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Exkursion nach Zypern

 

Eine Woche zwischen Versöhnung und Kultur im Focus der Weltöffentlichkeit.

 

Zypernexkursion der Professur für Turkologie

 

Die drittgrößte Insel im Mittelmeer, Zypern, ist im Laufe ihrer Geschichte von vielen Kulturen geprägt worden. Nicht nur Richard Löwenherz hinterließ bleibende Spuren auf der Insel, auch die Venezianer und Osmanen. Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen man Moscheen in gotischer Architektur neben den Ruinen eines venezianischen Palastes bewundern kann. Auch ist Zypern eines der wenigen Länder auf der Welt, die immer noch geteilt sind. Der kulturelle Aspekt und der Zypernkonflikt geraten aber gerade in letzter Zeit immer mehr in Vergessenheit, da der Focus der Weltöffentlichkeit mehr auf die Wirtschaftskrise gerichtet ist. 

 

Im Rahmen unserer Exkursion vom 13. bis 20. März 2013 begaben wir uns auf die Spuren der türkischen Kultur und Geschichte auf der Insel. Schon seit mehreren Jahren unterhält die Professur für Turkologie an der JLU gute Beziehungen mit der „University of Cyprus“ im Südteil der Insel. So besteht ein Erasmusabkommen und ein reger wissenschaftlichen Austausch. Außerdem haben wir das Glück, eine gebürtige griechische Zypriotin als Dozentin an der Turkologie zu haben, die diese Exkursion ermöglichte. Frau Maria Petrou, die selbst in der zypriotischen Versöhnungsarbeit aktiv ist, konnte uns durch ihre guten Kontakte auf beiden Seiten der geteilten Insel tiefe Einblicke in die verschiedenen Lebenswelten auf Zypern geben. Auch Frau Nicole Immig, Dozentin für südosteuropäische Geschichte, die selbst früher als Reiseleiterin auf der Insel tätig war, trug zum Programm der Exkursion bei.

 

Im Mittelpunkt unserer Exkursion stand die türkische Kultur auf der Insel. So besuchten wir architektonische Denkmäler in Nicosia, Famagusta, Larnaka und Girne. Besonders beeindruckend war hierbei die Lala-Mustafa-Paşa-Moschee in Famagusta. Die ehemalige katholische Kathedrale im gotischen Stil könnte auch in Frankreich stehen, wenn da nicht das später hinzugefügte dezente Minarett wäre. Es scheint fast so, als ob man aus Respekt vor der architektonischen Leistung der Lousignans das Gesamtbild nicht zerstören wollte. Ein weiteres Beispiel für dieses Vorgehen ist an der Selimiye-Moschee, der ehemaligen Sophienkathedrale in Nicosia, zu finden. Dort schmücken immer noch Reliefs von menschlichen Gestalten das Eingangsportal. Dies zeugt von der liberalen Auslegung des Islams unter den türkischen Zyprioten.

 

Ein anderer Schwerpunkt unserer Exkursion war das Zusammenleben von griechischen und türkischen Zyprioten auf der geteilten Insel bzw. die Geschichte des Zypernkonfliktes. Der Konflikt spiegelt sich bis heute im Stadtbild Nicosias wieder. Die Stadt ist durch die sogenannte green line, die UN-Pufferzone, in zwei Hälften geteilt. Bei jedem Besuch der türkischen Seite wurden unsere Ausweise kontrolliert und wir mussten ein kurzes Stück Niemandsland durchqueren. Jedoch ist dieser Weg nicht mehr nur durch leerstehende Häuser und triste Fassaden geprägt, sondern es gibt auch Anzeichen des Aufbruchs. So gelang es der Initiative „Home for Cooperation“ solch ein leerstehendes Haus zu erwerben und zu einem Zentrum der gegenseitigen Begegnung auszubauen. Bei unserem Besuch des Hauses stellten uns zwei Vertreter der Organisation „Association for Historical Dialogue and Research“, ein griechischer und einem türkischer Zypriote, ihre Arbeit vor. Sie versuchen, durch Fortbildungen für Geschichtslehrer die Versöhnung zwischen Nord und Süd voranzutreiben. Die Versöhnung und die Geschichte des Zypernkonfliktes war auch das Thema von anderen Gesprächen mit den Politikwissenschaftlern Dr. Stavros Tombazos und Dr. Niyazi Kızılyürek. Dass der Konflikt allerdings noch weit von einer endgültigen Lösung entfernt zu sein scheint, wird einem besonders beim Anblick der Geisterstadt Varosia deutlich. Der krasse Kontrast zwischen weißem Sandstrand, blauem Meer und den zerfallenden und zerschossenen Hotelruinen in der jetzigen militärischen Sperrzone bleibt nachhaltig im Gedächtnis. 

 

Einen Einblick in das türkische Leben in der Nordhälfte von Nicosia bekamen wir durch eine Stadtführung des ehemaligen Bildungsministers Ahmet Derya. Bei dem Besuch der wichtigsten historischen Plätze der türkischen Altstadt, wie der alten Karawanserei Büyük Han und dem malerischen armenischen Viertel, erfuhren wir einiges über die jetzigen Probleme der türkischen Zyprioten. Er berichtete über Spannungen zwischen alteingesessenen türkischen Zyprioten und Zuwanderern aus der Türkei, die sich vor allem auch in ihrer Auslegung des Islams unterscheiden. Über die Situation der Frauen auf Zypern konnten wir manches in der Diskussion mit seiner Tochter, der Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin Doğuş Derya, erfahren.

 

Trotz der gedrückten Stimmung vieler Zyprioten auf Grund der Krise und den allgegenwärtigen Journalisten, konnten wir in einer sehr informativen und schönen Woche unseren Wissenshorizont erweitern. Unser Fazit: Zypern ist viel zu interessant und schön, um nur auf die Krise reduziert zu werden!

 

Arkadiusz Blaszczyk, Ute Martin

 

Fotos der Exkursion Zypern 2013