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Albert Weber

Albert.Weber@geschichte.uni-giessen.de | Projektanstellung
Weber, Albert

Albert Weber

Historisches Institut, Osteuropäische Geschichte, Professur für Geschichte Osteuropas, DFG-Projekt: Vlad Tepes Dracula. Herrscherbiographie und Tyrannenlegende.

Tel. (Sekretariat): 0641/99-28251

 

Curriculum Vitae

Dissertationsprojekt

Publikationen

Forschungsschwerpunkte

  • Digital Humanities
  • Geschichte der Donaufürstentümer und Siebenbürgens im Spätmittelalter
  • Geschichte des Films in Südosteuropa
  • Quelleneditionen
  • Historiographiegeschichte

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: „Vlad Ţepeş Dracula. Herrscherbiographie und Tyrannenlegende“

Ziel des Projekts ist die Analyse der Motoriken nach denen der politische und moralische Status von Akteuren des middle ground durch die sie umgebenden Gewaltnetzwerke verhandelt wird. Fallbeispiel ist die von Zeitgenossen und literarischer Nachwelt als Anomalie wahrgenommene spätmittelalterliche Herrschergestalt Vlads der Pfählers, genannt „Drăculea“. Der Woiwode der Walachei (1448, 1456-1462, 1476), der Jahrhunderte später als Vorbild für Bram Stokers blutdürstenden Vampirgrafen (1897) herhalten musste, ging über die ihm zugedachte passive Vasallenrolle zwischen dem Königreich Ungarns und dem Osmanischen Reich entschieden hinaus: Einerseits versuchte er sein autoritäres Regime gegenüber den etablierten Eliten durchzusetzen, andererseits seine Souveräne Matthias Corvinus und Mehmed II. in einen umfassenden Krieg zu verwickeln, an dessen Ende eine neue geopolitische Lage die Walachei zu einer Regionalmacht und zur Speerspitze der Reconquista des Balkans machen sollte.

Trotz Aufsehen erregender Militäraktionen des Woiwoden, der als einziger Herrscher und als Orthodoxer dem Kreuzzugsaufruf von Papst Pius II. folgte und ins Osmanische Reich einfiel, ließen sich die Netzwerke seiner christlichen Nachbarn nicht mobilisieren; Vlad wurde gefangen genommen, politisch ausgeschaltet und sowohl von Ungarn als auch Osmanen als „Monstrum“ propagandistisch diffamiert, um den politisch-militärischen Kontrollverlust an einen aus ihrer Sicht unkontrollierbaren middle ground-Akteur zu verhindern. Beide Seiten projizierten ihre negativsten Stereotypen auf den zuvor von ihnen jahrelang protegierten walachischen Herrscher und verhandelten somit implizit über einen Wertekonsens die Regulierung und Deeskalation des bedrohlichen Konflikts.

Vlads Tyrannenbild entwickelte schließlich im Laufe der folgenden Jahrzehnte eine eigene kulturelle Dynamik und wurde von mehr als hundert Künstlern, Chronisten und Literaten rezipiert, teilweise positiv umgedeutet und weiter verbreitet, womit er zu einer der streitbarsten Herrschergestalten des europäischen Spätmittelalters wurde. Aufgrund seiner nationalistischen Instrumentalisierung im modernen Rumänien und seiner Kommerzialisierung im Westen fehlen allerdings nach wie vor grundlegende Forschungsbeiträge. Um diese auch jenseits der als Dissertation vorgesehenen monographischen Forschungsarbeit unterstützen zu können, sollen während des Projekts zusätzlich zwei Editionsbände mit den europäischen Quellen zu Vlad dem Pfähler zusammengestellt werden.