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dilbaum.htm

Samuel Dilbaum: Weinbüchlein, 1584
--
Textgrundlage: Gescannt nach der Birlinger-Ausgabe, in: Alemannia 10 (1882) 274-278. Korrekturen nach Mikrofilmabzügen eines Exemplars der BSB München.
-- Zeichensatz: o:e, u:e usw. = o etc. als Grundzeichen mit übergeschriebenem e.
-- Digitale Fassung: Thomas Gloning, 8.2001
-- (c) You may use this digital version for private, scholarly and non-profit purposes.
-- Hinweis zur Textgeschichte: Der Text ist in sehr ähnlicher Form bereits früher überliefert, siehe z.B. Johann Rasch: Weinbuch, 1580, O4a: "Volgen etliche gute Reimen von dem edlen Rebensaft. MJr ist wie Martialis spricht/ | Nu:echter mach ich kein guts gedicht || ...".

<<A1a>>

Wein Bu:echlin:
Lustige vnd Summarische
Beschreibung/ der Namen/ Artten/
Kra:efften/ vnnd eygenschafften/ fast aller deren
Wein/ Welche sonderlich inn Teutschland
wachsen/ Darein gefüehert/ vnd also
darinn bekant werden.

Jn versta:endtliche Reimen verfasset/
vnd durch Samuelem Dilbaum/ Burgern
inn Augspurg/ inn den Truck
verferttigt.

[Holzschnitt Weinprobe: Diser ist Guet. || Versuech disen]

M.D.LXXXIIII.

<<A2a>>

Beschreibung der Wein/ welche inn
Teutschen Landen bekant sein.

MJR ist/ wie Martialis spricht/
   Jch mach niechter kein gu:ots gedicht/
Wann aber jch ein Rausch hab zecht/
   So kombt mir dan{n} die kunst erst recht
Vnd fa:ehlt mir wunderbarlich ein:
   Weil dann die kunst der Edel wein/
Dermassen bringt/ vnd klu:ogheit macht/
   Hab jch für billich jetzt geacht/
Damit jch nit vndanckbar bleib/
   Das jch jm kurtz sein Namen bschreib/
Auch Würckung/ Art/ Natur vnd sterck/
   Vnd wo Er wachß/ deßhalb so merck.

Erklerung der Wein.

EJN Maluasier der Edlest wein/
   Ko:endt stercker nicht noch besser sein/
Der gibt mit seiner eygenschafft/
   Den Gsunden frewd/ den Krancken krafft.
Der Curswein ist auch wol bekandt/
   Von Corsica der Jnsel gnandt.
Der Wein de Taio gleicht sich schier/
   An krafft vnd schmack/ dem Maluasier.
<<A2b>>
Ein kostlich Wein ist Thribian/
   Da trinckt man bald ein Schifer an/
Für bündig gu:ot send Griechisch wein/
   Wers trincken will/ der ziech hinein:
Ein rotter Wein/ der heist Pinol/
   Schleicht su:eß hinein/ schmeckt treflich wol.
Thraminner ist ein hützigs tranck/
   Hilfft manchem auff/ der sonst leg kranck:
Man bringt ein Wein von Felters her/
   Dem müst man auch zu grosse Ehr.
Der Reinfall ist allweg der best/
   Vnder den su:essen Weinen gwest.
Der Widpacher wirt auch gepreist/
   Der eim mit sterck ein dich beweist.
Vernetscher last sich trincken wol/
   Jst su:eß/ vnd macht ein selten vol.
Die Throllinger send dück vnd rot/
   Man trinckts zum lust/ vnd nit zur not/
Auch ist der Kolabriger wert/
   Der macht/ das einr sein sprach verkert.
Mundtipriantzer gu:ot vnd su:eß/
   Der machet leicht/ die schwere Fu:eß.
Der Leittacher steigt ein mit hitz/
   Jn Kopff/ das Er verleurt die witz.
Bethawer send dück/ su:eß vnd gu:ot/
   Vnd sehen wie eins Kelblins Blu:ot.
<<A3a>>
Der Wein/ so man auß Franckreich bringt/
   Macht/ das der Kopff eim saust vnd singt.
Man lobt auch fast Burgundisch wein/
   Sy sollen starck vnd kro:efftig sein.
Die Stettainer jch auch nit schilt/
   Wiewol sy send nit sonders milt.
Der Suichner wein brindt recht vor gu:et/
   Den vns Gott vor dem Türcken bhu:et.
Wer starcken Gerger knollet trinckt/
   Von einer Wand zur andern sinckt.
Rechnitzer auch im Vngerland/
   Die brechen eim bald sein verstand.
Wer an dem Rister trinckt ein schopff/
   Empfindt zwen Tag ein schwachen Kopff.
Der Ho:epffwein wirdt auch hoch geacht/
   Dieweil Er leichtlich Ma:endlin macht.
Thrabuler man auch loben soll/
   Sein lieblich/ rott/ vnd schma:ecken woll.
Der Eppaner frischt eim sein Hertz/
   Doch trinck nit vil/ Er duldt kein schertz.
Dem Brixner gibt man auch vil preiß/
   Wer sein vil trinckt/ verkert sein weiß.
Neckerwein lustig ztrincken wer/
   Wann Er den Kopff nit machet schwer.
Die Osterwein send forder gu:ot/
   Den Trincker machens wolgemu:ot.
<<A3b>>
Wann sy send vnuermischt vnd grecht/
   So findt man deren wenig schlecht.
Wer Guempoldsküchers trinckt zwu:e maß/
   Der kan allein nit gehn sein straß.
Es wechst auch gu:oter Wein bey Güntz/
   Darein vertrunck jch all mein Müntz.
Wer Eysenbergers zu jm faßt/
   Ein vberfluß/ der laufft nit fast.
Der Wein so wa:echst zu Leutweritz/
   Jst Wa:esserig/ vnd nit vil nütz.
Ein Tranck heiset Missere wein/
   Das kan zu trincken lieblich sein.
Wer sich an Lu:ettenberger richt/
   Jm selbs darmit sein Hürn bricht.
Bu:ochberger wirdt nit wenig globt/
   Der macht das eim sein Hürn dobt.
Veltliner ist ein Edler safft/
   Scho:en an der farb/ gu:ot an der krafft.
Schaffhauser treng sich gehren ein/
   Auch für ein gu:oten rotten Wein.
Ein ort im Reinthall heist Balgach/
   Da wechst ein Wein/ der macht eim dsach.
Die Ga:enßfu:eß send zum essen gu:ot/
   Doch truncken machens noch mehr mu:ot.
Von newen Weinen ist ein Franck/
   Das allerbest vnd su:esest Tranck.
<<A4a>>
Man fu:ehrt auch Wein von Pfedersheim/
   Die schma:ecken wol in mo:esten eim.
Den Wein so wa:echst bey Franckenhausen/
   Am Mein/ laß mir auch einher mausen.
Von sta:erck Elsa:esser hat sein lob/
   Steigt aber eim ins Hirn grob.
Der Wetterwein ist gu:ot vnd starck/
   Tringt eim hinein biß auff das Marck/
Man sagt: Es wachß vil Wein vmb Prag/
   Wilt wissen was Er ko:endt so frag.
Wer den Ringawer recht erwüscht/
   Macht das Er all seins leids vergüst.
Ein gu:oter Wein wa:echst im Reinthal/
   Den nem jch/ wann jch het die wal.
Der Wein so man Ketsperger heißt/
   Der wa:echst in Sachsen/ wers nit weist.
So ist der Reinwein gschmach im Mund/
   Vnd fein Natürlich starck vnd gsund.
Der Wanger wirdt auch gu:ot geacht/
   Der eim Sant Vrbans plag offt macht.
Der Therrant ist ein gschmacher Wein/
   Doch will Er ma:essig truncken sein:
Wer sich am Marwein vberzecht/
   Wirdt stückend vol/ vnd gschicht jm recht.
Ein Wein auß Steyrmarckt/ heist der Schrot/
   Erquickt mich/ wann jch halb wer Todt.
<<A4b>>
Auch den Breißgow*er lobt man fast/
   Darauff sich gwonklich frewdt ein Gast.
Bergstrasser wa:echst vom Rein nit weit/
   Macht voll vnd fro:elich offt die Leut.
Ein gschma:echlin hat der Tauber wein/
   Noch tringt Er eim ins Hirn ein.
Die Neckerwein send frisch vnd gsund/
   Ergeben doch nit vil im Mund.
Die Thübinger die schilchen wol/
   Wers vber trinckt/ der wirdt auch vol.
Ramßthallr vnder dem Neckerwein/
   Soll besser dann die andre sein.
Den Elffingerwein jch auch lob/
   Weil Er an mir hat thon sein prob:
Dann als jch eins mahls kranck gewesen/
   Macht Er das jch bin wider gnesen.
Trechshauser sich auch wol vergeht/
   Wer sich nit auff gu:ot Wein versteht.
Zu:o Türckheim wechst Er zimlich gu:ot/
   Doch keim in Kopff nit rüechen thu:ot.
Nicht bsonders ist ein Reiffenwein/
   Den legt man vmbs Aduent erst ein.
Die Sehewein send vnmilt vnd saw*r/
   Jr acht kein Burger noch kein Baw*r.
Wo Er ein andern trincken kan/
   So sticht Er disen lang nit an.
<<B1a>>
Doch schwo:ebet der Meerspurger ob/
   Den anderen mit seinem lob.
Der Michelsberger heist ein Wein/
   Bey Vlm/ der ko:endt nicht schlechter sein.
Der Wein von Landshu:ot ist kein nütz/
   Trinck wie vil wilt/ so hast kein spütz.
Den durst allein kelhaimer lo:escht/
   Man hielts für Esich/ wers nit wo:est.
Vnd das jchs mit eim gu:otten bschließ/
   Rosatzer ist auch lieblich su:eß.
Dergleichen Wein wie ob gemelt/
   Findt einer vmb sein zimlich gelt.
Jm Land zu kauffen allenthalb/
   Die send der Teutschen Hertz vnd Salb.
Wer aber meint/ jch habs nit gar/
   Der selb zieh hin/ vnd mehr erfar.
Sy mögen wol verhanden sein/
   Wiewols mir jetzt nit fallen ein/
Die schreib ein jeder selbs hinzu:o/
   Dann jch wils lassen sein in rhu:o.
Damit jch bald zur endschafft kumb/
   Deßhalb vernim in einer Summ:
Wer zimlich trinckt/ sein gu:oten Wein/
   Mag gsund darbey/ vnd fro:elich sein:
Der aber stets ligt in der füll/
   Sich selbs zum Todbet füdern will.
<<B1b>>
Der Brauch ist gu:ot/ der Mißbrauch schad/
   Darumb dich nit zuuil belad.
Dann Gott hat bschert fürs Menschen leib/
   Den Wein/ das Er sein sorg vertreib.
Das Hertz erquick/ vnd fro:elich mach/
   Das ist der grund/ der gantzen sach.
Das hab jch disem edlen Tranck/
   Dem lieben Wein gedicht zu danck.
Der mich auch offt so fro:elich gmacht/
   Das mir mein Hertz im Leib hat glacht.
Hat mir mein vnmu:ot offt vertriben/
   Der mich sonst langst het auffgeriben.
Darumb jch schuldig mich bekendt/
   Das jch die arbeit drauff gewendt/
Vnd bschriben hab sein krafft vnd lob/
   Er ligt doch allen frewden ob.
Gibt mehr lust vnd ergo:etzligkeit/
   Dann ander ding sonst weyt vnd breit.
   Gott sey lob/ preiß in ewigkeit. Amen.

Getruckt zu Augspurg/ bey Josias
Wo:erly/ beym heiligen Creutz.


tgl, 10.8.2001