Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Willkommen!

Artikelaktionen

Nobelpreis Medizin: Wie Medizinpreisträger 2011 Ralph Steinman forscht das Zentrum für Transfusionsmedizin zu Dendritischen Zellen

»Nobelpreis-DC« sind am Klinikum gute Bekannte

Gießen (if). Ein zurückhaltender, ganz bescheidener Mann sei er gewesen. Und damals, beim Immunologenkongress in Belgien, habe er sich ohne lange Umstände mit den beiden Gießener Doktoranden fotografieren lassen, erinnerte sich Prof. Holger Hackstein dieser Tage im AZ-Gespräch: Dass dem kanadischen Immunologen Prof. Ralph Steinman jetzt einer der drei Nobelpreise für Medizin 2011 zuerkannt worden ist, hat nicht nur beim stellvertretenden Direktor des Zentrums für Transfusionsmedizin und Hämotherapie im Universitätsklinikum Gießen, sondern auch in einer ganzen Reihe von Gießener Forschungslabors Freude ausgelöst – die indes tiefer Bestürzung wich, als bekannt wurde, dass den Entdecker der »Dendritischen Zellen« die Nachricht nicht mehr lebend erreicht hatte.

Dendritische Zellen – »DC« – stehen seit Jahren im Mittelpunkt von Forschungsarbeiten in der Gießener Transfusionsmedizin. Hackstein hat bereits 2004 dafür den begehrten »Schunk«-Preis der Gießener Universität bekommen, nachdem im Jahr zuvor schon eine Studie, die in Zusammenarbeit mit Dr. Timucin Taner in Pittsburgh entstanden war, beim amerikanischen Transplantationskongress 2003 mit dem »Young Investigators Award« ausgezeichnet worden war: 

Die Zellen – für den Laien mit ihren vielfach verzweigten Ausläufern eher exotisch anmutende Gebilde – waren vor rund 40 Jahren von Steinman gefunden worden und stellen die entscheidende Zelle des Immunsystems dar, welche Immunantworten in Gang setzen kann. Mit ihrer Erforschung öffnete sich ein neues, aufregendes Kapitel bei der Klärung der Frage, wie der Körper selbst mit seinen Feinden, mit Viren und Bakterien, fertig wird. Auf der Jagd nach den Eindringlingen patroullieren die DC Tag und Nacht unermüdlich durch unseren Körper. Indem sie – wie Jagdhunde, die stolz ihre Beute präsentieren – Teile des eindringenden Feindes »vorzeigen«, steuern sie hauptsächlich von der vordersten Abwehrfront – unseren Schleimhäuten – aus den Einsatz der körpereigener Abwehr und deren Schlagkraft. Dass sie aber offenbar auch getriggert werden können, um zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, beispielsweise überschießende Immunreaktionen zu hemmen, macht das unverändert große wissenschaftliche Interesse auch viele Jahre nach ihrer Entdeckung verständlich. 

Während eines dreijährigen Forschungsaufenthaltes 1999 bis 2002 in Pittsburgh hatte Hackstein bereits mit Dendritischen Zellen gearbeitet und brachte dieses Forschungsgebiet mit, als er nach Gießen zurückkehrte. Seit dem Vorjahr geht seine Arbeitsgruppe – ein halbes Dutzend Doktoranden, Medizinstudenten und technische Assistenten – im Rahmen eines Teilprojektes des Sonderforschungsbereiches »Transregio 84« der Rolle von DCs bei der Volkskrankheit Lungenentzündung insbesondere nach bakteriellen Infektionen nach. 

Im SFB/TR 84 sind in Gießen das Zentrum für Innere Medizin, die Institute für Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Virologie, für Klinische Immunologie sowie das Biochemische Institut im Fachbereich 11 – Medizin beteiligt. Kooperationspartner sind die Berliner Charité, das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik und das Robert-Koch-Institut. Sprecher ist mit Prof. Norbert Suttorp von der Charité sozusagen ein »alter Gießener«. Als stellvertretender Sprecher fungiert der Leiter der Klinischen Forschergruppe Infektiologie der II. Medizinischen Klinik, Prof. Jürgen Lohmeyer. Hackstein: »Wir wollen wissen, welche Rolle die DC insbesondere bei Infektionskrankheiten spielen und wie sie die gewebeschädigenden Entzündung bei der Lunge beeinflussen: Gibt es Untergruppen, die für die Steuerung verantwortlich sind? Wie differenzieren sie sich? Können sie so gelenkt werden, dass sie eine schützende Funktion übernehmen?« 

Die in Gießen vorhandene direkte Nachbarschaft von Grundlagenforschung und Klinik – zwischen Labors und Krankenzimmern besteht fast Blickkontakt – kommt diesen Arbeiten in hohe Maße zugute. In monatlichen Videokonferenzen tauschen Gießen und Berlin ihre Ergebnisse aus. Eine erste Bilanz – ein Jahr nachdem der Sonderforschungsbereich aus der Taufe gehoben worden war – stand kürzlich bei einer Konferenz in Rauischholzhausen auf dem Programm. Nach dem üblichen Tagungsfoto vor der Freitreppe zu urteilen, ist man optimistisch, das angepeilte Forschungsziel – Wege einer effektiveren Beherrschung der Volkskrankheit Lungenentzündung – zu erreichen.