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Artikelaktionen

Neuigkeiten

Angaben in Tollwutzertifikaten

Die EU Datenschutz Grundverordnung verpflichtet uns, auf die unnötige Verarbeitung von persönlichen Daten zu verzichten. Angaben zum Tierbesitzer sind in den Tollwutzertifikaten nicht erforderlich, da sich die unverwechselbaren Daten ausschließlich auf das jeweilige Tier beziehen (insbesondere die Transpondernummer).

Wir verzichten daher mit sofortiger Wirkung auf die automatische Angabe von Besitzerdaten in den Zertifikaten.

Die Gültigkeit der Zertifikate wird durch diese Maßnahme nicht berührt. Auch bei einem Besitzerwechsel bleiben die Zertifikate gültig.

Infektionen mit Bocaviren beim Hund

Das canine Bocaparvovirus 2 (CaBoV-2) wird der Virusfamilie Parvoviridae zugeordnet, ist jedoch mit dem „klassischen“ Parvovirus des Hundes (CPV-2) nur entfernt verwandt. Der Name „Boca“ beschreibt die Wirtsspezifität der beiden zuerst nachgewiesenen Vertreter bovines Parvovirus und Canine Minute Virus (früher auch als CPV-1 bezeichnet). Bocaviren spielen in der Humanmedizin eine wichtige Rolle, u.a. bei respiratorischen Erkrankungen von Kleinkindern.

Vor einigen Jahren wurde ein weiterer Vertreter der Bocaparvoviren bei Hunden mit respiratorischen Symptomen entdeckt (CaBoV-2). Die ursächliche Bedeutung des Virus für Erkrankungen bei Hunden ist bisher nicht eindeutig belegt. So wurde CaBoV-2 auch bei gesunden Hunden nachgewiesen. In einer neueren Publikation wurde die ursächliche Beteiligung des CaBoV-2 an einer tödlich verlaufenden Enteritis bei Welpen nahegelegt (1). Dabei konnte das virale Genom in Zellen des Gastrointestinaltrakts und in lymphoiden Geweben der erkrankten Tiere gezeigt werden. In einem weiteren Fall wurde CaBoV-2 bei zwei 4 Wochen alten Dobermann-Welpen mit akutem Durchfall und Erbrechen nachgewiesen (2).

Da die üblichen Nachweisverfahren für das klassische Parvovirus des Hundes nicht in Lage sind CaBoV-2 nachzuweisen, haben wir einen spezifischen Genomnachweis in unserem Labor etabliert. Mit Hilfe dieser neuen PCR gelang in mehreren Fällen die Detektion von CaBoV- 2 bei Hunden mit Symptomen der Parvovirose aber negativem CPV/FPV-Nachweis.

Die CaBoV-2 spezifische PCR eignet sich zum Nachweis von CaBoV aus Kotproben und Organproben von Hunden mit Verdacht auf Parvovirose. (Untersuchungsvordruck Hund)

Literatur:

(1) Bodewes R, Lapp S, Hahn K, Habierski A, Förster C, König M, Wohlsein P, Osterhaus AD, Baumgärtner W. Novel canine bocavirus strain associated with severe enteritis in a dog litter. Vet Microbiol. 2014 Nov 7;174(1-2):1-8

(2) Rudolf S, Neiger R, König M. Bocavirus-Nachweis bei 4 Wochen alten Welpen mit akutem Durchfall. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere. 2016 Apr 18;44(2):118-22.

Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (RHDV-2) in Hessen

 Allgemeines

Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (engl. Rabbit haemorrhagic disease (RHD)) trat erstmals 1984 bei europäischen Kaninchen (Oryctolagus cuniculus) in China auf [1]. Als Erreger wurde 1991 ein Calicivirus (RHDV) identifiziert. Mittlerweile ist die Erkrankung in vielen Teilen der Welt verbreitet. Es wird geschätzt, dass der Seuche seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts etwa 250 Millionen Kaninchen zum Opfer gefallen sind. Die Übertragung von RHDV erfolgt durch direkten Kontakt oder passiv über unbelebte (Kleidung, Futtermittel, Käfige) oder belebte Vektoren (Insekten, u.a. Fliegen, Mücken und Kaninchenflöhe). Das Virus wird vermutlich u.a. über Nasensekrete ausgeschieden. Eine wichtige Rolle in der Epidemiologie von RHDV sollen klinisch unauffällige Dauerausscheider spielen. In der Umwelt ist RHDV über längere Zeit infektiös, in Kadavern über bis zu drei Wochen. Das Virus breitet sich nach oraler oder nasaler Infektion schnell im Körper aus. Die höchsten Virustiter werden in der Leber und in der Milz nachgewiesen.

Nach einer Inkubationszeit von 12 – 36 h treten Fieber, Niedergeschlagenheit, Fressunlust, blutiger Nasenausfluss, Atmungsstörungen und Krämpfe auf. Die Mortalität kann bis zu 90% erreichen. Klinisch erkrankte Tiere verenden meist innerhalb von 24 – 72 h. In seltenen Fällen verläuft die Erkrankung chronisch, wobei Gelbsucht, Niedergeschlagenheit und Gewichtsverlust im Vordergrund stehen; die betroffenen Tiere sterben meist 1 – 2 Wochen nach der Infektion. Bemerkenswert ist, dass Kaninchen mit einem Alter von unter 8-10 Wochen nicht klinisch erkranken.

Der meist typische Krankheitsverlauf lässt üblicherweise eine Verdachtsdiagnose zu. Die Bestätigung erfolgt durch den Erregernachweis aus Organproben (Leber und Milz) mittels ELISA, RT-PCR oder Elektronenmikroskopie. Die Bekämpfung der RHD bei Hauskaninchen erfolgt im Wesentlichen durch Impfung. In Deutschland zugelassene Impfstoffe basieren überwiegend auf inaktiviertem RHDV aus Leberhomogenisaten infizierter Kaninchen (Komplettvirus). Ein rekombinanter Impfstoff, basierend auf einem abgeschwächten Myxomatosevirus-Vektor, ist seit 2011 zugelassen. Jungkaninchen werden im Alter von 8 Wochen geimpft und erhalten jährliche Auffrischungsimpfungen. Bereits im Jahr 1996 trat eine als RHDVa bezeichnete Variante des Virus auf, gegen welche die vorhandenen Impfstoffe offenbar keinen vollständigen Schutz bieten.

 

Aktuelles Geschehen

Im Jahr 2010 trat in Frankreich, später auch in Italien und auf der Iberischen Halbinsel eine neue Variante des RHDV auf, die mittlerweile als RHDV-2 bezeichnet wird. RHDV-2 führte auch bei geimpften Tieren zu einer hohen Sterblichkeit. Seit 2013 wird RHDV-2 auch in Deutschland nachgewiesen. Neben dem offenbar unzureichenden Schutz der klassischen Impfstoffe ist bemerkenswert, dass nach einer Infektion mit RHDV-2 auch Jungtiere unter 8 Wochen sowie Feldhasen erkranken.

Aktuell werden praktisch täglich Ausbrüche von RHDV-2 in unserem Labor am Institut für Virologie (FB 10 Veterinärmedizin) nachgewiesen. Die Unterscheidung vom klassischen RHDV und RHDV-2 erfolgt dabei durch Detektion der viralen Nukleinsäure mittels der Polymeraskettenreaktion (PCR).

Derzeit ist in Deutschland kein Impfstoff gegen Infektionen mit RHDV-2 zugelassen. In Frankreich lizensierte Vakzine können per Ausnahmegenehmigung angewendet werden. Eine solche Genehmigung muss der betreffende Tierarzt bei der jeweils zuständigen obersten Landesbehörde beantragen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut hat basierend auf einer Studie eines Impfstoffherstellers ein geändertes Impfregime vorgeschlagen: Kaninchen sollen demnach zum frühest möglichen Zeitpunkt zweimal im Abstand von drei Wochen geimpft und diese Impfung danach alle 6 Monate aufgefrischt werden [2]. Vorgeschlagen wird die Verwendung eines inaktivierten monovalenten Impfstoffs basierend auf Komplettvirus. Ein vollständiger Schutz der geimpften Tiere, sowie eine Vermeidung der Virusausscheidung ist auch bei Anwendung dieses Impfschemas nicht zu erwarten.

 

Weitere Informationen

[1] König, M. und Thiel, H.-J., Genus Lagovirus – Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen. In Selbitz, Truyen, und Valentin-Weigand (Eds.) Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre, 10. Auflage Enke-Verlag, Stuttgart (2011), S. 634 ff.

[2] Stellungnahme_RHDV-2_2016-03-30.pdf

 

Kontakt:

Prof. Dr. Friedemann Weber

Dr. Matthias König

Institut für Virologie

FB10 – Veterinärmedizin

Schubertstr. 81

35392 Giessen

 

Tel.+49 (0) 641 99 38363

 Fax.+49 (0) 641 99 38379

diagnostik@vetmed.uni-giessen.de

 

Informationen zur Bornavirusdiagnostik in der Viro Vet Diagnostik

Aus aktuellem Anlass haben wir einige Informationen zur Diagnostik von Bornavirusinfektionen zusammengestellt.

Die verlässlichste Methode zum Nachweis einer Infektion mit Bornaviren intra vitam ist die Detektion antiviraler Antikörper mittels indirektem Immunfluoreszenztest. Als Untersuchungsmaterial eignen sich Serum- oder Liquorproben. Als beweisend für eine akute Infektion gelten der Anstieg des Antikörpertiters bei einer gepaarten Serumprobe (zwei Seren entnommen im Abstand von etwa 14 Tagen) sowie der Nachweis von Antikörpern in einer Liquorprobe. Dabei gilt es zu beachten, dass Liquor möglichst ohne Verletzung von Blutgefäßen entnommen wird (klare, farblose Flüssigkeit). Sobald die Probe Blut enthält, kann zwischen im ZNS entstandenen Antikörpern und Antikörpern aus dem Blutkreislauf nicht unterschieden werden.

Ein Nachweis viraler RNA ist intra vitam ebenfalls möglich. Dazu wird eine relativ große Menge Liquor (etwa 10ml) benötigt, da die darin enthaltenen Zellen für die RT-PCR aufgearbeitet werden müssen. Nasentupfer und ähnliche Proben eignen sich für diese Untersuchung nicht, da der Virusnachweis in diesen Materialien nicht aussagekräftig ist. Post mortem ist ein Nachweis des viralen Genoms aus ZNS, Auge sowie Liquor verlässlich durchführbar.

Der Nachweis von Antigen bzw. sogenannten zirkulierenden Immunkomplexen (CIC) aus EDTA-Blut oder Plasma wird in unserem Labor nicht durchgeführt, da es während Bornavirusinfektionen nicht zu einer nachweisbaren Virämie/Antigenämie kommt. Ein bislang in einem anderen Labor durchgeführter ELISA zum Nachweis o.g. Parameter konnte in der Vergangenheit nicht unabhängig validiert werden und wird mittlerweile nicht mehr angeboten.

 Weiterführende Informationen zu unserer Position und der anderer Arbeitsgruppen diesbezüglich finden Sie hier aufgeführt:

 

  • Robert-Koch-Institut Berlin

http://www.rki.de/DE/Content/Forsch/Forschungsschwerpunkte/NeueRisiken/NeuartigeErreger/Einstellung_Projekt_Bornavirus.html

  • Wolff et al, Failure to detect Borna disease virus antigen and RNA in human blood., J Clin Virol. 2006 Aug;36(4):309-11. Epub 2006 Jul 5

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16822717

  • Stellungnahme der Gesselschaft für Virologie (GfV): Ist das Borna Disease Virus (BDV) ein humanpathogenes Agens?

http://web.g-f-v.org/inhalt_de.php?lmnop=1&modul=TEXTE&aktion=DETAILS&rubrik=19&id=379

 

Bei weiteren Fragen stehen wir selbstverständlich auch telefonisch zur Verfügung. Sie erreichen uns während der telefonischen Sprechzeiten (Mo-Fr 9:00-16:30 Uhr) oder per Email (diagnostik@vetmed.uni-giessen.de).

Bei Einsendungen von Humanproben bitten wir Sie außerdem zu beachten, dass wir als veterinärmedizinisches Institut nicht über eine kassenärztliche Zulassung verfügen. Somit müssen wir Ihnen bzw. dem jeweiligen Patienten die Kosten für die Untersuchung in Rechnung stellen.

Änderungen der Reisebestimmungen für Hunde, Katzen und Frettchen

Die verschärften Einreisebestimmungen der Mitgliedstaaten Irland, Malta, Schweden und Vereinigtes Königreich u.a. hinsichtlich Impfschutz gegen die Tollwut (Blutuntersuchung auf Antikörper) werden zum 31.12.2011 denen der anderen EU-Mitgliedstaaten angeglichen (s. Einreisebestimmungen). Seit dem 3. Juli 2011 ist für Tiere, die nach diesem Datum zum ersten Mal gekennzeichnet werden, der Microchip verpflichtend!

Neue Untersuchungsangebote

"Die neuropathische Drüsenmagendilatation der Psittaziden (PDD) ist eine bedeutende Erkrankung von Papageien, die stets letal endet. Sie tritt bei zahlreichen Papageienspezies auf und bedroht ganze Zuchtbestände, kommt bei anderen Vogelfamilien dagegen sehr selten vor. Die Ursache dieser Erkrankung war bislang unklar, obwohl schon lange eine Virusätiologie vermutet wurde. Kürzlich gelang der Nachweis eines neuen Virus (aviäres Bornavirus [ABV]) aus an PDD erkrankten Papageien, das seitdem als wahrscheinlichste Ursache gilt. Obwohl auch klinisch gesunde Papageien eine ABV-Infektion aufweisen können, zeigen verschiedene Studien einen Zusammenhang zwischen der Virusinfektion und der klinischen Erkrankung der PDD auf. Neben dem direkten Virusnachweis eignen sich auch serologische Methoden zum Infektionsnachweis."

Die VVD bietet sowohl den Nachweis von ABV als auch den Nachweis ABV-spezifischer Antikörper an.

aus M. Lierz, C. Herden, S. Herzog, A. Piepenbring: Die neuropathische Drüsenmagendilatation der Psittaziden und das aviäre Bornavirus als potenzielle Ursache. Tierärztliche Praxis Kleintiere Ausgabe:2010: Heft 2 2010 Seiten:87-94.