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Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Giesemann (†)

Professor für Slavische Philologie (emeritiert)

Zum Gedenken an Prof. em. Dr. Dr. h.c. Gerhard Giesemann (14.7.1937 - 21.4.2021)

Professor Gerhard Giesemann wurde am 14.07.1937 in Zwickau als Sohn einer Pfarrersfamilie geboren. Die Herkunft aus einem solchen Familienhaus verwehrte ihm nach dem Ende des Krieges in der DDR jede Aussicht auf höhere Bildung und gar akademische Laufbahn. So siedelte er 1955 in den Westteil Deutschlands, besuchte eine Schule in Kassel (Abitur 1958) und begann zum Wintersemester 1959 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main ein Studium der Slavistik, Germanistik und Pädagogik, wo er sich 1969 mit der Dissertation "Kotzebue in Russland. Materialien zu einer Wirkungsgeschichte" promovierte. Bei seinem Frankfurter akademischen Lehrer Alfred Rammelmeyer war Gerhard Giesemann in den Jahren 1966 bis 1979 Assistent und auch Universitätsdozent. Gerhard Giesemann habilitierte sich 1979 an der Philipps-Universität in Marburg mit der Schrift "Die Strukturierung der russischen literarischen Romanze im 18. Jahrhundert" und wurde 1980 zum Universitätsprofessor für Slavische Philologie an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen.

Prof. Gerhard Giesemann hat als Professor in Gießen eine umfangreiche wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet. Seine Forschungsinteressen als Literaturwissenschaftler zogen ihn vor allen Dingen zur slavischen Theaterliteratur und Lyrik, wobei neben der russischen und dann auch polnischen vor allen Dingen auch die Literatur der südslavischen Sprachen, etwa Bulgariens behandelt wurde. Ganz besonders ist herauszuheben die Spezialisierung Professor Giesemanns auf die slowenische Literatur und ihre Gründungsfigur, den Reformator Primož Trubar. Gerhard Giesemann hat das Slowenische in Deutschland wie kaum einer gepflegt. Auch nach seiner Emeritierung, die 2002 erfolgte, hat Gerhard Giesemann wissenschaftlich gearbeitet. Lange Jahre noch war er Herausgeber der Zeitschrift "Kritikon Litterarum", der er seit Beginn des Erscheinens 1972 angehörte, und ganz sicher hervorzuheben ist auch das bedeutende Buch über "Die Theologie des slowenischen Reformators Primož Trubar" von 2017. Die Leistungen Gerhard Giesemanns wurden 1989 mit der Wahl zum auswärtigen Mitglied in die Slowenische Akademie der Wissenschaften und Künste in Ljubljana sichtbar gewürdigt.

Neben den ausgedehnten wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. Giesemann sind auch seine nationalen und internationalen wissenschaftsorganisatorischen Leistungen herausragend. Gerhard Giesemann war lange Jahre Vorsitzender des "Deutschen Slavistenverbandes" und hat dessen "Bulletin der deutschen Slavistik" begründet. Seine internationale Bekanntheit nutzte Gerhard Giesemann zur Institutionalisierung von West-Ost-Kontakten in einer Zeit, als Europa noch durch ideologische Grenzen und Zäune mit Selbstschussanlagen gespalten war. Diese Anstrengungen haben eine eminente Bedeutung für die Justus-Liebig-Universität bis heute. Gerhard Giesemann hat wesentlichen Anteil am Aufbau der Universitätspartnerschaft zwischen den Universitäten Gießen und Kazan’ (Tatarstan, GUS) und ebenso war er prominent beteiligt beim Aufbau der Partnerschaft zwischen den Universitäten Gießen und Łódź. Beide bis heute bestehenden und erfolgreich zusammenarbeitenden Universitätspartnerschaften tragen wesentlich zum Profil der Universität Gießen als eines international sichtbaren, auf Osteuropa-Forschung spezialisierten Standortes bei. Prof. Giesemann wurde für diese Leistungen mehrmals ausgezeichnet, erinnert sei nur an die 1998 in Łódź verliehene Ehrenurkunde und das 2001 in Kazan' verliehene Ehrendoktorat. Neben allen wissenschaftlichen und administrativen Arbeiten ließ es sich Gerhard Giesemann nicht nehmen, auch noch außeruniversitär tätig zu sein, nämlich seit 1985 als Mitglied der Dekanatssynode der evangelischen Kirche von Hessen-Nassau.

Die Universität Gießen, speziell das Institut für Slavistik, aber auch die vielen Freunde an den Universitäten Łódź und Kazan' verlieren mit Prof. Gerhard Giesemann einen herausragenden Wissenschaftler, Kollegen und Akademiker. Unser Mitgefühl gilt in dieser Stunde seiner Ehefrau und der Familie. Das Institut für Slavistik der Justus-Liebig-Universität Gießen wird die Leistungen und die Persönlichkeit von Prof. Giesemann immer in ehrendem Angedenken bewahren.

Prof. Dr. Thomas Daiber


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Wissenschaftlicher Werdegang

Studium der Slavistik, Germanistik und Pädagogik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

1969: Promotion zum Dr. phil., Dozent 1972

1977: Vertretung eines Ordinariats in Marburg / Lahn

1979: Habilitation an der Philipp-Universität Marburg / Lahn

1980: Ruf an die Justus Liebig-Universität Gießen; Professor für Slavische Philologie (Slavische Sprach- und Literaturwissenschaft)

1981/82 und 1992/93: Dekan der Phil. Fakultät der Univ. Gießen; Mitglied des Senats der U. Gießen

1994 – 2003: Partnerschaftsbeauftragter der U. Gießen für die U. Łódź (Polen)

1994 – 2002: Vorsitzender des Verbandes der Hochschullehrer für Slavistik (VHS)

1989: korr. Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Slovenska akademija znanosti in umetnosti

1987: Medaille der Universität Łódź

1988: Ehrenurkunde des Bildungsministeriums der Republik Tatarstan (Russland),

2001: Dr. h. c. der U. Kazan

2001 ff.: Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

seit 2002: emeritiert

 

Veröffentlichungen

Monographien

Kotzebue in Russland. Materialien zu einer Wirkungsgeschichte. 1971: Athenäum, Frankfurt am Main.

Zur Entwicklung des slovenischen Nationaltheaters. Versuch einer Darstellung typologischer Erscheinungen. 1975: Trofenik, München.

Das Parodieverständnis in sowjetischer Zeit. 1983: Schmitz-Verlag, Gießen.

Die Strukturierung der russischen literarischen Romanze im 18. Jahrhundert. 1985: Böhlau, Köln.

Noveišji pogledi na slovensko književnost. 1991: Slovenska matica, Ljubljana.

Die Theologie des slowenischen Reformators Primož Trubar. 2017: Böhlau, Köln.


Zeitschriften- und Sammelbandveröffentlichung (Auswahl):

Homer-Reminiszenzen in den „Mertvye duši“ von N. V. Gogol‘. Merkmale und Funktionen des epischen Vergleichs. In: Frankfurter Abhandlungen zur Slavistik. 24, Wiesbaden 1977.

Theorie und Praxis der Parodie. Beobachtungen zur Parodie A. S. Kajsarovs auf N. M. Karamzin. In: Zeitschr. f. slav. Phil. 39 (1977).

Kunstauffassung und literarische Praxis des bulgarischen Expressionisten Georgi Milev in ihrer Ausrichtung an Richard Dehmel. In: 1300 Jahre Bulgarien, 1981.

Zwischen Ost und West: Beobachtungen zur polnischen Parodiediskussion. In: Beiträge zur Slavistik 5, 1982.

Die Kunst des Eingangs. Der Erzählanfang in L. N. Tolstojs „Anna Karenina“. In: Beiträge zur slawischen Literarturwissenschaft, 1986.

Der ‚Feind‘ im protestantischen Kirchenlied. Reformatorisches Bekenntnis bei Trubar aus der Perspektive des geistlichen Liedes. In: Obdobja 6, Ljubljana 1986.

Gribojedow. Verstand schafft Leiden. In: Das russ. Drama. Düsseldorf 1986; Mythos als Symbol der Maßlosigkeit. Beobachtungen zu Motiven und Bildern in der sloven. Lyrik der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. In: Obdobja 8, Ljubljana 1989.

Perelozenija psalmov v tvorcestve Derzavina. Ion: G. Derzavin. Istorija i sovremennost` 1993.

Koga zanima slovenska književnost? Vprašanja o njeni recepciji v Nemčiji in pogojih zanjo. In: Slavistična revija 1993.

Parodija simvola very Džejmsa Džojsa v russkom perevode. Sopostavitel’nyj analiz fonostilističeskoj, sintaksičeskoj i sillabo-ritmičeskoj ėkvivalentnosti. In: Učenye zapiski kazanskogo gos. universiteta 131. Kazan’ 1995.

Brižinski spomeniki: theologisch-dogmatische, strukturelle und wirkungsästhetische Erkenntnisse. In: Zora 44, Maribor 2006.

Die slovenischen Vorreden Primus Trubers zu seinen Übersetzungen der Heiligen Schrift. Erkenntnisse zur Struktur, Theologie und zu den lutherischen Quellen der Schriften des slovenischen Reformators. In: Biblia Slavica IV; 3,2 Kommentare. Paderborn.


Herausgeber / Mitherausgeber:

Kritikon Litterarum (Slavistik), seit 1972.

Ost und West II: Aufsätze zur Slav. u. Balt. Philologie u. allg. Sprachwiss., 1977.

A. F. Merzljakov, Kratkoe načertanie teorii izjaščnoj slovesnosti. Neu herausgegeben u. eingeleitet, Frankfurt am Main 1977.

F. Sławatycka: Polnisch-Literatur-Unterricht. Identität und Integration, Frankfurt am Main 1991;

Bulletin der Deutschen Slavistik (BDS) 1995-2002.

Slavistična revija seit 1993; Schulbildung und ihre Weiterentwicklung. Gedenkband zum 100. Geburtstag von A. Rammelmeyer, München-Berlin 2010.    


weitere Literatur:

Letopis Slovenske Akademije Znanosti in Umetnosti 40, 1989; Enciklopedija Slovenije, 3, 1989.

Slavica litteraria. Festschrift für G. Giesemann, Wiesbaden: Harrassowitz 2002.

Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2003, Bd. 1; Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. Lübeck: Schmidt-Römhild 2015/2016.