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Zum Tode von Prof. Horst-Eberhard Richter - „Eine außerordentliche Persönlichkeit unserer Zeit“

Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süssmuth bezeichnete ihn einmal als „eine außerordentliche Persönlichkeit unserer Zeit“. Würdigungen wurden ihm vielfach zuteil, zuletzt die Gießener Ehrenbürgerschaft. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Prof. Horst-Eberhard Richter, international renommierter Psychoanalytiker, Sozialphilosoph, erfolgreicher Buchautor und Leitfigur der Friedensbewegung, im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Bergrun, drei Kinder und Enkelkinder. 

Anlässlich seines 85. Geburtstags hatte Rita Süssmuth im Gießener Anzeiger geschrieben: „Sein Leben ist mir und vielen Beispiel und Vorbild. Er kämpft für ein friedliches Miteinander gegen eines von Macht und Herrschaft bestimmtes Verhältnis zwischen den Menschen. Er hört nicht auf, für eine andere, eine humanere Welt beharrlich und unbeirrt von aller Kritik an seinen Positionen einzutreten.“ 

Horst-Eberhard Richter mahnte, mischte sich ein, war manchen unbequem. So freundlich, aufmerksam zuhörend er auftrat, so streitbar konnte er in der Sache sein. Unbeirrbar eben. Doch als Psychoanalytiker wusste er, mit Kritik umzugehen, auch dann, wenn sie polemisch daherkam. Natürlich sei er auch dünnhäutig, räumte er einmal im Interview mit dem Anzeiger ein: „Wäre man nicht verwundbar, könnte man kein Psychoanalytiker sein.“ 

Prof. Horst-Eberhard Richter genoss als Psychoanalytiker auch international großes Ansehen. Die psychoanalytische Familienforschung und -therapie ist auf das Engste mit seinem Namen verbunden. Er studierte in Berlin Medizin, Philosophie und Psychologie, wurde dort Nervenarzt und Psychoanalytiker. Ab 1952 leitete er eine Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindes- und Jugendalter und ab 1959 das Berliner Psychoanalytische Institut. 1962 kam Richter nach Gießen. Hier baute er zunächst die Psychosomatische Klinik, später das dreigliedrige Zentrum für Psychosomatik an der Justus-Liebig-Universität auf, das er 30 Jahre leitete. In Gießen setzte er seine in Berlin begonnenen Forschungen über unbewusste Elterneinflüsse auf die kindliche Entwicklung fort. 

Die Justus-Liebig-Universität Gießen werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren, erklärte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. „Horst-Eberhard Richter habe sich in ganz außergewöhnlicher Weise um unsere Universität und den Fachbereich Medizin verdient gemacht, so Mukherjee. „Sein Wirken reichte jedoch weit über die Grenzen seines Fachs hinaus in die Gesellschaft hinein.“ 

Ein Beispiel dafür ist der Eulenkopf: Gemeinsam mit Studenten entwickelte Richter ein Selbstorganisations-Projekt in der Gießener Siedlung, das zu einem Modell für zahlreiche deutsche Städte wurde. Mehr als zehn Jahre engagierten Richter und die Studenten sich dort. Aus der einstigen Obdachlosensiedlung wurde ein menschenwürdiger Ort. Die Menschen am Eulenkopf seien es selbst gewesen, die sich aufgerichtet haben. Er habe das Ganze lediglich ein wenig moderiert, sagte er einmal. Aus seinem Engagement erwuchs eine lebenslange, enge Verbindung des Ehepaares Richter zu den „Eulis“. 

Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Rita Süssmuth bezeichnete ihn einmal als „eine außerordentliche Persönlichkeit unserer Zeit“. Würdigungen wurden ihm vielfach zuteil, zuletzt die Gießener Ehrenbürgerschaft. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Prof. Horst-Eberhard Richter, international renommierter Psychoanalytiker, Sozialphilosoph, erfolgreicher Buchautor und Leitfigur der Friedensbewegung, im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Bergrun, drei Kinder und Enkelkinder. 

Anlässlich seines 85. Geburtstags hatte Rita Süssmuth im Gießener Anzeiger geschrieben: „Sein Leben ist mir und vielen Beispiel und Vorbild. Er kämpft für ein friedliches Miteinander gegen eines von Macht und Herrschaft bestimmtes Verhältnis zwischen den Menschen. Er hört nicht auf, für eine andere, eine humanere Welt beharrlich und unbeirrt von aller Kritik an seinen Positionen einzutreten.“ 

Horst-Eberhard Richter mahnte, mischte sich ein, war manchen unbequem. So freundlich, aufmerksam zuhörend er auftrat, so streitbar konnte er in der Sache sein. Unbeirrbar eben. Doch als Psychoanalytiker wusste er, mit Kritik umzugehen, auch dann, wenn sie polemisch daherkam. Natürlich sei er auch dünnhäutig, räumte er einmal im Interview mit dem Anzeiger ein: „Wäre man nicht verwundbar, könnte man kein Psychoanalytiker sein.“ 

Prof. Horst-Eberhard Richter genoss als Psychoanalytiker auch international großes Ansehen. Die psychoanalytische Familienforschung und -therapie ist auf das Engste mit seinem Namen verbunden. Er studierte in Berlin Medizin, Philosophie und Psychologie, wurde dort Nervenarzt und Psychoanalytiker. Ab 1952 leitete er eine Beratungs- und Forschungsstelle für seelische Störungen im Kindes- und Jugendalter und ab 1959 das Berliner Psychoanalytische Institut. 1962 kam Richter nach Gießen. Hier baute er zunächst die Psychosomatische Klinik, später das dreigliedrige Zentrum für Psychosomatik an der Justus-Liebig-Universität auf, das er 30 Jahre leitete. In Gießen setzte er seine in Berlin begonnenen Forschungen über unbewusste Elterneinflüsse auf die kindliche Entwicklung fort. 

Die Justus-Liebig-Universität Gießen werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren, erklärte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. „Horst-Eberhard Richter habe sich in ganz außergewöhnlicher Weise um unsere Universität und den Fachbereich Medizin verdient gemacht, so Mukherjee. „Sein Wirken reichte jedoch weit über die Grenzen seines Fachs hinaus in die Gesellschaft hinein.“ 

Ein Beispiel dafür ist der Eulenkopf: Gemeinsam mit Studenten entwickelte Richter ein Selbstorganisations-Projekt in der Gießener Siedlung, das zu einem Modell für zahlreiche deutsche Städte wurde. Mehr als zehn Jahre engagierten Richter und die Studenten sich dort. Aus der einstigen Obdachlosensiedlung wurde ein menschenwürdiger Ort. Die Menschen am Eulenkopf seien es selbst gewesen, die sich aufgerichtet haben. Er habe das Ganze lediglich ein wenig moderiert, sagte er einmal. Aus seinem Engagement erwuchs eine lebenslange, enge Verbindung des Ehepaares Richter zu den „Eulis“. 

Die Nachricht vom Tode des ACE-Ehrenvorsitzenden wurde in der Siedlung mit tiefer Trauer aufgenommen. „Der ganze Verein ist sehr betroffen und traurig“, sagte ACE-Vorsitzender Theo Strippel. „Für die Leute vom Eulenkopf war Horst-Eberhard Richter ein ganz besonderer Mensch, ein Wegbegleiter über gut und gerne vier Jahrzehnte, der mit seiner Schule machenden Initiative den Eulenköpflern in den siebziger Jahren nicht nur zu Selbstbewusstsein und besseren Lebensbedingungen verhalf, sondern sie auch Stück für Stück aus Stigmatisierung und Ausgrenzung in die Mitte der Gesellschaft führte.“ Richter, der den ACE Gießen 1974 mitgegründet hatte, „bleibt bei uns im Herzen und in den Gedanken“, sagte Strippel, der am Freitag nach Berlin fahren wird, um Abschied zu nehmen „von unserem Horst.“ 

Prof. Richter war darüber hinaus im Zuge der Psychiatrie-Reform maßgeblich an der Planung und Neuordnung der psychosozialen Versorgung im Land als Leiter von Arbeitsgruppen beteiligt. Der Aufbau eines netzwerkartigen Versorgungsmodells im Landkreis Gießen, von Zentren in Laubach und Grünberg mit Jugend-, Drogen- und Suchtberatung, Erziehungsberatung, Tagesstätte und betreutem Wohnen, folgte dem Konzept, gerade im ländlichen Raum mehr Gewicht auf Prävention und auf ganzheitliche Betreuung zu legen. 

Richter, der nach seiner Emeritierung von 1992 bis 2002 das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut leitete, war zudem ein sehr erfolgreicher Autor. Fast 30 Bücher belegen sein breites Interessenspektrum. Sein Buch „Eltern, Kind und Neurose“ (1962) wurde zum Standardwerk der Kinderpsychologie und Erziehungswissenschaft. Zu seinen älteren Werken zählen neben anderen „Die Gruppe“ (1972) und „Lernziel Solidarität“ (1974). In „Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft“ (2006) knüpft er an den kulturphilosophischen und kulturpsychologischen Band „Der Gotteskomplex“ an, den Richter als sein Hauptwerk bezeichnete. In dem Buch „Die seelische Krankheit Friedlosigkeit ist heilbar“ behandelte Richter entscheidende Stationen und Wendepunkte seines persönlich und politisch bewegten Lebens. Sein letztes Buch „Moral in Zeiten der Krise“ erschien 2010. 

Der Gießener Psychosozial-Verlag hat fast alle älteren Werke Richters neu herausgegeben. Der Verlag ging aus der von Horst-Eberhard Richter gegründeten Zeitschrift »psychosozial« hervor und verfolgt mit seinem Programm die Ziele, für die er sich engagierte, nämlich: die Erkenntnisse der Psychoanalyse auch für das Verständnis sozialer und politischer Konflikte nutzbar zu machen, erklärte Prof. Hans-Jürgen Wirth. 

Sein konsequentes Eintreten für eine humane Gesellschaft, sein friedenspolitisches Engagement sind in Richters Biografie begründet. Am 28. April 1923 in Berlin geboren, wurde er im Alter von 18 Jahren zum Militär eingezogen. Er gehörte einem Artillerieregiment an der Russlandfront an. „Ich habe gesehen, was wir in diesem furchtbaren Angriffskrieg mit unseren Kanonen in russischen Dörfern angerichtet haben.“ Kurz vor der Verlegung seiner Truppe nach Stalingrad erkrankte er an einer lebensgefährlichen Diphtherie. Mit 22 Jahren geriet er in Kriegsgefangenschaft. Erst bei seiner Rückkehr erfuhr er vom Tod seiner Eltern, die zwei Monate nach Kriegsende bei einem Spaziergang von Russen ermordet worden waren. 

Seit Beginn der achtziger Jahre wurde Richter mehr und mehr zur Leitfigur der Friedensbewegung. 1982 wurde er zu einem der Gründer der westdeutschen Sektion der Organisation IPPNW, die 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. 

Bis zuletzt bezog Horst-Eberhard Richter Stellung. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise sprach er von einem systematischen Werteverfall. Er engagierte sich im globalisierungskritischen Bündnis Attac. Und er war stets ein gefragter Redner. 

Die Liste der Auszeichnungen, die ihm zuteil wurden, ist lang. Der Ehrung durch seine Wahlheimatstadt Gießen jedoch war ein Parteienstreit vorausgegangen, der sich an seinem Friedensengagement entzündet hatte. Der Universitätsstadt trugen die Querelen auch überregional wenig schmeichelhafte Schlagzeilen ein. Von einer „Provinzposse“ war die Rede - und davon, dass Richter der „ehrenwerteste Nicht-Ehrenbürger Gießens“ sei. Bei der Verleihung der ersten Ehrenmedaille des Fachbereichs Medizin der JLU an Horst-Eberhard Richter zeigte sich Rita Süssmuth über die Diskussionen in der Universitätsstadt gut informiert. Richter habe der Gießener Psychosomatik weltweite Anerkennung verschafft, sagte sie in ihrer Laudatio. Ironisch fügte sie hinzu: „Manchmal ist man in der Heimatstadt ja dieser Gewissheit am fernsten.“ 

Mit dem Festakt in der Aula der Universität fand das Kapitel Ehrenbürgerschaft im Dezember 2007 ein versöhnliches Ende.