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Wenn der Gipfel nicht mehr fern ist ...

uniforum vom 4. Oktober 2012:

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Prof. Ulrich Scholz (r.) vor der Besteigung des Aconcagua (im Hintergrund), links sein argentinischer Tourguide. Foto: Siehl
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Die Gießener Gruppe beim Anmarsch zum 6.962 Meter hohen Berg. Foto: Siehl
„Lebenswandler": JLU-Geographen und Filmemacher haben Dokumentation über Besteigung des 6.962 Meter hohen Aconcagua (Argentinien) gedreht -Lebenswege dreier Beteiligter, darunter Prof. Ulrich Scholz, im Fokus - Öffentliche Präsentation

Von Frank O. Docter

Nach gewaltigen Anstrengungen hat die kleine Gruppe von Bergsteigern bereits eine Höhe von über 6600 Meter erreicht. Die dünne Luft erschwert das Atmen, Eiseskälte und der pfeifende Wind machen jeden Schritt zur Qual. Doch noch liegen einige Stunden Aufstieg durch den Schnee bis zum Gipfel des 6.962 Meter hohen Aconcagua (Argentinien) vor ihnen. Aber die Zeit reicht nicht mehr, um danach auch noch den Rückweg zum Camp zu schaffen. Und so fällt zusammen mit den Tourguides die für alle frustrierende Entscheidung, den Gipfelsturm abzubrechen.

Wie es den Beteiligten, darunter der JLU-Geographie-Professor Ulrich Scholz und einige seiner Studierenden, dabei erging, schildert die Dokumentation „Lebenswandler", die ihre öffentliche Premiere in der vorlesungsfreien Zeit im Hörsaal des Zeughauses erlebte.

„Die größte Herausforderung ist das Leben selbst"
Untertitel der Filmdokumentation

Was 2008 als Idee begann, die Besteigung des höchsten Berges außerhalb Asiens filmisch zu verewigen, ist in den Folgejahren durch weitere Aufnahmen noch viel mehr geworden. Nämlich die Schilderung der Lebenswege dreier Männer im Alter von heute 34 bis 70 Jahren, die am Aconcagua zusammentrafen und sich vorher und in den vier Jahren danach immer wieder kreuzten. Daher trifft der Untertitel der Dokumentation, „Die größte Herausforderung ist das Leben selbst", den Inhalt noch viel besser. Gedreht haben das Werk die Brüder Dr. Stefan Siehl (34 Jahre) und Achim Siehl (36), Gründer der in Bad Nauheim ansässigen Kreativagentur gecco creative culture. Ersterer war sogar bei der Expedition dabei und filmte sämtliche Szenen am Berg.

Die Hauptprotagonisten sind jedoch: Ulrich Scholz (70), laut Premieren-Einladung „rastloser Professor" am Institut für Geographie der JLU - wo er noch viele Aufgaben übernimmt -und bekannt für seine früheren, jedes Mal von hunderten Zuhörern besuchten Weihnachtsvorlesungen über seine Reisen in ferne Länder; Andreas Lindner (34), „Langzeitstudent im Motivationstief", der aber inzwischen sein Geographie-Studium an der JLU abgeschlossen hat; und Alexander Schmitt (40), „ein Erfolgsmensch, der seinem Beruf vieles unterordnet" und heute für ein internationales Minenunternehmen arbeitet. Die beiden Letzteren und die Filmemacher sind allesamt frühere Studenten von Ulrich Scholz und haben ihn schon bei zahlreichen Exkursionen in alle Welt begleitet, darunter Klettertouren auf mehrere Fünftausender.

Im Mittelpunkt der 100 Minuten langen Low-Budget-Produktion, zu deren Drehorten unter anderem auch das Basiscamp am Mount Everest in Nepal und die chilenische Hauptstadt Santiago de Chile gehörten, steht die Besteigung des Aconcagua. Ein Traum von Ulrich Scholz, den „ich mir schon seit vielen Jahren erfüllen wollte", blickt er zurück. Damit steckte er auch seine späteren Begleiter an. Wie schon der Arbeitstitel der Dokumentation, „Wo nur noch Wille zählt", verrät, sollte sie dieser Traum an körperliche und geistige Grenzen führen. Der abnehmende Sauerstoff-Gehalt, Temperaturen von nachts bis minus 30 Grad Celsius und Schneestürme sorgten bei jedem für zunehmende Beschwerden.

„Jeder Schritt tat einem brutal weh, aufgrund der Höhe mussten wir immer wieder Pausen einlegen. Nachts lag man oft stundenlang wach, andere litten unter heftigen Kopfschmerzen", schildert Scholz die Strapazen. Die harte Entscheidung zum Umdrehen „nur rund 300 Meter unterhalb des Gipfels" sei aber richtig gewesen, stimmt der Geograph den argentinischen Tourguides zu. Die Zeit habe nicht mehr gereicht, bei Tageslicht Gipfel und zudem die Rückkehr ins Camp zu bewältigen. Und wie dann die über Nacht gefallenen 15 Zentimeter Neuschnee am nächsten Morgen zeigen sollten, hätte ein weiterer Aufstieg alle in Lebensgefahr bringen können. Scholz ist sich bewusst, dass es für ihn keinen zweiten Versuch geben wird, „nicht mehr mit 70 Jahren".

Nach der mit viel Applaus der begeisterten Zuschauer bedachten Premiere im Zeughaus konnte der Film für zehn Euro pro DVD erworben werden. Davon gehen jeweils zwei Euro an ein Kinderhilfsprojekt in Südamerika. Doch Achim und Stefan Siehl haben mit ihrem ersten Langfilm noch mehr vor und ihn bei mehreren DokumentationsFestivals als Wettbewerbsbeitrag angemeldet. Und wer weiß, womöglich wird er eines Tages sogar mal im Fernsehen zu sehen sein.


Weitere Informationen: www.gecco.cc Videoportal YouTube