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Artikelaktionen

Dr. Agnes Laba

Biographie

seit Februar 2009

wissenschaftliche Mitarbeiterin im Herder-Institut Marburg

2008-2009

wissenschaftliche Hilfskraft am Deutschen Seminar II der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bei Prof. Dr. Rolf G. Renner

2002-2009

Studium Neueren und Neuesten Geschichte und Neueren Deutschen Literaturgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Universitat de Barcelona/Spanien

1982

in Hindenburg/Zabrze Polen geboren

 

Forschungsschwerpunkte

  • Weimarer Republik und ihre Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, Deutsch-polnische Beziehungen im 20. Jahrhundert
  • Diskursgeschichte
  • Grenzforschung
  • Geopolitik, Politische Kartographie der Zwischenkriegszeit
 

Aktivitäten

  • Mitglied am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Gießen
 

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: "Die öffentliche Diskussion der Ostgrenzen in der frühen Weimarer Republik"

Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete für das Deutsche Reich wirtschaftliche, (außen-) politische und militärische Schwächung und territoriale Verluste. Vor dem Hintergrund eines auf eine expansive Territorialpolitik angelegten Krieges wiegten die geänderten Grenzlinien und die damit verbundenen territorialen Verluste besonders schwer im deutschen Bewusstsein. In ihnen schienen sich alle politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen der Niederlage zu konzentrieren. Deshalb wurden die Versailler Grenzregelungen zu einer Projektionsfläche für die deutsche Nichtakzeptanz der Kriegsniederlage und die Forderung nach ihrer Revision zu einer Art common sense in der deutschen Bevölkerung. Die deutschen Grenzen wurden zu einem die deutsche Öffentlichkeit dominierenden Thema. In einem regelrechten Grenz-Diskurs wurde eine kaum überschaubare Flut an Publikationen, wissenschaftlichen Abhandlungen, Romanen und Erzählungen und anderen Aufzeichnungen publiziert, die die durch den Versailler Vertrag entstandenen Grenzen delegitimierten, dafür alternative, vermeintlich richtige Grenzziehungen entwarfen und begründeten.

Die öffentliche Debatte über die deutschen Ostgrenzen (zur Tschechoslowakei, Polen und Litauen) der frühen Weimarer Republik ist Gegenstand dieses Dissertationsprojekts, das im Rahmen des Kooperationsprojektes „Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts als Zäsurgeschichte. Das Beispiel der frühen Weimarer Republik“ verfolgt wird. Die Forschung zur deutschen Geschichte der Zwischenkriegszeit hat Grenzen bisher entweder aus klassisch außenpolitikgeschichtlicher Perspektive, im Hinblick auf zwischenstaatliche Grenzkonflikte oder im Zusammenhang mit dem deutschen Raumdenken (in den Geo- und Politikwissenschaften) dieser Periode thematisiert. Das Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, durch die systematische Erfassung und Analyse der öffentlichen Diskussion über die Ostgrenzen die deutsche Grenzthematik der Zwischenkriegszeit aus einer diskursanalytischen Perspektive zu beleuchten und in Beziehung zu gesellschaftlichen Entwicklungen zu bringen. Grenzen sind nicht nur Teil des internationalen Systems, ihnen kommt auch für nationale Gesellschaften eine grundlegende Bedeutung zu (etwa bei nationalen Identitätsbildungsprozessen). Die Analyse des Grenz-Diskurses der Weimarer Ostgrenzen stellt demnach am Beispiel eines der zentralen Themen dieser Zeit Fragen nach der Konsensfindung und diskursiven Teilhabe im demokratischen Rahmen der frühen Weimarer Republik in den Vordergrund: Auf welche Weise konnte sich die Nicht-Akzeptanz der Versailler Grenzregelungen innerhalb der deutschen Öffentlichkeit zu einer Art common sense entwickeln? Welche Strategien zur Delegitimation der Versailler Grenzen konkurrierten miteinander, setzten sich durch und trugen damit zur Konsensfindung bei? Wer waren die Partizipanten an der öffentlichen Diskussion und wo kann diese verortet werden? Welchen Stellenwert hatten die einzelnen öffentlichen Diskussionen zu den drei deutschen Ostgrenzen (zur Tschechoslowakei, Polen, Litauen) zueinander, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten können ausgemacht werden?
Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu kommen, sollen sowohl die Diskursarenen als auch die Trägermedien des Ostgrenzen-Diskurses untersucht werden. Dabei sollen die öffentlichen Diskussionen zu den drei deutschen Ostgrenzen kontrastiv nebeneinander gestellt und verglichen werden. Hierzu wird nicht nur die politisch-publizistische Debatte dargestellt und mit diskursanalytischen Methoden analysiert - von zentraler Bedeutung sind auch Debatten in Parlamenten und Landtagen, Parteiprogramme, Publikationen entsprechender Verbände, aber auch Beiträge der Wissenschaft, etwa aus dem Fachbereich der Geopolitik. Es wird davon ausgegangen, dass aus dem Umfeld der Geopolitik und Politischen Geographie, politikberatende Leitdisziplinen der Zwischenkriegszeit, die zentralen Argumentationsmuster und Delegitimationsstrategien des Grenz-Diskurses entwickelt wurden. Vor diesem Hintergrund soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise diese Argumente aus dem Fachdiskurs Eingang in den Grenz-Diskurs fanden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse bildlicher Quellen, etwa in der politischen Publizistik, Karikaturen oder Propagandapostkarten, vor allem jedoch in Kartenmaterial. Gerade die bildlichen Beiträge zum Grenz-Diskurs können als eine Art visuelle Konkretisierung der diskutierten Grenzthematik und damit als eine Unterstützung der Argumentationslinien angesehen werden. Angesichts der zentralen Rolle der Geopolitik innerhalb des Grenz-Diskurses wird davon ausgegangen, dass gerade die Darstellung der Ostgrenzenproblematik in Karten eine besondere Position innerhalb der Etablierung des Konsenses über ihre Nichtakzeptanz in der Bevölkerung spielte. Durch die Einbeziehung von Bildmaterial in das Quellenkorpus wird der Versuch unternommen, einem bisherigen Defizit der historischen Diskursanalyse, der Einbeziehung von Text-Bild-Relationen, beizukommen.

Die Analyse des Ostgrenzen-Diskurses der frühen 1920er Jahre mittels diskursanalytischer Methoden soll aufzeigen, wie sich die Nichtakzeptanz der Versailler Grenzregelungen anhand bestimmter Argumentationsmuster zu einer allgemeingültigen Wahrheit im öffentlichen Bewusstsein entwickeln konnte. Dieser Vorgang ist insofern von Bedeutung, da er in direkten Zusammenhang mit der Kriegsbereitschaft eines Großteils der Bevölkerung im Jahr 1939 gebracht werden kann.