Beschwerden untersucht, um den alltäglichen Umgang mit den Rechtsnormen sowie die Spruchpraxis bezüglich der weiblichen Bevölkerung zu verstehen. So ist auch ein Vergleich von Normen und deren entsprechenden Rechtsauslegungen beabsichtigt. Die Arbeit bezweckt, die erhaltenen Ergebnisse (die Situation der Frauen de jure) mit dem wirklichen Leben, das heißt mit der aus den Fällen herausgezogenen Information (de facto), zu vergleichen und mittels kritischen Fragen systematisch zu analysieren.

Dr. Stanislava Kolková

Biographie

seit 2011

Stipendiatin der Leibniz Graduate School for Cultures of Knowledge in Central European Transnational Contexts

2008-2010

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) der Justus-Liebig-Universität in Gießen (verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Internationalisierung)

seit 2007

Doktorandin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen

2004-2008

studentische u. wissenschaftliche Hilfskraft am Herder-Institut in Marburg

2007

Magisterarbeit zum Thema: „Die Folgen der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ für die Slowakei 1968-1975 (unter besonderer Berücksichtigung der Partei- und Staatsebene)“

2001-2007

Studium der Osteuropäischen Geschichte und Slavischen Philologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und der Philipps-Universität in Marburg

1978

geb. in Považská Bystrica, Slowakei

 

 

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte der böhmischen Länder und der Slowakei im 20. Jahrhundert
  • Elitenforschung
  • Erinnerungskultur
  • Wissenstransfer; slowakische politische Diskurse

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: "Textualisierung und Kontextualisierung von „Nation“ und „Staat“. Die kulturellen und wissenschaftlichen Eliten als Wissensimporteure und Wissensexporteure in der Slowakei von 1938 bis 1948."

Die Textualisierung und Kontextualisierung der „Nations-“ und „Staatskonzepte“ durch die kulturellen und wissenschaftlichen Eliten in der späten Zwischenkriegs- und unmittelbarer Nachkriegszeit in der Slowakei stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welche Nations- und Staatlichkeitskonzepte in der Slowakei von 1938 bis 1948 generiert und/oder übernommen wurden und ob und wie diese Konzepte in Kunst, Kultur und Wissenschaft reflektiert, rezipiert, transformiert, repräsentiert und medialisiert wurden. Einen wesentlichen Aspekt bildet die Frage, aus welchen Wissenskulturen die Konzepte rezipiert wurden. Die Transformation der „Nations-“ und „Staatskonzepte“ und deren Adaptation in den slowakischen Kontext wurde durch die sich in kurzer Zeit gravierend ändernde politische Situation nach 1938 und durch die vorherrschende politische Macht geprägt. Die Slowakei war ein Interferenzraum verschiedener wissenskultureller Einflüsse, die unter anderem durch die geopolitischen Rahmenbedingungen – durch die politische Zugehörigkeit zu einem größeren Staatsgebilde (Ungarn, Tschechoslowakei) oder der Abhängigkeit von einer Ostmitteleuropa dominierenden politischen Macht (Deutschland 1938-1945) – bestimmt waren.

Transnationale Kultur- und Wissenschaftsverflechtungen haben auf Wissenstransfer und Rezeption neuer Ideen Einfluss genommen. Dabei kam den kulturellen und wissenschaftlichen Eliten als Akteuren des Wissenstransfers – Wissensimporteuren oder Wissensexporteuren – eine wesentliche Rolle zu, die u.a. bei der Herausbildung eines neuen Geschichtsbildes deutlich wurde. Diese beiden Funktionseliten sind im Allgemeinen für die Formulierung moralischer Verbindlichkeiten sowie die Erhaltung der Moral in Alltagssituationen zuständig. Die Kunst arbeitet dabei wesentliche Momente gesellschaftlicher Entwicklung in besonderer Zuspitzung heraus. Zudem sind Kunst und Wissenschaft bei der Formulierung neuer Konzepte erforderlich, da dies einen spezifischen und strukturierten Umgang mit Wissen bedingt.

Kulturelle und wissenschaftliche Eliten verfügen über massenwirksame Mechanismen – d.h. kulturelle und wissenschaftliche Plattformen, die der Verbreitung nationaler Geschichtskonzepte dienen bzw. dienen können und die sie für den Wissenstransfer nicht nur auf der nationalen bzw. regionalen Ebene, sondern auch für den Transfer kulturell-historischen Wissens in und über die Slowakei nutzten.


Kinga Kuligowska

Biographie

Seit 2011

Stipendiatin der Leibniz Graduate School for Cultures of Knowledge in Central European Transnational Contexts

WS 2009-2010

Tutorin an der Europa-Universität Viadrina - Einführung in die Kulturwissenschaften

2008

Tutorin an der Technischen Universität Chemnitz - Einführung in die Grundlagen  interkultureller Kompetenz und Kooperation

2008-2011

Studium der Intercultural Communication Studies an der  Technischen Universität Chemnitz und der Europa-Universität Viadrina; Abschluss Master of Arts

2005-2006

Austauschjahr an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

2002-2007

Studium der Germanischen Philologie an der Adam Mickiewicz-Universität Poznań; Abschluss Magister phil.

1983

geb. in Polen

 

Forschungsschwerpunkte

  • Kulturtheorie und Kulturphilosophie, Erinnerungskultur, deutsch-polnische Kulturbeziehungen, Interkulturelle Kommunikation, Wissenschaftstheorie, Frankfurter Schule, Kritische Theorie.

 

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: "Die Emigration polnischer Intellektueller nach dem März 1968 - Eine Reise in die Denkfreiheit?"

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich die Emigration polnischer Intellektueller in die westlichen Länder nach den März-Ereignissen von 1968. An dem Beispiel einzelner Wissenschaftler bezwecke ich zu zeigen, welchen Einfluss Emigration auf wissenschaftliches Arbeiten und Erkenntnisgewinnung haben kann. Wichtige Aspekte meiner Untersuchung bilden die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Funktionen, die die Emigranten im Ausland übernahmen, ihre Konfrontation mit anderen Wissenschaftskulturen und Betrieben, wie auch Prozesse der Integration oder Isolation in einem neuen akademischen Umfeld. Dabei spielt das Selbstverständnis der Wissenschaftler eine zentrale Rolle:  Betrachteten sie sich als Vermittler zwischen Ost und West, sahen sie sich als Außenseiter oder identifizierten sie sich mehr mit der Aufnahmegesellschaft, als mit ihrer polnischen Heimat? In diesem Zusammenhang müssen Kontinuitäten und Brüche in der theoretischen Arbeit der Emigranten reflektiert und in eine vergleichende Analyse wissenschaftlicher Diskurse in der Volksrepublik Polen und in den Aufnahmeländern eingebettet werden. Die Erfahrung der Emigration und ihre Bedeutung für wissenschaftliches Schaffen bilden den Schwerpunkt dieser Dissertation.

 

Dr. Agnes Laba

Biographie

seit Februar 2009

wissenschaftliche Mitarbeiterin im Herder-Institut Marburg

2008-2009

wissenschaftliche Hilfskraft am Deutschen Seminar II der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bei Prof. Dr. Rolf G. Renner

2002-2009

Studium Neueren und Neuesten Geschichte und Neueren Deutschen Literaturgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Universitat de Barcelona/Spanien

1982

in Hindenburg/Zabrze Polen geboren

 

Forschungsschwerpunkte

  • Weimarer Republik und ihre Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, Deutsch-polnische Beziehungen im 20. Jahrhundert
  • Diskursgeschichte
  • Grenzforschung
  • Geopolitik, Politische Kartographie der Zwischenkriegszeit
 

Aktivitäten

  • Mitglied am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Gießen
 

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: "Die öffentliche Diskussion der Ostgrenzen in der frühen Weimarer Republik"

Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete für das Deutsche Reich wirtschaftliche, (außen-) politische und militärische Schwächung und territoriale Verluste. Vor dem Hintergrund eines auf eine expansive Territorialpolitik angelegten Krieges wiegten die geänderten Grenzlinien und die damit verbundenen territorialen Verluste besonders schwer im deutschen Bewusstsein. In ihnen schienen sich alle politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen der Niederlage zu konzentrieren. Deshalb wurden die Versailler Grenzregelungen zu einer Projektionsfläche für die deutsche Nichtakzeptanz der Kriegsniederlage und die Forderung nach ihrer Revision zu einer Art common sense in der deutschen Bevölkerung. Die deutschen Grenzen wurden zu einem die deutsche Öffentlichkeit dominierenden Thema. In einem regelrechten Grenz-Diskurs wurde eine kaum überschaubare Flut an Publikationen, wissenschaftlichen Abhandlungen, Romanen und Erzählungen und anderen Aufzeichnungen publiziert, die die durch den Versailler Vertrag entstandenen Grenzen delegitimierten, dafür alternative, vermeintlich richtige Grenzziehungen entwarfen und begründeten.

Die öffentliche Debatte über die deutschen Ostgrenzen (zur Tschechoslowakei, Polen und Litauen) der frühen Weimarer Republik ist Gegenstand dieses Dissertationsprojekts, das im Rahmen des Kooperationsprojektes „Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts als Zäsurgeschichte. Das Beispiel der frühen Weimarer Republik“ verfolgt wird. Die Forschung zur deutschen Geschichte der Zwischenkriegszeit hat Grenzen bisher entweder aus klassisch außenpolitikgeschichtlicher Perspektive, im Hinblick auf zwischenstaatliche Grenzkonflikte oder im Zusammenhang mit dem deutschen Raumdenken (in den Geo- und Politikwissenschaften) dieser Periode thematisiert. Das Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, durch die systematische Erfassung und Analyse der öffentlichen Diskussion über die Ostgrenzen die deutsche Grenzthematik der Zwischenkriegszeit aus einer diskursanalytischen Perspektive zu beleuchten und in Beziehung zu gesellschaftlichen Entwicklungen zu bringen. Grenzen sind nicht nur Teil des internationalen Systems, ihnen kommt auch für nationale Gesellschaften eine grundlegende Bedeutung zu (etwa bei nationalen Identitätsbildungsprozessen). Die Analyse des Grenz-Diskurses der Weimarer Ostgrenzen stellt demnach am Beispiel eines der zentralen Themen dieser Zeit Fragen nach der Konsensfindung und diskursiven Teilhabe im demokratischen Rahmen der frühen Weimarer Republik in den Vordergrund: Auf welche Weise konnte sich die Nicht-Akzeptanz der Versailler Grenzregelungen innerhalb der deutschen Öffentlichkeit zu einer Art common sense entwickeln? Welche Strategien zur Delegitimation der Versailler Grenzen konkurrierten miteinander, setzten sich durch und trugen damit zur Konsensfindung bei? Wer waren die Partizipanten an der öffentlichen Diskussion und wo kann diese verortet werden? Welchen Stellenwert hatten die einzelnen öffentlichen Diskussionen zu den drei deutschen Ostgrenzen (zur Tschechoslowakei, Polen, Litauen) zueinander, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten können ausgemacht werden?
Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, sollen sowohl die Diskursarenen als auch die Trägermedien des Ostgrenzen-Diskurses untersucht werden. Dabei sollen die öffentlichen Diskussionen zu den drei deutschen Ostgrenzen kontrastiv nebeneinander gestellt und verglichen werden. Hierzu wird nicht nur die politisch-publizistische Debatte dargestellt und mit diskursanalytischen Methoden analysiert - von zentraler Bedeutung sind auch Debatten in Parlamenten und Landtagen, Parteiprogramme, Publikationen entsprechender Verbände, aber auch Beiträge der Wissenschaft, etwa aus dem Fachbereich der Geopolitik. Es wird davon ausgegangen, dass aus dem Umfeld der Geopolitik und Politischen Geographie, politikberatende Leitdisziplinen der Zwischenkriegszeit, die zentralen Argumentationsmuster und Delegitimationsstrategien des Grenz-Diskurses entwickelt wurden. Vor diesem Hintergrund soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise diese Argumente aus dem Fachdiskurs Eingang in den Grenz-Diskurs fanden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse bildlicher Quellen, etwa in der politischen Publizistik, Karikaturen oder Propagandapostkarten, vor allem jedoch in Kartenmaterial. Gerade die bildlichen Beiträge zum Grenz-Diskurs können als eine Art visuelle Konkretisierung der diskutierten Grenzthematik und damit als eine Unterstützung der Argumentationslinien angesehen werden. Angesichts der zentralen Rolle der Geopolitik innerhalb des Grenz-Diskurses wird davon ausgegangen, dass gerade die Darstellung der Ostgrenzenproblematik in Karten eine besondere Position innerhalb der Etablierung des Konsenses über ihre Nichtakzeptanz in der Bevölkerung spielte. Durch die Einbeziehung von Bildmaterial in das Quellenkorpus wird der Versuch unternommen, einem bisherigen Defizit der historischen Diskursanalyse, der Einbeziehung von Text-Bild-Relationen, beizukommen.

Die Analyse des Ostgrenzen-Diskurses der frühen 1920er Jahre mittels diskursanalytischer Methoden soll aufzeigen, wie sich die Nichtakzeptanz der Versailler Grenzregelungen anhand bestimmter Argumentationsmuster zu einer allgemeingültigen Wahrheit im öffentlichen Bewusstsein entwickeln konnte. Dieser Vorgang ist insofern von Bedeutung, da er in direkten Zusammenhang mit der Kriegsbereitschaft eines Großteils der Bevölkerung im Jahr 1939 gebracht werden kann.

 

Dr. Christian Lotz

Biographie

seit 10/2010

PostDoc-Stipendiat in der Leibniz Graduate School

2008/2009

verschiedene Stipendien und Forschungsaufenthalte u.a. am Institut für Europäische Geschichte in Mainz sowie an den Deutschen Historischen Instituten in Warschau und London

2007

Promotion am Historischen Institut der Universität Stuttgart mit der Arbeit „Die Deutung des Verlust. Erinnerungspolitische Kontroversen im geteilten Deutschland um Flucht, Vertreibung und die Ostgebiete 1948–1972“ (Böhlau-Verlag, Köln 2007)

seit 2003

mehrere Ausstellungs- und Forschungsprojekte im Rahmen des Leipziger Kreises – Forum für Wissenschaft und Kunst

2003

wissenschaftlicher Mitarbeiter am Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europa-Studien der Universität Wrocław/Breslau

 

Studium der Geschichte und Sozialwissenschaften an den Universitäten Leipzig, Edinburgh, Wien und Poznań/Posen

1976

geb.

 

Forschungsschwerpunkte

  • Politik- und Kulturgeschichte Deutschlands, Ostmittel- und Nordeuropas im 19. und 20. Jahrhundert
  • deutsch-polnische Beziehungen; Geschichte von und Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen nach 1945
  • Kartographiegeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Erinnerungspolitik und Erinnerungskultur

 

Habilitationsvorhaben

Arbeitstitel: "Raum und Zeit als unberechenbare Variablen? Zukunftsplanungen zur Nutzung europäischer Holzressourcen unter dem Eindruck industrialisierter Beschleunigung und Entgrenzung (ca. 1870-1914)"

Für die Ökonomien der europäischen Länder stellte Holz im 19. Jahrhundert eine wesentliche Ressource dar. Auch wenn Kohle und Öl zunehmend als Energieträger genutzt wurden, wuchs der Verbrauch von Holz weiter, insbesondere für den Ausbau von Bergwerken, des Eisenbahnnetzes sowie für den Städte- und Schiffbau. Unter dem Eindruck raschen Wirtschaftswachstums und steigenden Verbrauchs sahen sich mehrere Wissenschaftsdisziplinen – von der Ökonomie über die Forstwissenschaft bis zur Statistik – herausgefordert, die gegebenen Vorkommen und die zukünftige Verfügbarkeit von Holzressourcen möglichst genau zu bestimmen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt folgende Fragestellung: In welcher Weise und unter welchen Bedingungen erzeugten die beteiligen Forscher wissenschaftliches Wissen über Vorhandensein und Verfügbarkeit von Holzressourcen? Wie veränderten sich die Fach-Diskurse über Holz-Ressourcen innerhalb der Imperien Ostmitteleuropas und im internationalen Rahmen? Welchen Einfluß hatten politische und wirtschaftliche Faktoren auf die Arbeit der Wissenschaftler? Welche Rolle spielten zeitliche und räumliche Horizonte in den Debatten um die gegenwärtige und zukünftige Verfügbarkeit von Holzressourcen, und wie veränderten sich diese Horizonte?

Das Projekt analysiert für die Zeit zwischen 1870 und 1914 die Arbeit von Wissenschaftlern auf zwei Ebenen: Zum einen innerhalb der Imperien Ostmitteleuropas, also im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und im Russischen Reich: Hier betrachtet das Projekt vor allem die Tätigkeiten von Wissenschaftlern an den landeseigenen Forstakademien und Versuchsstationen. Zum anderen untersucht das Projekt die gesamteuropäische Ebene: Als Foren und Medien des grenzübergreifenden Wissensaustauschs nutzten die Fachleute verschiedene Zeitschriften, reisten zu Studienaufenthalten und Erkundungsfahrten in andere Länder und Regionen Europas und verhandelten Probleme auf internationalen Kongressen und Ausstellungen. Auf dieser gesamteuropäischen Ebene werden neben den deutschen, österreich-ungarischen und russischen Quellen ergänzend skandinavische und britische Materialien herangezogen.

Tomaš Nenartovič

Biographie

Seit 2011

Stipendiat der Leibniz Graduate School for Cultures of Knowledge in Central European Transnational Contexts

2008 - 2011

Interdisziplinärer Masterstudiengang zum östlichen Europa an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, Deutschland

2004 - 2008

Bakkalaureat Deutsche Philologie an der Pädagogischen Universität Vilnius, Litauen

1985

Geb. in Vilnius

 

Forschungsschwerpunkte

  • Historiographiegeschichte im 20. Jahrhundert
  • Nationalismus
  • Kartographiegeschichten

 

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Territorialisierungsprojekte und Geopolitik in Nordosteuropa 1890-1939

Geographen, Geophysiker, Geologen, Ethnographen und andere Wissenschaftler spielten und spielen immer wieder eine zentrale Rolle bei der Bildung und Entwicklung von Nationen. In ihren Darstellungen der Anthropo- wie der physischen Geographie beschreiben sie ihren Untersuchungsgegenstand in fest angelegten Grenzen oder bestimmen sogar Grenzen selbst mit der Hilfe von Medien wie Karten, Schulbüchern, Atlanten etc. Gerade im späten 19. und 20. Jahrhundert ist ein besonderer Einfluss des Expertenwissens bei der Begründung und Legitimierung nationaler Ansprüche in Nordosteuropa zu beobachten.

Im Projekt wird auf den baltisch-slawischen Raum eingegangen, der während der russländischen Periode von russländischen Wissenschaftlern als „Nordwestrussland“ (russ. Severo-zapadnyj kraj) bezeichnet wurde. In diesem Kontext sollen die Beziehungen zwischen den als „polnisch“, „litauisch“, „belarussisch“, „russisch“ und „deutsch“ konnotierten geographischen und kartographischen Expertenkulturen und ihren Beziehungen zu den Politikern beschrieben werden. Wichtig ist auch die Berücksichtigung nationaler, sprachlicher und religiöser Identitätsargumente, die geographisch-kartographisch benutzt wurden, da die Großregion ein Grenzgebiet der katholisch-orthodoxen-hebräischen Glaubensrichtungen sowie der baltisch-slawischen-germanischen nationalen Interessen war. Daher ist eine transnationale Perspektive unabdinglich, um die geopolitischen Diskurse nachzeichnen und diese vergleichend interpretieren zu können.

Jasmin Nithammer, M.A.

Biographie

seit 2011

Projektmitarbeiterin am Herder-Institut im Projekt: „Digitaler Atlas politischer Raumbilder zu Ostmitteleuropa im 20. Jh.“, Dissertationsprojekt: „Die Grenzen des Eisernen Vorhangs am Beispiel Polens und der Tschechoslowakei“

2009

Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums und der Gedenkstätte Sachsenhausen im Ausstellungsprojekt: Vergessene Vernichtung? Polnische und tschechische „Intelligenz“ in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück zu Beginn des Zweiten Weltkriegs

2007

Mitarbeit am Projekt „Das polnische Berlin-Eine Spurensuche“ am OEI der Freien Universität Berlin

2006-2007

Praktikum am Zentrum für Historische Forschung der polnischen Akademie der Wissenschaften Berlin

2006-2008

Studium der Osteuropastudien an der Freien Universität Berlin

2005

Praktikum am Deutschen Historischen Institut inWarschau, Praktikum am Muzeum Powstania Warszawskiego

2003-2006

Studium der Geschichte und Slawischen Philologie an der Ruhr-Universität Bochum

1983

geb. in Warschau/Polen

 

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: "Die Grenzen des Eisernen Vorhangs am Beispiel Polens und der Tschechoslowakei"

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff „Eiserner Vorhang“ zu einem Synonym für Unfreiheit, Rückstand, Staatssozialismus, Gewalt, das totalitäre System und den Kalten Krieg. Das sozialistische System verfolgte mit dem Eisernen Vorhang als Block- und Systemgrenze durch eine hermetische Abschottung aller Lebensbereiche vom „kapitalistischen Westen“ eine radikale Grenzpolitik. Die Außengrenzen des sowjetischen Machtbereiches wurden stark befestigt, um dem Sicherheitsbedürfnis der UdSSR gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund nahmen Polen, mit seiner Ostseeküste und der damit verbundenen Seegrenze zu den nordeuropäischen Staaten, sowie die Tschechoslowakei mit ihrer direkten Grenze zur Bundesrepublik Deutschland eine besondere Rolle ein, die in dem Dissertationsprojekt untersucht wird.

Bei einem Vergleich der beiden Grenzen, ihrer Grenzregime und Grenzpolitik sowie der damit in Zusammenhang stehenden Raumkonzepte steht die Bedeutung von Räumlichkeit, Macht und Geopolitik bei der Herstellung sozialer Wirklichkeit, die Rolle der Kartografie im politischen Diskurs der jeweiligen Volksrepublik, die kartografische Darstellung territorialer Vorstellungen, sowie die Herstellung, Wahrnehmung und Propagierung bestimmter Raumbilder und -konzepte im Vordergrund.

Durch die Analyse der Quellenmaterialien (Karten, politische Publizistik, bildliche Raum- und Grenzdarstellungen), unter Berücksichtigung von Zensur und Propaganda, sollen die Bedeutung der Grenzen des Eisernen Vorhangs bei der Konstruktion von Raumbildern im sozialistischen System  anhand zweier unterschiedlicher Grenztypen (Seegrenze vs. Landgrenze) herausgearbeitet und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede dargestellt werden.

Popov, Vadim

Popov, Vadim
28167 | vadim.popov@geschichte.uni-giessen.de | Projektmitarbeiter
bild

Dr. Paul Srodecki

Inhalt: Biographie | Wissenschaftliche Publikationen | Forschungsschwerpunkte | Dissertationsprojekt

Biographie

Abschlüsse und berufliche Qualifikationen
11/2013–05/2014 Berufliche Fortbildung an der Steuer- und Wirtschaftsakademie Frankfurt a. M. zum zertifizierten Referenten für: Kultur- und Wissenschaftsmanagement, Projektmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, Personal
12/2009–11/2013 Promotion in Mittelalterlicher und Osteuropäischer Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Prädikat: summa cum laude
10/2002–02/2009 Studium der Mittelalterlichen Geschichte (HF), der Wirtschafts- und Sozialgeschichte (NF) und der Wissenschaftlichen Politik (NF) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Brsg. Abschluss: Magister Artium
09/2001–08/2002 Berufsakademie Mosbach, Fachrichtung: Diplom-Betriebswirt
07/2000 Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife am Gustav-von-Schmoller-Gymnasium Heilbronn
Berufliche Tätigkeiten, Praktika

Seit 06/2015

Stellvertretender Projektleiter des EU-geförderten Projektes „Collective Identity in Social Networks in East Central Europe“, Universität Ostrava, Tschechien

Seit 06/2015

Freier Dozent am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität Ostrava, Tschechien

Seit 04/2015

Freier Dozent an den Lehrstühlen für Osteuropäische Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Landesgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen

Seit 12/2014 Ausbildungsakquisiteur, Hochschulteam der Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) sowie für Arbeit und Soziales (BMAS)
11/2014–12/2014 Praktikum beim Kreisarchiv Gießen
12/2009–11/2013 Projektkoordinator am Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) Arbeitsbereich: Projektmanagement, Planung, Organisation und Durchführung von „GiZo-Karrieretagen“, Tagungen, Konferenzen und Workshops, Archivierung von Akten und Dokumenten, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Akquise und Verwaltung von Drittmitteln und Zuschüssen
12/2009–11/2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der JLU Gießen, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte
08/2000–07/2001 Zivildienst an der Astrid-Lindgren-Sonderschule für Körper- und Geistigbehinderte
Werkverträge, Stipendien, Auslandsaufenthalte
05/2014–06/2014 Gastwissenschaftler am Historischen Institut der Universität Pécs (Stipendium des Gießener Zentrums Östliches Europa)
Seit 01/2014 Redaktionelle Mitarbeit an der DFG-finanzierten Publikation „Kulturelle Prozesse und Identitätsdiskurse im östlichen Europa“
Seit 07/2012 Freier Mitarbeiter am Herder Institut, Marburg, Sektion: Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte (Redaktionelle Mitarbeit, Übersetzungen: Latein – Deutsch, Französisch – Deutsch, Polnisch – Deutsch, Englisch – Deutsch)
03/2011–05/2011 Stipendium des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Östliches Europa (GWZO), Leipzig
09/2010–11/2010 Gastwissenschaftler am Historischen Institut der Universität Pécs (Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes)
Bisherige, forschungsbedingte Archivaufenthalte
05/2014–06/2014 Klimó-Bibliothek, Pécs, Ungarn
09/2013–10/2013 Archiwum Państwowe [Staatsarchiv], Zamość, Polen
11/2012–12/2012 Biblioteca Marciana, Venedig, Italien
10/2012–11/2012 Archivio Segreto, Vatikan
09/2011–10/2011 Staatsarchiv Wolfenbüttel (Niedersächsisches Landesarchiv)
03/2011–05/2011 Archiv des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Östliches Europa (GWZO), Leipzig
11/2010 Zentralarchiv des Deutschen Ordens, Wien, Österreich
09/2010–11/2010 Széchényi Nationalbibliohek, Budapest, Ungarn
03/2008–06/2008 Bundesarchiv, Abt. Militärarchiv, Freiburg i. Brsg.

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Wissenschaftliche Publikationen

Monographien und Herausgeberschaften

  • Antemurale Christianitatis. Zur Genese der Bollwerksrhetorik im östlichen Mitteleuropa an der Schwelle vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, Husum 2015 (Historische Studien, 508). [mehr...]

Aufsätze

  • …quia inter vos, qui estis firmissima propugnacula christianorum, stabilita concordia est valde opportune… Sacerdotium und Imperium als vermittelnde Kräfte im Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und dem Königreich Polen im frühen 15. Jahrhundert, in: Krisen – Konflikte – Konsolidierungen. Politische, religiöse und gesellschaftliche Herausforderungen in Zentraleuropa um 1400, hg. v. Renata Skowrońska u. a. [im Druck].
  • Bullwarks of Anti-Bolshevism. The Roman Catholic Church in East Central Europe and the Antemurale Propaganda of the Interwar Years, in: Bulwarks in a „Religious Triangle“. Borderland Myths in East European Multiconfessional Societies in the Age of Nationalism, hg. v. Liliya Berezhnaya u. Heidi Hein-Kirchner [im Druck].
  • Antemurale-based frontier identities in East Central Europe and their ideological roots in medieval/early modern alterity and alienity discourses, in: Collective Identity in the Context of Medieval Studies, hg. v. Robert Antonín u. Michaela Antonín Malaníková [im Druck].
  • The Polish-Swedish War of 1655–1660 in contemporary German reports, in: Wokół układu kiejdańskiego 1655 roku. Rzeczpospolita Obojga Narodów w dobie potopu, hg. v. Instytut Historii im. Tadeusza Manteuffla PAN u. Instytut Historii Akademii im. Jana Długosza w Częstochowie [in Vorbereitung].

  • Władysław III and the Polish-Hungarian bulwark topoi against the background of the Ottoman threat in the 15th century, in: Hungary and Poland in the Middle Ages, hg. v. Dániel Bagi, Gábor Barabás, Zsolt Máté [im Druck].

  • Universe christiane reipublice validissima propugnacula – Jagiellonian Europe in bulwark descriptions around 1500, in: The Jagiellonians in Europe. Dynastic Diplomacy and Foreign Relations, hg. v. Attila Bárán, Attila Györkös u. Ádám Novák [im Druck].

  • Porta della Christianita und muro del Hungaria et Pollonia. Das defensio fidei-Motiv in den Donaufürstentümern unter Vlad III. dem Pfähler und Stephan III. dem Großen, in: Vlad Dracula. Tyrann oder Volkstribun?, hg. v. Thomas Bohn, Rayk Einax u. Stefan Rohdewald [im Druck].
  • Veränderungen im europäischen Wehrbau an der Schwelle vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit im Spiegel humanistischer Bollwerksrhetorik, in: Von der Burg zur Festung. Aufsätze zur 22. Jahrestagung der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern e. V., hg. v. Christian Otterbach u. Guido von Büren [im Druck].
  • Humanisten als Träger dynastischer Diplomatie an ostmitteleuropäischen Höfen, in: Akteure mittelalterlicher Außenpolitik. Das Beispiel Ostmitteleuropas, hg. v. Norbert Kersken u. Stephan Flemmig [im Druck].
  • Religiös motivierte Alteritäts- und Alienitätsdiskurse im christilichen Abendland vor dem Hintergrund der frühneuzeitlichen Glaubenskriege, in: Kulturelle Prozesse und Identitätsdiskurse im östlichen Europa, hg. v. Hans-Jürgen Bömelburg, Monika Wingender, Markus Koller u. Mark Kirchner [Harrassowitz Verlag, erscheint 2016].
  • Polen in der Piasten- und Anjouzeit, in: Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte (2015), url: https://www.herder-institut.de/go/HF-c892e0 (03.05.2016).
  • [mit Krista Zach] Michaelskirche, in: Lexikon der regionalen Literaturgeschichte des Mittelalters. Ungarn und Rumänien, hg. v. Cora Dietl u. Anna-Lena Liebermann, Berlin u. a. 2015, S. 211. [mehr...]
  • Murus et antemurale pollens et propugnaculum tocius christianitatis. Der Traktatenstreit zwischen dem Deutschen Orden und dem Königreich Polen im Zeitalter des Konziliarismus, in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte109 (2015), S. 47–65. [mehr...].
  • Einige Bemerkungen zur gescheiterten Kronkandidatur Bertholds V. von Zähringen im März 1198, in: Specima Nova. Pars Prima. Sectio Mediaevalis 8 (2015), S. 45–63. [mehr...]
  • Schilt der cristenheite i scutum christianitatis - spory polsko-krzyżackie a retoryka przedmurza/ tarczy na początku XV wieku [Schilt der cristenheite und scutum christianitatis. Der Streit zwischen dem Deutschen Orden und dem Königreich Polen und die Bollwerks-/Schildrhetorik am Anfang des 15. Jahrhunderts], in: Unia w Horodle na tle stosunków polsko-litewskich. Od Krewa do Zaręczenia wzajemnego Obojga Narodów [Die Union von Horodło vor dem Hintergrund der polnisch-litauischen Beziehungen. Von Krewo bis zur Republik Beider Nationen], hg. v. Sławomir Górzyński, Warszawa 2015, S. 147-163. [mehr...]
  • Antemurale Christianitatis, in: Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa. Konstruktion und Konkurrenz im nationalen- und epochenübergreifenden Zugriff, hg. v. Joachim Bahlcke u. Thomas Wünsch, Berlin 2013, S. 804–822. [mehr...]
  • Contre les ennemis de la foy de Dieu. Der Kreuzzug von Nikopolis und das abendländische Türkenbild um 1400, in: Das Bild des Feindes. Konstruktion von Antagonismen und Kulturtransfer im Zeitalter der Türkenkriege, hg. v. Eckhard Leuschner u. Thomas Wünsch, Berlin 2013, S. 33–49. [mehr...]
  • Scutum inexpugnabile contra crudelem gentem Tartarorum. The use of the „Christian outpost“ propaganda to legitimise the conquest of Galicia-Volhynia under the two last Piast kings of Poland, 1323–1370, in: Colloquia Russica 2 (2012), S. 114–120. [mehr...]
  • Validissima semper Christianitatis propugnacula. Zur Entstehung der Bollwerksrhetorik in Polen und Ungarn im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Sarmatismus versus Orientalismus in Mitteleuropa, Berlin 2012, S. 131–168. [mehr...]

Rezensionen (Auswahl)

  • Naegle, Gisela (Hg.): Frieden schaffen und sich verteidigen im Spätmittelalter/Faire la paix et se défendre à la fin du Moyen Âge (Pariser Historische Studien 98), in: Historische Zeitschrift [im Druck].
  • Dücker, Julia: Reichsversammlungen im Spätmittelalter. Politische Willensbildung in Polen, Ungarn und Deutschland (Mittelalter-Forschungen 37), in: ZfO 63,1 (2014), S. 113–115.
  • Koller, Markus: Eine Gesellschaft im Wandel. Die osmanische Herrschaft in Ungarn im 17. Jahrhundert (1606–1683), in: ZfO 62 (2013), S. 650–652.
  • Bues, Almut: Die Jagiellonen. Herrscher zwischen Ostsee und Adria, in: ZfO 61,1 (2012), S. 73–76.
  • Borkowska, Urszula/ Hörsch, Markus (Hg.): Hofkultur der Jagiellonendynastie und verwandter Fürstenhäuser (Studia Jagellonica Lipsiensia 6), in: ZfO 61,1 (2012), S. 73–76.

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Forschungsschwerpunkte

  • Mittelalterliche und frühneuzeitliche Kultur-, Geistes-, Politik- und Militärgeschichte des östlichen und südöstlichen Europa
  • Geschichte der Kreuzzüge und der Kreuzzugsbewegung vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit
  • Adlige Herrschaft und Kultur
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Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: „Antemurale-Vorstellungen zwischen Heiligem Stuhl, Venedig, Ungarn und Polen. Verbreitungsinstanzen und Rezeptionspfade 1440-1550“

Ausgangspunkt des Forschungsprojekts soll die Beobachtung sein, dass insbesondere in den ostmitteleuropäischen Gesellschaften, konkret in Ungarn, Kroatien und Polen, seit dem späten Mittelalter eine Begriffsschicht und eine Topik existiert, die jeweils das eigene Regnum und die eigene Gemeinschaft zu einer „Vormauer der Christenheit“ – säkularisiert dann zu einer „Vormauer Europas“ – stilisiert. Eine Topik, die insbesondere vom 15. bis zum 17. Jahrhundert eine europaweite Ausbreitung findet. Das suggestive Bild einer sich in einer Festung befindenden und von Feinden umringten Gemeinschaft, die auf den Vormauern verteidigt werden muss, erlebte insbesondere in der Zeit der Türkenkriege einen starken Anstieg und letztendlich eine europaweite Diffusion der Verteidigungstopoi. Der Begriff wurde aus dem zeitgenössisch höchst modernen Feld der Militärtechnik und –strategie entlehnt. Hier waren mit der Entwicklung der Artillerie herkömmliche Burg- und Festungsbauten entwertet, ja fast nutzlos geworden und es mussten neue Befestigungsformen bzw. neue Strategien gefunden werden. Befestigungsanlagen in Form von sternförmigen Bastionen und Vormauern hinter massiven Erdwällen, die auch einem konzentrierten Angriff standhalten konnten, wurden entwickelt. Der Diskurs besitzt durch seinen Rückbezug auf zeitgenössische Kriegspraxen also von Anfang an eine hohe Militanz, die ein Aufgreifen vor allem in Krisensituationen und unter dem Eindruck von Bedrohungsszenarios nahe legte. Der Fall der Vormauern bedeutete frei nach der spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Domino-Theorie die unmittelbare Bedrohung der Festung und mit ihr der ganzen Gemeinschaft, ja der ganzen Zivilisation, in diesem Fall der christianitas.

Das Ziel der Dissertation soll es sein, die Entstehung, Durchsetzung, Diffusion und europaweite Rezeption des Antemurale-Konzepts zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert mithilfe der Transfer-, Diskurs-, Begriffs- und Rezeptionsforschung aufzuzeigen. Dabei sollen die Untersuchungen der sich ausbildenden Topik – hier spielt insbesondere das 15. Jahrhundert eine entscheidende Rolle –, die bisher größtenteils außer Acht gelassenen Bildquellen als auch die recht früh einsetzende Instrumentalisierung und propagandistische Nutzung der Topoi durch die beteiligten kirchlichen Instanzen bis hin zum Papsttum als womöglichen Initiator des Antemurale-Konzepts, in der höfischen Politik der spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Dynastien wie auch in der Diplomatie behandeln. Die Kombination der Ansätze innerhalb der Begriffsgeschichte, der Diskursanalyse und der historischen Bildwissenschaften ermöglicht eine tiefgreifende Analyse der bereits erwähnten, zahlreichen lateinischen wie auch nationalsprachlichen Ausprägungen des Antemurale-Begriffes.

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Daria Starčenko

Biographie

 

Seit 2011

wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Gewaltgemeinschaften“. Dissertationsprojekt zum Thema: „(See-)Beutezüge – Rivalitäten – Aufstände: Dynamiken kollektiver Gewalt bei den Zaporoger Kosaken, 1590-1648“ (vorläufiger Titel) (Betreuer: Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg)

2010

Magistra Artium

2006

Mitarbeit an einem Teilprojekt im Zuge der Vorbereitungen auf das 400-jährige Universitätsjubiläum der Justus-Liebig-Universität, Gießen.

2006-2010

studentische Hilfskraft am Historischen Institut Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität, Gießen

2005-2010

studentische Hilfskraft am Historischen Institut Neuzeit II an der Justus-Liebig-Universität, Gießen

2004

Bearbeitung und Archivierung der Neuenhagen-Sammlung – einer kleinen Quellensammlung zur allgemeinen und regionalen Geschichte des Dreißigjährigen Krieges – im Oberhessischen Museum Gießen

2003 - 2010

Studium der Mittleren- und Neueren Geschichte, Osteuropäischen Geschichte, Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und an der University of Bristol

1983 

geb. in Riga, Lettland

 

Dissertationsprojekt

(See-)Beutezüge - Rivalitäten - Aufstände: Dynamiken kollektiver Gewalt bei den Zaporoger Kosaken, 1590-1648 (vorläufiger Titel)

Das Arbeitsvorhaben widmet sich den polnisch-litauischen (Zaporoger) Kosaken als frühneuzeitlichen Gewaltgemeinschaften in der heutigen West- und Zentralukraine, historisch Territorien Polen-Litauens, zwischen 1590 und 1648. In diesen Territorien, die von den Krimtataren, dem Osmanischen Reich und Moskauer Eingriffen bedroht waren, bestand eine frontier-Situation und -Gesellschaft, in der infolge der fehlenden administrativen Durchdringung und ständischen Verdichtung Gewaltpraxen große Bedeutung besaßen. Autochthone Gewaltbünde der Kosaken entstanden hier als wechselseitige Schutzbündnisse und Beuteverbände. Der polnische Hof suchte das militärische und demographische Potential der Region durch langfristige Anwerbungen von Registerkosaken und kurzfristige Rekrutierungen von Söldnerkosaken auszunutzen. Hier entstand der größte frühneuzeitliche Söldnermarkt des östlichen Europa. Kosaken wurden vor allem für Kriege (Söldner) oder die frontier-Sicherung (Kosakenregister), darüber hinaus aber auch für fehdeähnliche Privatkonflikte des Adels rekrutiert. Nach Abschluss der Kriegskampagnen verweigerten die Söldner die Auflösung ihrer Verbände, marodierten in frontier-Siedlungen, erpressten Sold und gerieten in Konflikt mit Grundbesitzern und lokalen Verwaltungsinstanzen. In einigen Fällen verstetigten sich diese Konflikte. Oft gesteigert durch Konkurrenz verschiedener Kosakenverbände untereinander eskalierten Revolten, die eine derart hohe überregionale und kommunikative Reichweite und Gewaltintensität besaßen, dass sie ohne eine militärische Intervention nicht mehr entschärft und unterbunden werden konnten (1591-93; 1595/96; 1625; 1630, 1637/8). Durch das "handwerkliche Verhältnis zu Gewalt" war auch die Ressourcenbeschaffung der Kriegergruppen zunehmend an deren Gewaltpraktiken gebunden. Benötigte Ressourcen beschafften die Kosaken in der Regel durch den Einsatz von Gewalt, ob als Söldner im Auftrag eines Dienstgebers oder auf eigene Faust. Exemplarisch sind die regelmäßig in der Steppenregion und entlang der Schwarzmeerküste unternommenen (See-)Beutezüge - logistisch und organisatorisch komplexe kleinkriegerische Aktionen mit ökonomischen Zielen. Untersucht werden Praktiken von Gewaltandrohung, Gewaltausübung und das Beuteverhalten in diesen Konflikten, wobei die Frage, inwieweit Gewalt und Beute die Gruppen stabilisierten und deren innere Strukturen und Wertordnungen beeinflussten, im Zentrum steht. Das Projekt möchte Gewaltdynamiken und die Reichweite von Vergesellschaftung durch Gewalt und Beute, die Bedeutung der frontier-Situation sowie den Einfluss des polnisch-litauischen Söldner- und Gewaltmarktes untersuchen und zur Neuverortung zentraler Konfliktsituationen im frühmodernen Osteuropa beitragen, die bis heute ukrainische, russische und polnische Vergangenheitspolitiken prägt.

 

Dr. Michael Zok

Biographie

Seit 10/2008

Projektmitarbeiter am Herder-Institut e.V. im LOEWE-Teilprojekt B2: Mediale Aufarbeitung des Holocaust, Dissertationsprojekt: „Die Vernichtung  der europäischen Juden im polnischen Fernsehen 1968-1989. Zwischen Marginalisierung und Wiederentdeckung“

8-9/2008

Wissenschaftliche Hilfskraft im Herder-Institut e.V., Abteilung Veröffentlichungen  / Grundlagenarbeit

1-6/2008

Studentische Hilfskraft im Herder-Institut e.V. Marburg, Abteilung Veröffentlichungen  / Grundlagenarbeit

2-3/2007

Praktikum beim Herder-Institut e.V

2004-2008

Studium der Fächer Osteuropäische Geschichte und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen

2001

Erwerb des Abiturs am Lothar-Meyer-Gymnasium Varel (Oldb.)

1982

geb. in Tichau, Polen

 

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: "Kommunistische Geschichts- und Medienpolitik in Polen 1944-1989: Die Holocaust-Darstellung und deren Rezeption"

Mit der „Zäsur von 1979“ (Frank Bösch), der Ausstrahlung der US-amerikanischen Serie „Holocaust“, wird ein erinnerungskultureller Umbruch verbunden, der die Erinnerung an die Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten fest in das kulturelle Ge-dächtnis der USA und Westeuropas verankerte. Auch das kulturelle Gedächtnis der polni-schen Gesellschaft unterlag zu diesem Zeitpunkt Umbrüchen, die ebenfalls die Erinnerung an den Holocaust betrafen.

 

Das Dissertationsprojekt hat das Ziel, die Darstellung und Relevanz des Holocaust im polni-schen Fernsehen in den Jahren von 1968 bis 1989 zu untersuchen. Dabei sollen insbesondere Täter- und Opferkonstruktionen und die Sendepolitik des Staatsfernsehens in den Blick ge-nommen werden. Kontextualisiert wird die Untersuchung der televisuellen Erinne-rung(spolitik) mit den Diskursen um den Holocaust innerhalb der Geschichtswissenschaft und der Publizistik und fragt nach den Grenzen des Sag-(und Zeig-)baren in den verschiedenen Diskursarenen sowie nach deren Interdependenzen.

 

Im Fokus der Untersuchung soll einerseits die Dekade des „Organisierten Vergessens“ (Mar-cin Zaremba), d.h. die 1970er Jahre, stehen, in der der Holocaust im polnischen Fernsehen (und nicht nur dort) nahezu vollständig marginalisiert wurde. Es soll erforscht werden, ob diese Marginalisierung auch innerhalb der Gesellschaft vorherrschte, oder ob es Versuche gab, besonders an neuralgischen Erinnerungsmomenten wie dem Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto, die Marginalisierung zu durchbrechen. Dabei soll diese Frage in einem kulturgeschichtlichen Rahmen eingebettet werden.

 

Das Ende der 1970er Jahre, der erinnerungskulturelle Umbruch, bildet einen weiteren Unter-suchungsschwerpunkt. Zwar wurde die Serie „Holocaust“ während der kommunistischen Herrschaft in Polen nicht ausgestrahlt, dennoch stellte sie einen Impuls für die Auseinander-setzung mit der Ermordung der europäischen Juden und deren Erinnerung dar. Auch im Pol-nischen Fernsehen ließ sich in den frühen 1980er Jahren – ähnlich wie in Westeuropa und den USA – ein vermehrtes Interesse an Holocaust-thematisierenden Sendungen feststellen.

 

1985 handelte das Polnische Fernsehen hinsichtlich der sensiblen Problematik, die sich aus dem Ausland kommend mit dem polnisch-jüdischen Beziehungen während des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzte, anders als zuvor bei „Holocaust“: Als Claude Lanzmanns Film „Shoah“ in den westeuropäischen Fernsehprogrammen ausgestrahlt wurde, folgte das Polni-sche Fernsehen diesem Beispiel und strahlte eine Kurzfassung des Dokumentarfilms aus, in dem alle Polen betreffenden Elemente gezeigt wurden.

Die Ausstrahlung von Claude Lanzmanns Film bildete den Auftakt zu einer stark vermehrten Auseinandersetzung (nicht nur im Fernsehen) mit der Thematik, die an dem geradezu als „Explosion“ zu bezeichnenden Anstieg der Ausstrahlungshäufigkeit von Holocaust-thematisierenden Sendungen abzulesen ist. Die Untersuchung wird letztendlich versuchen, zu ergründen, welche Faktoren in den Jahren 1978/79 bis 1985– von der Nicht-Ausstrahlung von „Holocaust“ bis hin zu „Shoah“ – und darüber hinaus bis zum Ende der kommunistischen Herrschaft innerhalb der Erinnerungspolitik und -kultur, der Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt innerhalb der Medienlandschaft grundlegenden Wandlungen unterworfen waren, die die „Wiederentdeckung“ der Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden und die Thematisierung der polnisch-jüdischen Beziehungen während der Besatzung (auch im Fern-sehen) förderten. Insbesondere soll auch an dieser Stelle die Frage nach neuen narrativen Elementen gestellt werden.

Sebastian Paul

Paul, Sebastian, M. A.
28262 | sebastian.paul@herder-institut.de | Lehrauftrag
bild
Lehrveranstaltungen
Lehrveranstaltungen im laufenden Semester, automatisch zusammengestellt aus dem Bereich "Lehre und Studium" (fb04vv).
Lehrveranstaltungen Archiv
Lehrveranstaltungen früherer Semester (seit Sommersemester 2008), automatisch zusammengestellt aus dem Archiv im Bereich "Lehre und Studium" (fb04vv).

Justyna Turkowska

Francis Ipgrave

Biographie

 
  • seit Februar 2011: Wissenschaftliche Hilfskraft an dem Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo)
  • seit Oktober 2010:  Promotion in Geschichte, Graduate Centre for the Study of Cultures (GCSC), Justus-Liebig Universität, Gießen/Betreuung Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg
  • Oktober 2008 – Juni 2009: Graduierten Studentenvertreter für den Studiengang IMRCEES, Universität von Glasgow
  • September 2008- Juni 2010: International Masters (Int. M.) in Russisch, Central- & Osteuropäische Studien, Universität von Glasgow (mit einem Semester Aufenthalt an der Jagiellonen-Universität in Krakau, 2009-2010)
  • Abschluss: „mit Auszeichnung“
  • August 2007 – Juni 2008: Fremdsprachenassistent im Fach Englisch an der Mornewegschule (Gesamtschule), Darmstadt
  • Januar 2008 – März 2008: Praktikum an dem Deutschen Polen Institut, Darmstadt.
  • Juni 2007: Ausgezeichnung: ‘Lingua Polonica’ Preis – jährlich zuerkannt von der polnischen Regierung an den besten britischen Studenten in Polnisch
  • Oktober 2002 – Juni 2007: Master of Arts (M.A.) in Geschichte und Polnisch, Universität von Glasgow.
  • Abschluss: 1.0 (“with Honours of the First Class“)         
  • Oktober 2004 - Juni 2005: 2 Semester an der Universität von Warschau

 

Publikationen

Ipgrave, F. ‘Polish-German Relations and Securitisation’ in ‘Central Europe: Two Decades After’, Riedel, R. (Hrsg.)  Warsaw: University of Warsaw Press, 2010


Forschungsschwerpunkte

The contemporary history of Poland in the post-World War II period.

The history of Polish-German relations.

The EU and processes of Europeanisation in Central Eastern Europe.


Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: "Locating Europe within Polish and German narratives of the Second World War, 2004-2009: A comparative study of the media discourse on World War II within a contested European arena"
This project is an investigation into the distinct and varying historical narratives of the Second World War which are formulated and mediated through the public discourse in Poland and Germany, and into the ways in which these narratives contribute to the construction of particular and competing conceptions of Europe and European history. Within the political context of the numerous domestic and European-wide debates and political developments which have followed the 2004 enlargement of the European Union, I will seek to explore the ways in which differing understandings of the meaning and significance of the 1939-1945 conflict have served to shape and support particular national viewpoints on the ‘European Project’, and on what the term ‘Europe’ itself means. My research will therefore focus upon the debates in the Polish and German media which surrounded the commemoration of certain key events from this conflict, and will investigate the particular discourse on Europe that emerges in media coverage on and surrounding the key 60-, 65-, and 70-years anniversaries of the key milestones of the Second World War. Through undertaking a detailed analysis of the various media in these two countries between 2004 and 2009, and through exploring the ways in which they mediate and interpret the events of World War II, I will seek to identify the impact that this mediation has had upon constructions of ‘Poland’, ‘Germany’ and ‘Europe’. I will investigate how these two concepts of ‘nation’ and ‘Europe’ relate to each other as they emerge in these discussions, exploring the connections between them and the ways in which they both complement and oppose one another.

 

Iryna Lysenko

LOEWE-Schwerpunkt: Konfliktregionen im östlichen Europa

Teilprojekt "Geschichtspolitik, Identitätsökonomien und Integrationskonzepte als konstituierende Faktoren des russisch-ukrainischen Krisenraums (1945-2015)"

iryna.lysenko@herder-institut.de

+49 6421 184-187


Biographie

09/2003-07/2007

Studium von Pädagogik und Deutsch als Fremdsprache (B.A.) an der Mykolajiwer Staatlichen Universität (Ukraine)

10/2005 – 03/2006 

Auslandssemester an der Universität Konstanz mit einem DAAD-Semesterstipendium

09/2007 – 06/2008

Freiwilligendienst in der Jugedbegegnungsstätte „Lieu d'initiatives et de services des étudiants au Luxembourg“ (Luxemburg)

Seit 09/2008

Geschäftsführerin, NGO “Center for Dialogue and Reconciliation “Iskra” in Mykolaiv (Ukraine). Schwerpunkte: Konfliktregelung und Versöhnung, historisch-politische Bildung, deutsch-ukrainisch-russische Jugendbegegnungen

09/2009 – 08/2010

Freiwilligendienst in der Gedenkstätte Stutthof in Danzig (Polen)

10/2011 – 10/2016

M.A. in Friedens- und Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg.  Masterstipendium des DAAD und der Open Society Foundations. Abschlussarbeit zur hybriden Kriegsführung von Russland in der Ostukraine

10/2012 – 03/2013

Feldforschung in Oswiecim (Polen), anschließend Verfassung der Forschungsarbeit “Contested Memories: Representations of Poles and Jews in the Permanent Exhibition of Museum Auschwitz”. Forschungsstipendium der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V

10/2012 – 07/2014 Tutorin am Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg. Seminare  “Conflict Analysis & Resolution” und “Juden in Osteuropa”, M.A. Tutorium “Peace and Conflict Studies”
10/2012 – 07/2015 Studentische Hilfskraft am Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg, Unterstützung des Double Degrees “M.A. Peace and Conflict Studies”
09-10/2012 Praktikum an der NGO “Youth Initiative for Human Rights”, Sarajewo (Bosnien und Herzegowina
10–12/2013 Praktikum an der Botschaft der Ukraine in Berlin
10/2016 – 02/2017 Praktikum an der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn
Seit 04/2012 Freiberufliche Projektmanagerin am Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg. Bearbeitung von Anträgen an den DAAD, Auswärtiges Amt, Stiftung EVZ. Organisation von bis dato 5 Sommerschulen (Kirgisien, Tadschikistan, Ukraine) und 3 deutsch-russisch-ukrainischen Jugendbegegnungen
Seit 09/2014 Lokale Koordinatorin für die Ukraine, Crisis Simulation for Peace e.V., Berlin. Durchführung von Projekten mit Schwerpunkt Konfliktregelung und Erinerungskulturen
Seit 03/2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im LOEWE-Schwerpunkt „Konfliktregionen im östlichen Europa“, Teilprojekt "Geschichtspolitik, Identitätsökonomien und Integrationskonzepte als konstituierende Faktoren des russisch-ukrainischen Krisenraums (1945-2015)"
Seit 01/2018 Qualifizierung zur Koordinatorin von Drittmittelprojekten in der Wissenschaft (Konzipierung, Beantragung und Management). EMF-Studiengang der Universitäten Kassel und Marburg
 

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichtspolitik als Instrument der „hybriden Kriegsführung“
  • Protest- und Dissidentenforschung mit Schwerpunkt Ukraine
  • Begriffsgeschichte

Promotionsvorhaben

Konflikte um die Deutungshoheit in der Geschichte der Ukraine begleiten die neuere und neueste Geschichte dieses Landes seit der Konstituierung der modernen ukrainischen Nationalbewegung. Dabei ging es infolge der langjährigen Zugehörigkeit ukrainischer Territorien zum Russischen Reich bzw. der Sowjetunion immer auch um die Interpretation der ukrainisch-russischen Verflechtungsgeschichte. Bestimmte Formen historischer Erinnerung im Spannungsfeld ukrainischer und russischer Geschichte wurden dabei in Abhängigkeit von politischen Konstellationen und den damit verbundenen Integrationsprojekten privilegiert, andere diskriminiert. Geschichtspolitische Kontroversen um die Rolle der Ukraine in einem russisch dominierten Eurasien oder in einem neu zu definierenden europäischen Raum befeuern wiederum auch geopolitische Diskurse um die Persistenz globaler kultureller Konfliktlinien im östlichen Europa.
Im Dissertationsprojekt geht es um die Rolle von Geschichtspolitik bei der Generierung des russisch-ukrainischen Konfliktraums. Geforscht wird über wie sich geschichtspolitische Konfliktfälle im ukrainisch-russischen Diskurs um bestimmte geschichtsterminologische Felder gruppieren, die als Verdichter und Marker für kontroverse Inhalte fungieren. Die Dissertation legt als Vermutung zugrunde, dass politische Akteure solche kontroversen Felder entweder mit dem Ziel der Partizipation an politischer Macht oder mit jenem des Machterhalts nutzen, an eigene Zwecke anpassen und anreichern. Ziel ist es, historisches Deutungswissen über politische Bruchzonen zwischen der Ukraine und Russland bereitzustellen.