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Besichtigung der Kiesgruben im Tagebau Niederweimar der Firma Lahn-Waschkies (LWK)

Die Veranstaltung "Die Gesteine Hessens: Petrographisch-genetische Bestimmungsübungen" von Dr. F. Volker wurde erstmals im Sommersemster 2005 durchgeführt. Im Rahmen dieser Veranstaltung haben wir am 5. Juli 2005 die Kiesgruben im Tagebau Niederweimar der Firma Lahn-Waschkies (LWK) besichtigt. Die Führung durch die Anlagen erfolgte durch Herrn Dipl. Geograph Thilo Orgis, dem wir hierfür unseren herzlichen Dank aussprechen möchten.

Die Kiesgruben im Tagebau Niederweimar gehören zur Talaue der Lahn im Flußabschnitt zwischen Cölbe und Giessen, in dem der Lauf der Lahn im wesentlichen dem Ostabbruch des Rheinischen Schiefergebirges folgt. Die Lahn trennt dadurch die Verbreitungsgebiete von Gesteinen aus dem Devon und Karbon von jüngeren Abfolgen des Deckgebirges (Zechstein, Buntsandstein, Tertiär). Daher stehen auf den Höhen beiderseits des breiten Lahntals sehr unterschiedliche Gesteine an, und dies gilt in gleicher Weise für die Einzugsbereiche der rechtslahnischen Zuflüsse (Allna, Walgerbach, Salzböde) und der linkslahnischen Zuflüsse (Ohm, Bäche der Marburger Lahnberge, Zwester Ohm, Lumda). Westlich der Lahn stehen hauptsächlich Schiefer, Grauwacken, Kieselschiefer, Diabase, Hartsandsteine, Quarzite und vereinzelt Hart-Kalksteine des Devon und Karbon an. Östlich der Lahn trifft man vor allem Sandsteine, Schluff- und Tonsteine des Zechstein und des Buntsandstein sowie vereinzelt tertiäre Ablagerungen an. Stellenweise werden die Abfolgen von miozänen Vulkaniten durchschlagen, die im Zusammenhang mit der Bildung des Vogelsberges stehen.

Der geologische Aufbau im Bereich des Tagebaus Niederweimar umfaßt folgende Elemente:

  • Auenlehm als 1m bis etw 3.5 m mächtige Deckschicht der Talfüllung, örtlich mit flachlinsig angeordneten Einlagerungen, die sowohl aus Sand als auch aus Mudden (Schlämmen mit hohem Gehalt an teilverwesten Pflanzenresten) bestehen können.
  • das Kies- und Sandlager mit 7 m bis etwa 12 m Mächtigkeit, mit selten vorkommenden, linsig angeordneten Einlagerungen aus tonigem Schluff
  • eine bindige Bodenschicht, die aus der Verwitterung und teilweise auch aus der Umlagerung der Festgesteine des Tal-Untergrundes entstanden ist. Diese Bodenschicht wird beim Kiesabbau als "lehmige Sohlschicht" mit darin eingelagerten Steinen und Blockwerk angetroffen.
  • der Tal-Untergrund aus sedimentären Festgesteinen verschiedener Art und Altersstellung, von Ort zu Ort wechselnd in Abhängigkeit von der Bruchschollen-Struktur des Untergrundes; im Bereich von Niederweimar überwiegend Sandsteine, Schluffsteine und Tonsteine des Zechstein.
  • Talflanken aus sedimentären Festgesteinen verschiedener Art und Altersstellung, im Bereich der Tagebaue südlich Niederweimar rechtslahnisch überwiegend devonische Tonschiefer und karbonische Grauwacken und Schiefer, linkslahnisch vor allem Abfolgen des oberen Zechstein, unterer und mittlerer Buntsandstein sowie als Einzelvorkommen die miozänen Vulkanite des Frauenbergs. An mehreren Stellen werden die sedimentären Festgesteine von Lockergesteinen (Kies, Sand, Lehm, Lößlehm, steinig-sandig-schluffig-tonige Anschwemm-Massen) und von Bodenbildungen überlagert.

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Abb. 7: Aufschluss in der Fallout-Tephra der Laacher-See-Explosion.

Die Eruption des Laacher-See-Vulkans vor etwa 12900 Jahren stellt die gewaltigste spätquartäre Vulkanexplosion in Mitteleuropa dar. Der Hauptteil von insgesamt über 6 Kubikkilometer Magma wurde vermutlich innerhalb weniger Tage gefördert. In dieser extrem kurzen Zeit wurden gewaltige Massen an Asche und Bims bis über 30 km hoch in die Atmosphäre geschleudert. Die Bimslapilli und Aschen wurden von Winden in der Troposphäre zunächst nach Osten, beim Weiteraufstieg der Eruptionssäule in die Stratosphäre von den vorherrschenden Hauptwinden mindestens 1000 km weit nach Nordosten transportiert (Schmincke (2000), p. 174). In dieser Zeit lag die Grenze des Inlandeises in Südschweden; die auf die Eisdecke gefallenen Aschen sind dadurch nicht nachweisbar.

Ein zweiter Fallout-Fächer erstreckt sich vom Laacher See aus in südliche Richtung bis nach Norditalien. Seine Entstehung könnte mit einer Reduzierung der Höhe der Eruptionssäule in Zusammenhang stehen. Wenn Wasser im Verlauf der Eruptionen beteiligt war und die Eruptionssäule dadurch vielleicht nur die mittlere Troposphäre erreichte, wurden die Aschen von nördlichen Winden nach Süden geblasen (Schmincke 2000, p. 174).

Die primäre Fallout-Tephra der Laacher-See-Explosion läßt sich an vielen Stellen Mitteleuropas als dünne Lagen in Boden- und Moorprofilen nachweisen, wobei die Mächtigkeit der primären Tephralagen generell mit der Entfernung vom Explosionszentrum abnimmt (Abb. 8). Infolge ihrer enormen geographischen Verbreitung und ihres exakt bekannten Alters stellen die Fallout-Ablagerungen des Laacher-See-Ereignisses mit die beste Zeitmarke in der jüngsten geologischen Vergangenheit Mitteleuropas dar.

 

Literatur

  • Kayser, E. und Paeckelmann, W. (1915): Geologische Karte von Preußen und benachbarter Bundesstaaten, Blatt Niederwalgern, Berlin, pp 61.
  • Schmincke, H.-U. (2000): Vulkanismus. Wissenschaftl. Verlagsbuchhandlung, Darmstadt, pp. 264